Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1840)
- Article
- Leipzig: die Huldigungsfeier von den Juden gefeiert in Breslau
- Date
- 1840-11-21
- Page
- 367 (sequence 3)
- Language
- German
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367 bereiteten religiösen Feier des König!. Geburtsfestes beizuwohnen. Nach dem Absingen vollstimmiger und wohltönender Psalmen hielt der Sohn des jüdischen OMM? nen Heymann Joel eine die allgemeine Theilnahme erregende Festrede in deutscher Sprache, und es mußte wohl einen tiefen Eindruck Hervorrufen, als zum Schluffe der Feier auch an dieser Statte von der versammelten Gemeine und unter Mitwirkung christlicher Lehrer zwei Verse des christlichen Lobgesangs: „Nun danket Alle Gott" angestimmt wurde. Aus Stettin berichtet die Haube- und Spenersche Zeitung: „Bei den Festlichkeiten in Stettin verdienen die von der Iuden sch a ft veranstalteten noch besondere Berücksichtigung. Am 15. Octbr. Abends 6 Uhr versammelten sich sammtliche jüdische Bewohner der Stadt in ihrer neuen, freundlich gebauten Synagoge. Schon der Anblick dieses erleuchteten Gotteshauses und dieser ruhigen Versammlung wirkte wohlthatig. Ein jüdischer Prediger sprach in einem guten Deutsch würdig und kräftig über das, was unser König für uns gethan, was er hoffentlich noch thun wird und was wir zu thun haben." Der Redner, ein Candidat aus Berlin,-war zu dieser Huldigungsfeier berufen worden, nachdem er, anwesend bei dem Einzuge des Königs in Stettin, diesen Einzug zu einer herzergreifenden und streng ermahnenden Rede an sein Volk benutzt hatte. Nach Beem digung der Predigt wurden von dem Kantor mehrere hebräische Gesänge mit Musikbegleitung würdevoll vorgetragen. Aus Neudamm schreibt dieselbe Zeitung: „In Betreff der zu Neudamm am hohen Geburts- und Huldigungstage unsers vielgeliebten Königs stattgehabten Feierlichkeiten, verdient es noch einer ganz befondecn Erwähnung, daß auch die dastge jüdische Gemeine mit der Bürgerschaft gewetteisert hat, ihre Gefühle der Liebe und Verehrung, die sie für den Besten der Könige hegen, an den Tag zu (egen. Selbige hatte nicht allein ebenfalls einen feierlichen Gottesdienst veranstaltet, in welchem die Ps. 72 und 33 abgesungen worden sind, und der Kantor eine in deutscher Sprache abgefaßte, auf diesen hohen Festtag bezügliche Rede, worin das Wohl für unfern erhabenen gütigen Monarchen erfleht wurde, gehalten hat, sondern sie hat sich auch bei der Jllumina: Lion der Stadt besonders ausgezeichnet, da die Häuser des jüdischen Vorstehers Kaufmann Marcus Jtzigsohn und des Kaufmanns Benedix Meyer mit unter die prachtvollsten gezählt werden konnten. Auch hatte sich die Gemeine zu einem fröhlichen Abend bei ihrem Vorsteher versammelt und dem geliebten Könige, der attverehrten Königin und dem ganzen hohen königlichen Hanse begeisternde Trinksprüche gebracht." — Auch aus Heilsberg können wir in Betreff der Huldigungsfeier erfreuliches'Berichten. Den Festgottesdienst, das Hauptsächliche der hiesigen Feier, begann um neun Uhr Vormittags. Mehrere junge Leute hatten es sich angelegen sein lasten, einen geregelten und melodiösen Gesang des 8. und 21. Ps. vorzutragen, worauf der Vorsteher Gott sch al k eine gemüthvolle und eindringliche Festrede hielt. Darnach Gebet für König und Vaterland und Gesang des 45. und 61. Ps. Darauf betrat der Lehrer Rom den Rednerstuhl, eine kurze Rede an die zahlreiche Versammlung haltend, die er durch ein würdiges Gebet einleitete. Zum Schluffe der Gesang des 150. Ps. — Wie schon erinnert, war das Gotteshaus zahlreich besucht und viele Christen, unter andern auch die Behörden der Stadt, wohnten der Andacht bei. Zu Schwarza bei Schleusigen ebenfalls eine sehr erhebliche gottesdienstliche Feier zum Huldigungsfeste; dabei Predigt des dorrigen Nabbinen Moses Michel, die schon ihrer Originalität willen gedruckt zu werden verdient. — Daß an andern Orten die Juden sich vollkommen an den städtischen Ausdruck der Feier anschlossen, und z. B. in Magdeburg keinen besondern Festgottesdienst veranstalteten, weil die Stadt ebenfalls keine kirchliche Feier angesetzt hatte, verdient nach unserm Dafürhalten alles Lob; denn die israelitische Gemeinde soll und will nicht anders sein, als ein integrirender Theil der Bürgerschaft. Am Abende des 15. Octbr. jedoch erfolgte-die Beköstigung der jüdischen Armen auf Kosten der Stadt und während der Mahlzeit hielt Dr. Philipp son eine recht bezügliche Rede, wie dies von dem umsichtigen, gewandten Manne zu erwarten ist. -— In dem nahen Schönebeck lieferte die kleine jüdische Gemeinde zur Beköstigung der Stadtarmen einen Beitrag zur Deckung von 60 Couverts. Wer sollte leugnen wollen, dast^ dieses Preußenftst von dem wohltätigsten Einflüße aus die jüdische Bevölkerung geworden ist? Durch solche Vaterlandsfeste verketten sich die Juden immermehr mit Staat und Herrscher; sie gewinnen Vertrauen zu dem Staate und zu sich selbst; verschmolzen sich immecmehr mit dem städtischem Körper und genießen das Glück, zu sehen, daß täglich eine Scheidewand wehr fallt, daß sich mit jedem solcher Feste eine Differenz mehr ausgleicht, und die Eintracht und Bruderliebe wachst.