Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 45 (7.11.1840)
- Article
- Ueber einige philosphirende Secten des Islam
- Date
- 1840-11-07
- Page
- 698 (sequence 2)
- Language
- German
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knüpfungspunkte dar, wahrend der starre Prädestinatianismus der Asharije das jüdische Gefühl von vornherein abstieß. Die PhiLosopheme der übrigen muhammedanischen Secten, die Maimuni nicht einmal dem Namen nach kennt, von denen aber Ahrön b.Elia itn Ez Chajim eine nicht ungenügende Schilderung gegeben hat, blieben ohne Einfluß auf die jüdische Scholastik, Lheils wegen ihrer barocken Paradoxie Lheils wegen ihres ausschließlich islamitischen Charakters. Es ist sonderbar, daß Schmölders in seinen Documenta philosophiae Arabum (1836) darüber klägt, daß flujh't* dem Wenigen, was Mainiuni über die Medabberim (Mutakellimin) sagt, nichts Genaues über die muhammedanischen Secten bis jetzt bekannt geworden sei. Der Fleiß und die Gründlichkeit unsrer Alten ist im Gegentheil auch hier bewunderungswerth, und sie haben uns nichts als eine Nachlese des Materials und die Kritik des bereits gesammelten übriggelassen. WasPococke (8peeimen IRstoriae Arabum), George Sale (The Koran vvith.a Preliminary Discourse, Seel. VIII.) und aus ihnen Brücker (Histoiia Critica Philosophiae Tom. III.) aus arabischen Quellen zusammengestellt haben, .ist, wenigstens so weit jetzt unser Gesichtskreis reicht, erschöpfend, und es bleibt kaum etwas zu wünschen übrig, als daß sie die jüdischen Quellen neben den arabischen fleißiger ausgebeutet hatten. Denn die Schilderungen der Systeme der Muatazile und Ascharije, die sich im More und Ez Chajim finden, entwickeln, mit Weglassung des Rein-Islamitischen, die philosophischen Grund- und Folgesätze dieser Secten weit ausführlicher und übersichtlicher, als die zugänglichen arabischen Werke; und was Maimuni in vier langen Kapiteln über die Mutekellimin berichtet, ist auf keinen Fall „ein Weniges" zu nennen.! Die nachfolgenden Excerpte haben den Zweck, die Kenntnis der muhammedanischen Secten aus arabischen Quellenwerken zu bereichern; ich werde jedoch in Anmerkungen auf die parallelen Partien in jüdischen Werken verweisen, und wo diese nur handschriftlich vorhanden sind, die betreffenden Stellen übersetzen. Das erste Excerpt über die Muatazile und die zwanzig Factionen derselben ist entnommen aus dem bereits von Pococke und Sale benutzten Kitab el-Muwakif (Buch der Standorte), dem großen und unter den Muhammedanern klassischen Systeme der Religionsphilosophie von Abderrahman b. Ahmed b. Abd-el-G"afar Adhadeddin (Stütze der Religion) El-Igi, dem Kadhi, einem auch durch andere Werke (Miftah, Akaid Adhadi, Adab el-Adhadi.) berühmten Gelehrten, der Lm I. 756 (1365) im Kerker starb, wohin ihn der Statthalter von Kerman hatte werfen lasH. Dieses Werk ist oft commentirt worden, unter Andern auch durch Abulhasan Ali b. Muhammed El-; G'org ani, einem von Timur vorzüglich ausgezeichneten und schlechthin Es-Sejjid es-scherif genannten Gelehrten, der diesen seinen Commentar im I. 807 (1404), das ist, 9 Jahre vor seinem im I. 816 (1413) erfolgten Tode vollendete. Das Werk Adhadeddin's mit diesem dem röth überlinirten Texte beigefügten Commentare El-G'org ani's, nach Ham m e r's Notiz bereits zu Konstantinopel gedruckt^), ist enthalten in Cod. 397. der Königl. Bibliothek zu Dresden. Diese Handschrift, in einem zu Nestalik sich neigenden Neschi geschrieben, ist von einem türkischen Gelehrten zu eignem Gebrauch angesertigt und darum correkt, aber auch schwer leserlich, wegen fast gänzlichen Mangels aller diakritischen Zeichen. Ich verdanke es Herrn Professor Fleischer, dem durch wahrhaft aufopfernde Thatigkeit für seine Schüler ausgezeichneten Lehrer der morgenländischen Sprachen, daß ich zur Benutzung, so wie zum Verstandniß dieser werthvollen, von ihm selbst im Catalogus Codd. OrientaliumBibh Regiae Dresdensis p. 66 s. bereits beschriebenen Handschrift gelangt bin, aus der ich eben jetzt den Abschnitt über die Muataziliten (mit dem die I. 285 v. —292 r. enthaltene Schilderung der sich vielfach verzweigenden acht muhammedan. Hauptsecten beginnt) mitzutheilen in Begriff bin. Ich werde, was die Beschaffenheit der arabischen Commentare von selbst begünstigt, die Worte des Textes mit den Scholien des Commentators zu einem zusammenhängenden Ganzen verschmelzen, übrigens aber das arabische Original mit aller Treue wiederzugeben suchen» I. Wisse, daß die größten der islamitischen Secten folgende acht sind: die Muatazi liten^), dieCharagiten, die Murg^iiten, die Neggariten, die Gabariten, die Musch eb bi hi ten und die entrinnende (ftligwerdende)"). Die erste ist M Muatazile-Secte, die Anhänger Waßil b. Atha e! - Ghazzül's 5) Lelpz. Literaturzeitung 1826. Bl. 161—163 (woselbst auch eine kurze Geschichte der Bearbeitung des Ä l m e l - K e! ä m und eine Jnhaltsanzeige des Kitab el-Muwakif). 6) So ist zu vokalisiren, vom Aictiv -er VIII. Form, nicht Al-Motazali (Motazäiites), wie Po co ck e und G. S a! e schreiben. Das hebräische Glossem bei Samuel b. Libbon (More 1, 71) und Palkeira (More ha-More S. 124) ist Der Name nbinpD ist der Gesammtname der Secte; der einzelne heißt ÄNM (e l - m u a tazi li j u); die Lehre (z. B. a IM m et el - itizal, die Lehrer von der Secte der Muataziliten), persisch tharik el-iatizalest (s. LtoLariunl 8veieti, earmen 8ukeum, ed. Hammer). 1) Ein Ehrenname der Ashariten (in^M^), zu denen A d h a d e d d i n selbst, wie auch der Koranerklarcr B e i d h a w i, gehörte.