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Der Orient · 1840-10-24 · 43 (24.10.1840) · p. 670

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
43 (24.10.1840)
Article
Etwas über das Buch Jona
Date
1840-10-24
Page
670 (sequence 6)
Language
German
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allen Sprachtakr vergreift; die Sprachvergleichungen sind großentheils auf den falschen Grundsatz von der Radicalitat der zwei ersten Buchstaben in festen Verben (bei Len Arabern: ierfuh elasal) basirt; das Urtheil ist fast immer magisterial und diktatorisch, doch sind die seltenen Gaben, die der Verf. mißbraucht, nicht zu verkennen. Die Scholien Maurer's sind nach den Rosenwüllerschen, fast ohne alle Benutzung der Alten, jedoch nicht ohne Sammlersteiß und Lehrtalent gearbeitet; sie sind in Sprachauffassung zu sehr für die oft höchst paradoxen Ergebnisse der Forschungen des Prof. Nedslob eingenommen, und überladen mit nutzloser Staffage von Eitaten aus alten und modernen Profanskribenten; übrigens behandeln sie die heilige Schrift A. B. nicht als das Wort Gottes, als den Kanon der Wahrheit, welcher als solcher durch das einstimmige Aeugniß der Synagoge 1<2) und Kirche anerkannt ist, sondern als ein didaktisches Sagenconvolut, welches die allweise Vernunft abzuweisen hat, als einen bequemen Tummelplatz, auf dem die Kritik ihre Kunst, bis auf Null zu analyft'ren, beweisen kann. Die Auslegung Hesselbergs hingegen, der Ertrag seines siebenjährigen Studiums der kleinen Propheten, obgleich von -keiner stupenden Gelehrsamkeit starrend, ist .in der keuschen Sprache der Weisheit vecabfaßt, sie bekundet redliche Liebe zur göttlichen Wahrheit und, was schwer ist, Selbstverleugnung m Mirtheilung des eignen Wissens; die beigegebene Ueberfttzung ist prunklos, korrekt und fern von aller belletristischen Ueppigkeit. Erst spater wurde ich der Abhandlung von Krahmer habhaft, der sich endlich in den Besitz des Schlüssels gesetzt zu haben glaubt, der die in die Hausflur und inneren Gemacher des geheimnißvollen Buches einführende Pforte schließet. Nach Krahmer ist das Buch Zona keine Dichtung, sondern eine bildliche Darstellung von einiger historischer Basis und religiöser Tendenz, würdig, die ihm angewiesene Stellung im Kanon emzunehmen. Bei der Analyse der Geschichte, die er anstellt, bleiben jedoch nur wenig historische Züge übrig — bloße Namen, bloße Reminiscenzen, welche der Schreiber als Foli untergelegt hat. - Es ist ihm unwahrscheinlich, daß überhaupt ein Prophet nach Nineve gegangen sei, „denn eine solche Pro se t y r e nmach er ei fand sich erst lauge nach dem - babylonischen Exile unter den Juden dn" (S. 41.); er behauptet geradezu und entschieden, daß der Prophet Jona niemals eine Seereise zu machen unternommen, hierüber auch keine Sage existirt habe (S. 70); kein vernünftiger Mensch werde Jona's Schlaf wahrend des Sturmes für eine wixkliche Begebenheit halten (S. 19.); die Fischgeschichte sei aus einer 12) „Der den Jona im Bauche des Fisches erhört hat, der erhöre uns" ist eine uralte synagogale Fasttags - Eulogie (Ta'anit 15, a). zwiefachen heidnischen Sage zusammengesetzt (S. .47.)'; Vierzig und Drei seien blos die bekannten heiligen Chiffon eines kurzen Zeitraums (S. 29. 40.) z es sei lächerlich, daß auch „das liebe dumme unvernünftige Vieh" in Trauergewänder gehüllt werde (S. 41.) u» s. w. Den Charakter des Propheten halt Krahmer für keinen „abscheulichen und teuflischen", wie Eichhorn, sondern, was noch schlimmer, der Prophet gilt ihm nur als der Perückenstock, an dem der Dichter die bornirten Ansichten eines „ungebildeten Judenlaien" aufgehangen und prophetisch überpudert hat. Ich will den Leser nicht erst durch die Schtangengewinde der Krahmer'schen Hypothesen fülwen, sondern sogleich das Resultat derselben vor ihm ausbreiten: Der Verfasser des Buches Jona ist ein aufgeklärter, Klugheits halber anonymer Jude, der nach dem babylonischen Exil und zwar nach 515 v. Ehr. schrieb, was gar nicht anders möglich ist^); die von demselben mit großer Feinheit gewählte Person Jona's reprasentirt die junge geistig befangene und geistig unfreie Colonie der aus Persien zurückgekehrten Juden mit ihrer geistigen Beschränktheit und partikularistischen Ansicht, insbesondere mit ihrem inhumanen Verfahren gegen die Samaritaner und abstoßenden Urtheil über die Perser. Nineve steht für die Residenz Persiens 14); das S chiff ist ein allegorisches Bild des Machtverhältnisses Persiens zu Palästina, d. h. zu den 13) Die Abfassungszeit und der Verfasser des Buches sind zwar dogmatisch etwas Indifferentes, und es steht Jedem frei, den Propheten und dem Nelator seiner Geschichte, sür verschiedene Personen zu halten. Aber das Buch muß als kanonisches, göttlich eingegebenes und verbürgtes, unangetastet bleiben, und zureichende Gründe für die Unmöglichkeit, daß Jona selbst der Relator sein könne, ausgestellt werden. Der Beweis aus dem Styl, der allerdings markirte Züge einer jüngern Zeit hat, ist ein unzureichender Wahrscheinlichkeitsbeweis, aus oben erwähnten Gründen. Ebenso unstatthaft scheint es uns, mit Krahmer aus betn HilM 3, 3. zu schließen, daß das Buch nach 625 (als dem Jahre der Zerstörung Nineve's unter Cyaxares) abgefaßt sein muffe. Jona's HiTm kann allerdings nicht Präsens seyn, aber es ist auch nicht der geschichtliche Auristus (Mn/), sondern das synchronistische Imperfekt, ganz wie Gen. 1, 2. Nineve war, als Jona hinkam, eine große Stadt, d. h. er fand sie als solche. Es ist das arabmit dem übrigens die modernen Horoskopen des Buchs Jona das üv Abulfeda, Histor, anteislam, S. 52. Z. 4. v. u. vergleichen mögen. 14) Ein anderes Quidproquo ffatutrt Knobel (Der Prophetismus der Hebräer, Breslau 1837. Ll. S. 375.), nach welchem Nineve für Babylonsteht und die Tendenz des Buches folgende ist: „die Propheten im Exile, die sich in den Weissagungen des Unterganges Babylons immer getäuscht gesehen hätten/und nun blosgestellt und voll von Unnurth sich von ihrem Amte vielleicht hätten Z'rrückziehen wollen, zurechtzuweisen und au ihre Propyetenpflicht zu erinnern." Diese Hypothese fällt, insofern sie das Wesen des alttesram. Prophetenthums amn'hilirt, in sich selbst zusammen.

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