Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1840-10-24 · 43 (24.10.1840) · p. 668

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
43 (24.10.1840)
Article
Etwas über das Buch Jona
Date
1840-10-24
Page
668 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
87% known words query
IRI
…/8555529-9891396-9891460-2363906--0867-2363937
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

672 cwiv jpvvvj uuü tu sjvaupyeit’Jl , tiTtCUT VON A. ^)1lAlZ. Zeit Menahem's (772 v. Chc.), der den Assyrern Zinsbar wurde, zu einem gangbaren Ausdrucke für die Edikte der assyrischen, medischen und persischen Dynasten, wahrscheinlich durch Übersetzung ausgeprägt ward 9). Zeder Prophet hat seinen eigenthümlichen Styl, wie schon ein alter Ueberlieferungssatz sagt, den der Talmud uns aufbewahrt hat: „Viele Propheten haben Ein Thema, aber nicht zwei weissagen in Einem Style, ja auch der Styl (p)3D) desselben Propheten ist je nach der über ihn kommenden Prophetie nicht heute und zu einer andern Zeit ganz derselbe (Sanhedr. 89, a.) -- ein Beweis dafür, daß das Alterthum auch für die Sprachnüancen der prophetischen S.christen ein Gefühl Hatte, aber ungeachtet seines feinen Sprachtaktes doch nicht die kanonischen Schriften, wie die modernen Hebraisten, von einem Verfasser zum andern, aus einer Zeit in die andere exilirte. Auch der Schreiber des Buches Jona hat seine Lieblingsausdrücke und Idiotismen, wie die alterthümliche Construktion des Verb, mit dem Objectsaccus. seines Nomens <1,10.16. 4,1.6«, vergl. Ewald Gramm. §. 486), das gleichfalls alterthümliche D?71 (mehr als) für <4,11. vgl. Deut. 14,24. 2 Chron. 25, 9. Est. 6,6), der Gebrauch der Prap. ffit-TIJD (wahrend, 4,2. vgl. Nicht. 3, 26), das zarte echthebraische (Kind Einer Nacht, 4, 10) und das, obgleich nirgend anders vorkommende/ doch höchst elegante taQt^r6 rpft'n (1, 4. nach Art der arabischen af hl el-mukarabe)* Wir müßten die mannigfachen Charaktere der althebraischen Schriftsprache, Volkssprache und Landesdialekte (Jona war Sebulunit, also aus der Nachbarschaft Galiläas) vor Augen haben und darnach das Gebiet der individuellen Freiheit des Styls umgrenzen können, wenn wir nach so wenigen an eine spätere Gestaltniß der Sprache erinnernden Ausdrücken, an deren Seite wir unabweisbare Archaismen finden, dem Propheten aus Gat ha-Chefer die Verzeichnung seiner eignen Wundergeschichte, wider das Aeugniß des gesummten Alterthums, absprechen wollten. Was den Inhalt des Buches Jona betrifft, so will es dem neuesten Ausleger Maurer ebensowenig, als seinen Vorgängern in der Quidproquo-Exegese, wahrscheinlich bedünken, daß er irgend eine geschichtliche Basis habe. Jedenfalls hat ihm der Wattfisch Jona's einen zu engen Rachen, und freilich hat der Leviathan des 9) Auch der Gebrauch des Lamed als Zeichen des Accus. (4, 6) ist jünger, jedoch schon bei Jesaja (11,9), der unmittelbar nach Jona auftrat (759 v. Chr.); vielleicht jedoch ist (beschatten, beschirmen) Ez. 31, 3, wohin das targumische fcOINv zu deuten scheint, damit wäre auch dieser Neoterism verschwunden. Die arab. Grammatiker sagen, daß jenes Lam stehe li-takwijet el-r4mil (zur Verstärkung des Einflusses des regierenden Verb.) Hobbes einen größeren. Darum hat der Scribent entweder seiner Geschichtserzählung einen alten neuaufgestutzten Mythus beigemischt, oder — „quid? quodtoUi narratio ficta ab ipso scriplore pulari polest^ Es ist Hrn. D. Maurer nicht genug, daß man nach Rosenmüllers und Gesenius' Vorgang den Propheten Jona für den vermummten Herkules halt, der in dm Rachen eines Seeungethümes sprang, um die an einen Meeresfelsen geschmiedete Hesione (Andromeda) zu befreien — es erscheint ihm noch bequemer, die ganze Geschichte für die fantastische Farce eines Fabulisten zu halten. Auch Wirrer im Reallexikon findet die Ansicht von der Umarbeitung des Herkules in den Propheten Jona nicht schlechthin verwerflich; doch gesteht er, daß bei dieser Manipulation nicht viel übriggeblieben sei, was an den philistaischen Andromeda-Mythus (eine Fabelftatze, deren in einem andern Sinne schon Hieronymus und Theophylakt gedenken), erinnern könne; aber Hitzig, Vernunft gegen Vernunft setzend, halt jede Benutzung einer alten Volkssage für unwahrscheinlich, indem er die Erzählung, die er mit seinem kritischen Scalpett jämmerlich zerfleischt, für „eine reine Dichtung, für eine Spiel willkürlich schaltender Phantasie erklärt, für das Gebilde einer durch nichts Ueberkommenes beengten Phantasie, das sich unzweideutig durch die Superfötation(?) gegen Ende verrathe." Baur hält gar den Propheten Jona für den von der Willkühr des Erzählers ausgehecktm Doppelgänger seines Fisches, und beide zusammen für identisch mit dem fischgestalteten Ungeheuer/Sldvvrjg (’Evav'iig), welches, aus dem Meere aufsteigend, die Babylonier in Kunst und Wiffenschast, Sitte und bürgerlicher Ordnung unterrichtete 9 10) — was Hitzig sich gefallen lassen zu wollen erklärt, „wenn wenigstens in, mit oder auf dem Fische Jona nach Babylon käme". Das ist die Exegese^ des Ahriman, welche die Finsteruiß lieb hat, verwandt mit der Thierkreis-Exegese von Wünsch und mit der Phallus-Exegese von Nork!! Mit demselben Rechte könnte man sagen, daß das Buch Jona aus dem Sirenenmythus entstanden sei, weil die Sirenen einen Fischschwanz hatten, oder daß Columbus nur eine Carricatur Jona's sei, weil sowohl Columbus als Jona eine Taube bezeichnet. 10) So wie Baur dm Propheten selbst -mit dem Scethiere, als seinem Adsirnct, für den hebrälsirlen Oannes,-ein Ungeheuer, aus dessen Fischschwanz Menschenfüße hervortraten, das Gegenbild des Fischwcibes, Derketo - Semiramis, hält, und in dem Namen Jona eine klare Beziehung auf die in Assyrien göttlich verehrte Taube, das Attribut der Naturgöttin, findet, so sieht er in dem Jejunum* Ninevitarum das Trauersest des Adoniskultus, in dem Kikajon die hoi?ti Adonidis und (was nicht blasphemer sein könnte), in dem „Jehova mit seinem zwischen entgegengesetzten Gemüthszuständen ' getheilten Wesen" den Adonis mit seinem wechselvollen Schicksale abconterfeit.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.