Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1840)
- Article
- Leipzig: die Huldigungsfeier von den Juden gefeiert in Breslau
- Date
- 1840-11-21
- Page
- 366 (sequence 2)
- Language
- German
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fische Zeitung istauf jede mögliche Weise geschmäht, verläumdet und herabgesetzt wird. Sie beging darum auch ihre Festfeier vollkommen separat, aber zur Beschämung ihrer unleidlichen christlichen Mitbürger, auf eine Weise, welche zeigte, daß sie nicht Schuld an dieser Sonderung sei, sondern sich bemühe, das Ganze zu umfassen, ein brüderliches Verhaltniß zwischen sich und der christlichen Einwohnerschaft der Stadt herzustellen. Die Feier begann am 15. früh 9 Uhr mit einem Gottesdienste, der leider auf das übliche Gebet und die Abfingung einiger Psalmen sich beschränken mußte, da die Gemeinde keinen Prediger hat. Nach dem Gottesdienste begann die Speisung der christlichen Armen, 112 an der Zahl (die jüdischen Armen wurden durch Aushändigung eines Thalers an jede Person abgefunden) zu welchem Zwecke man eine Subscription eröffnet und die Genehmigung des Stadtraches eingeholr hatte, die vornehmsten Damen und Herren der Gemeinde machten dabei die Wirthe und fanden reichen Lohn für ihre Bemühungen in den dankbaren Gefühlen der gesättigten Bedrängtem Verkannte man auch vielseitig und absichtlich die redliche Absicht der Gemeinde, so fühlte sie doch selbst recht, gut, daß sie ihr Geld besser verwendet hatte, als wenn sie sich selbst Schmausereien gegeben, oder das Geld in Illuminationen und ähnlichen Schaugebungen verpraßt hatte. Erfreulich lauten die Berichte aus Glogau über die Huldigrmgsfeier. Es ist hier besonders das Einträchtige und Gemeinsame hervorzuheben, womit diese Feier vor der gesummten Bürgerschaft begangen, wurde. Alle Bürger der Stadt jeder Confesflon bildeten einen langen Festzug, der sich zuerst in die evangelische, dann in die katholische Kirche begab, um in Beiden einen Frühgottesdienst abzuwarten und alsdann, begleitet von sämmtlichen Behörden in die Synagoge ging, wo ebenfalls Gottesdienst gehalten wurde, den der Oberlehrer Arnheim durch eine bezügliche Festrede verherrlichte. — Auch aus Bütow wird ähnliches gemeldet. Die kirchliche Festfeier des wichtigen Tages begann früh 10 Uhr und wurde von angesehenen Christen durch ihre Gegenwart zu einer anderweit bedeutungsvollen Feier erhoben. Gebete und Psalmen, vorgetragen und geleitet vom Kantor Auerbach leiteten die Feier würdig ein. Darauf bestieg der Lehrer Fordon den Rednerstuhl, sich in klaren und gehaltvollen Worten über Vergangenheit und Zukunft, Gewährung und Hoffnungen verbreitend und daran die Verpflichtungen Israels knüpfend. Das Absingen von Psalmen, wobei vorzüglich die Solis eines Knabenchors bemerkenswerth sind, schloß die Feier. Höchst bedeutungsvoll wurde der 15. Octbr. für die kleine Gemeinde Beelitz bei Potsdam, die nur aus sechs Häuptern besteht durch die mit der Huldigungsfeier erfolgte Einweihung der neuen Synagoge, welche man durch schwere Opfer ins Leben gerufen hatte. Dr. Auerbach verherrlichte als Festredner die einfache, aber eindringliche Feier und gar manche Christen des Ortes schlossen sich dem Feste ihrer jüdischen Mitbrüder an, und beurkundeten dadurch, wie wenig gleichgiltig ihnen die Entwickelung unfers Lebens und unsrer Zustande sei. Am Mittage speiste die israelitische Gemeinde im frohen Gefühle der Dankbarkeit gegen Gott die christlichen Stadtarmen. In Aachen feierte die israelitische Gemeinde den Huldigungsgottesdienst am Vorabende des festlichen Tages in sinniggeschmückten, zahlreich, auch von christlichen Behörden besuchten Tempel. Psalmen und Lieder, zum Theil eigens dazu gedichtet und componitt und mit Instrumentalbegleitung vorgetragen erhoben die Seele eben so, wie die deutsche Predigt M e e r f e l d 's. — In Bonn ist bei Gelegenheit der Huldigungsseier vorzüglich die Stiftung eines israelitischen Vereins zur Beförderung der Handwerker unter den Israeliten hervorzuheben. — In Trier fand wie anderwärts ein Festgottesdienst in dem reichdekorirten Tempel statt. — Aus Kreuznach berichtet uns die dortige Zeitung von einer sehr einträchtigen Feier der gesammten Bürgerschaft. Es heißt: „In der katholischen Kirche ward mit dem Te deum und dem üblichen Gebete für dm König und sein Haus der Gottesdienst geschlossen. Hierauf begaben sich der größere Theil der Anwesenden aus beiden Kirchen, auch die Herrn Geistlichen, in die Synagoge hier, wo in feierlicher ernster Weise und trefflich ausgeführten mehrstimmigen Gesängen, deren orientalische Nachklänge das Interesse nicht wenig erhöheten, mittelst einer in deutscher Sprache durch den Rabbinats- Candidaten, Herrn Hirsch, in würdiger Weise gehaltenen Rede, der Gottesdienst der Feier des Tages sich anschloß. War der Redner beflissen, die Begründung der religiösen Gesinnungen seines Stammes auf Rechtschaffenheit und Vaterlandsliebe zurückzufähren, und die Vorurtheile zu beleuchten, die andere Meinungen aufkommen ließen, und denen ein mehrere tausend Jahre altes Bestehen widersprechen, was nur auf dem Grunde, nicht des Menschlichen, sondern des Göttlichen, möglich sei, so konnte ihm die wärmste Theilnahme der dichtgedrängten Zuhörer aller Confessionen nicht fehlen, und man glaubte den einzigen Weg deutlich zu sehen, auf welchem derselbe, aus eigener sittlichen Kraft, zu der gewünschten völligen Gleichstellung am schnellsten kommen könne." In Bromberg begann die Vorfeier des 15. Oct. mit einem Balle am Abende des 14. Am Huldigungstage selbst Gottesdienst und Speisung der israelitischen Armen. — Aus Birnbaum meldet die Pr. St. Z.: „Demnächst begaben sich gegen 6 Uhr auf besondere Einladung der Oberpräsident, der Kreislandrath und die sonstigen Fremden und einheimischen Teilnehmer des Festmahls in den hellerteuchteten Judeütempel, um auch der daselbst von Seiten der jüdischen Korporation vor-