Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 43 (24.10.1840)
- Article
- Etwas über das Buch Jona
- Date
- 1840-10-24
- Page
- 669 (sequence 5)
- Language
- German
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673 Das Buch Jonas, yrswnicy-rrmscy unr.ersucyr von Lw. ^rayme Es hat kein Prophet sich durch so heidnische Combinationen beschimpfen lassen müssen, als der Prophet Jona. Mit blutendem Herzen wenden wir uns von dergleichen Auslegern weg, die, wie dort die heidnischen Schergen des Antiochus Epiphanes, die Bücher des Gesetzes hervorsuchen, ihre Götzen darein zu schreiben und zu malen (1 Makk. 3, 48.), welche die Cherubim für die Donnerrosse des Jupiter, die Serafim für serapisköpsi'ge Schlangen, die eherne Schlange für das Attribut der segnenden Isis, die Bundeslade für ein Conterfei egyptischer Osiriskisten und die Be schnei düng für eine symbolische Unsitte halten, welche die Israeliten von den Egyptern und diese von einem nach Diodor, Pausanias und Strabo d7t£Qiv(.irjta)g zur Welt kommenden Affen gelernt haben sollen (v. Ammon in seiner Fortbildung). Ueber den Inhalt und die Tendenz des Buchs Jona bemerkt Hesselberg in seiner mit ebenso viel Wahrheitsliebe als Anspruchslosigkeit geschriebenen Auslegung: „In ihm leuchtet ein himmlischer Strahl der ewigen Milde und Erbarmung Gottes über ein Volk, das in Todesschatten saß, einen Spiegel für das Volk Gottes, damit es erkenne, daß nur Buße vom Zorne Gottes errettet". — Allerdings ist Nineve, als das Objekt der prophetischen Predigt, auch das Centrum des Buches; dabei wird uns das Verhalten des göttlich berufenen Propheten mit der Treue, Unpartheilichkeit und Tiefe erzählt, welche die heilige Geschichtschreibung vor aller reinmenschlichen auszeichnen. Die Allgemeinheit der göttlichen Gnade, gegenüber menschlichem aus Eigenwillen und Stolz hervorgehenden Particularismus — das ist das Thema, oder vielmehr die Summe der aus der vorliegenden Geschichte resultirenden Porismen. Wir haben keine Fabel vor uns, in welche der Dichter die oder jene Lehre, um sie sinnbildlich zu veranschaulichen, eingekörpert hat, sondern eine wahre providentielle Begebenheit, die uns sowohl in ihrer Totalität als in ihren kleinsten Besonderheiten die sich auf Völker und Individuen erstreckende Gnadenvorsehung Gottes und die Disharmonie des menschlichen Charakters mit derselben vor Augen stellt. Wir sehen in Jona, dem ungehorsamen, eigenwilligen und pseudopatriotischen Propheten, den Menschen nicht häßlicher geschildert, als er wirklich bei der Herrschaft seiner Matur oder doch ihrem Uebergewichte über den Geist ist, und haben also die Tendenz des Buches weder in einer gehässigen Herabwürdigung des Prophetenordens oder der Israeliten, deren Personisication Jona nach Eichhorn ist, noch in einem speciell gegen die Propheten gerichteten Elenchus, wie Maurer annimmt, zu suchen. Blasphem aber ist es, wenn Hitzig die Idee Gottes im Buche Jona als eine supranaturalistische und plumpe, sowie die von der Prophetie als eine „rohe und unwahre" abfertigt — damit beweisend, daß er zu den Theologen gehört, denen, wegen Mangel an aller geistlichen Erfahrung, das Heilige ein unlösbares Rathsel ist. Ec findet, nachdem er eine Ieitlang rechts und links gehauen und sich Platz gemacht hat, die Tendenz des abmtheuerlichen Buches endlich in einer (nach seiner Meinung mißlungenen) Entschuldigung Gottes, wegen des Nichteintreffens der Weissagung seiner Propheten, abgesaßt in Eavvten, dem Lande der Monstrositäten. Alle modernen Ausleger, deren Ansichten über die Tendenz des Buches Maurer die Revue passi'ren läßt, haben sich dadurch den Gesichtspunkt völlig verrückt, daß sie die Geschichte Jona's für eine bloße, zu Gunsten der einseitigen oder philanthropischen Moralien, die sie daraus folgern, aufgestellte Scenerie halten, wahrend wir aus dem darin offenbarten Walten Gottes lernen sollen, wie er sich faktisch im A. T. nicht allein nach seiner Gerechtigkeit, sondern auch nach seiner Barmherzigkeit als einen Gott der Heiden bewiesen, und aus dem darin bis in seine geheimsten Winkel beleuchteten Charakter Jona's, wie der Mensch mehr auf seine eigene Ehre, als auf die Ehre Gottes bedacht zu sein pflegt, und sich selbst durch die ihm widerfahrene Gnade nichts erweichen laßt, ohne alle Mißgunst und persönliche Rücksicht Anderen zu dem Besitz gleicher Gnade zu verhelfen und sie im Besitze derselben zu sehen. Das Buch beginnt damit, daß Gott redet, und schließt damit, daß Gott redet und der Prophet, wie dort Job (40, 3. 4.), verstummt; in dieser Schlußrede Gottes verhallen alle Mißklänge in einem effettvollen, harmonischen Finale, und das Schweigen des Propheten fordert jeden Leser zu schweigsamen, sich in die Barmherzigkeit Gottes versenkenden Nachdenken auf. Der Kikcrjon!1) des Jona ist ein liebliches Bild, welches allen heilsbekümmerten Seelen den ernsten, nach ihrem Heile verlangenden Gnadenwillen Gottes versinnbildet und jeden Gedanken an eine unbedingte Gnadenwahl lügenstraft; der Prophet hingegen, der sich unter dem schattigen Laube des Baumes gütlich thut, aber über sein baldiges Verwelken in Zorn ausbricht, eine warnende Strafpredigt gegen allen subtilen Pharisäismus. — Der Raum dieser Blatter gestattet nicht, in die besondern Eigenchümlichkeiten der obgenannten Auslegungen des Terep asar (Dodekapropheton) oder der zwölf kleinen Propheten näher einzugehen. Die von Hitzig ist voll des gährenden Mostes einer ausgelassenen Kritik, die den Inhalt der heiligen Schrift umstirrzt und, mit Masoca und synagogaler Tradition völlig unbekannt, sich selbst an dem heiligen Texte, ohne 11) So heißt der auf Gottes Befehl über dem Haupte des Propheten erwachsene Baum, arab. elchirwa'u oder sedel eich arr (als Mcdicament gegen das Fieber). Rabba bar bar Chana giebt in seinem volksrhümlichen Aramäisch folgende Beschreibung (Sabb.21.): „Was mich betrifft, so habe ich den Kikajon Jona's gesehen, er ähnelt dem Aeluliba (das ist eben elchirwa'u, ein unfruchtbarer Baum, aus dessen Körnern das arzneiliche Oel, arab. duhn el chir wa'i, tals iriud. seinen kik gewonnen wird) und wächst an stehenden Wassern; man braucht ihn um Krambuden vorn zu belauben, ans seinen Körnern macht man ein Oel, und auf seinem Zweigwerk pflegen im Westlande (d. k. in Palästina, von Babylonien ans gedacht) Kranke zu schlafen." Interessant ist der Streit, der sich über diesem Worce zwischen Augustin und dem jugendlichen Verbesserer der Vulgata, Hieronymus, entspann. Die Gemeinde zu Hippo geriet!) in Tumult, als für cucurbita das neue hedera des Hieron. verlesen wurde; man fragte endlich die karthagischen Juden und diese entschieden für die alte Vulgata (Hieron. Opp. I. S. 749. Veron.). Wirklich erklärten die maurischen Gelehrten noch im Mittelalter Kikai«i, durch nyb'l (Kürbis) oder mp ((Surfe).