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Der Orient · 1840-10-24 · 43 (24.10.1840) · p. 667

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
43 (24.10.1840)
Article
Etwas über das Buch Jona
Date
1840-10-24
Page
667 (sequence 3)
Language
German
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670 ötttJ zwölf t lernen Propren, ausgeiegr von Hemncy ei| eiberg. Na hum's, von dem Gipfel seiner Macht herabgestürzt wurde. Die Wirkung der Büßpredigt des Propheten war freilich von keiner Beständigkeit; denn kurz nachher stieg der Ehrgeiz de.r assyrischen Könige so hoch, daß sie eine endlose Erweiterung ihres Reichs sich zur Aufgabe machten und zur Befestigung desselben sich eines neuen Mittels, nämlich der Verpflanzung der grausam unterdrückten Völker, bedienten, wie dies bereits unter der Regierung Menahem's und Pekach's geschah (2 Kon. 15, 19.29. i Chron. 5, 26). Somit ist die Zeit der prophetischen Wirksamkeit Jona's und namentlich seiner Sendung nach Nineve bestimmt, etwas tiefer herab, als sie von neueren christlichen (z. B. Hesselberg) und jüdischen Exegeten (z.B. Benseeb) angesetzt wird. Eine andere Frage ist die nach der Zeit der Abfassung des Buches. Obgleich der orthodoxe Exeget, der das Wunder der Geschichte anerkennnt, keinen Grund hat, an der Authenrie des eingewobenen Gebetes zu zweifeln, so kann doch die Geschichte von einem Andern, als Jona, und in spaterer Zeit niedergeschrieben sein. Aber Maurer entlehnt gerade aus dem Gebete Jona's die Gründe für die spatere Abfassung des Buches, indem er sagt: „Das Gebet Jona's ist aus Psalmenphrasen ungeschickt' zusammengestoppelt, so daß sowohl Ungehöriges gesagt, als zu Sagendes weggelassen ist." Hitzig drückt sich noch glimpflich aus: „Es ist großenteils aus Psalmen atomisch zusammengesetzt"; das Wort atomitisch kann man sich gefallen lassen, weil es so gelehrt ist, daß man seinen Sinn nur ahnen kann. Aber hat man je über eine OdchHorazens ein arroganteres Urthül gesprochen, als Maurer über das Gebet unseres Propheten? Giebt es ein plus ultra der Beschimpfung des heiligen Kanon als die, wenn Hitzig^) den 68. Psalm, der, wie das Triumphlied Debora's und das Gebet Habakuk's, im erhabensten Pathos der Rede abgesaßt ist, und von dem größten Meister hebräischen Styls unter den Juden staunend bewundert wird, für ein unhebräisches fehlerhaftes Lappwerk erklärt, und der von römischem Aberglauben zu protestantischem Unglauben abgetretene Erklärer des Propheten Jona, dessen aus dem tiefsten und heiligst/n Affekten geflossenes Wunderlied preces min siwnlra wann confiatns nennt')! Es ist wahr, das Gebet Jona's enthält Anklänge an einige Psalmstetten, aber ist es zu verwundern, daß die Harmonie der von Einem Geiste getriebenen heiligen Männer sich zuweilen selbst in Einklang ihrer Worte äußert, und wenn man auch wirkliche Reminiscenzen aus bereits vorhandenen heiligen 6) Der jüdische Ausleger Benseeb (gest. 1811) nennt es in seiner hebräischen Jsagoge „ein Gebinde von Blumen, gelesen im Rosengarten der heiligen Psalmenpoesie." Und unser Burk bemerkt: Llademus m hynmo Jouae praestantissiimim exemplum psaLterii recte applicafci. 7) Derselbe, der die 2 Kön. 14,25 erwähnte Weissagung Jona's in Jes. .15,16 aufgefunden hat. (Hitzig, des Propheten Jona Orakel über Moab kritisch vindicirt u. s. w. Heidelb. 1831. 4). Wenn sophistische Diarriben überhaupt würdig wären, so sollte es nicht schwer fallen, das Vorhandensein von Bruchstücken der Propheten Gat, Na tan und Jddo auf gleiche Weise probabel zu machen. Schriften jn späteren findet, ist diese Benutzung etwas mit der göttlichen Eingebung derselben Unvereinbares und nicht vielmehr eine Bestätigung des göttlichen Ursprungs der ersteren? Wer aber im Gebete Jona's 'Absurditäten findet, dem wollen wir diese seine Absuditäten nicht wegdisputiren. Des tieferen Eingehens werth ist die Frage nach dem Erzähler der Geschichte uud seinem Zeitalter. Daß von Jona in der dritten Person erzählt wird, beweist nichts dagegen, daß der Prophet selber der Erzähler sei; man spricht deshalb auch weder Most den Pentateuch noch dem Casar die Bücher von seinen Kriegen ab. Aber Maurer urgirt die nonuullas verborum signißcaliones formasqtie aramaicas5 ohne jedoch Belege dafür anzuführen. ' Prüfen wir denn alle sprachlichen Momente, die möglicherweise als Spuren einer jüngern Zeit erscheinen können. Wir treffen in dem Buche Jona das relative she (1,7*12. 4,10.), welches keineswegs wie Ewald (Gramm. §. 453) annimmt, aus dem vollerem Relativpronomen abbrevirt, sondern die ursprüngliche elementarische Bezeichnung der Relation ist, welche in mannigfaltigen dialektischen Formen der Aramaismus darstellt» Sie findet sich nicht allein in jüngeren Schriften aus einer Zeit, in welcher geschichtliche Ereignisse den Aramaismus mit dem Hebraismus zusammenrückten, sondern auch in dem ältesten, welche die Spuren der natürlichen Consanguineitat beider Sprachen tragen, wie im Pentateuch (Gen. 6, 3. wo die von Gesenius gegebene Erklärung sogar in Widerspruch mit der Masora^) steht) und im Buche Job (19,29, wozu schon Tanchnma Nicht. 5, 7 vergleicht), für dessen Verzeichner ich nach unmaßgeblicher Meinung, zufolge einer bekannten uralten Tradition, Mose, wahrend seines Aufenthalts in Midian, halte. O<r Gebrauch des Derb. (werfen) für (1, 5.12) und für oder r.3 (1,4. vgl. Ex. 10,13) kann eben so wenig ein jüngeres Alter beweisen, als das mehr aramäische als hebräische Hin dem Liede am Meere (Ex. 15,1.21). Das mit rpj& wechsende 7WOO (Schiff), das sonst nur bei Ez. vorkommende (Schiffer, 1, 6), das seltene pn^ (schweigen, 1,11. 12), die ganz eigenthümlich gebrauchten Verba niätynn (gedenken, 1, 6) und INN (rudern, 1, 13) können bei unsrer mangelhaften Kenntniß des althebraischen Sprachschatzes nicht einmal Wahrschemlichkeitsbeweise abgeben. Die scheinbarsten Neoterismen sind die sonst nur bei Daniel und Esra gebräuchlichen (befehlen, ordnen) für TVte oder j^D (2,1. 4,7. 7) und (Beschluß, Edikt, 3,7 wofür später mu aufkam); aber das erste hat seine alten Analogien, und was hindert uns gerade aus dem Gebrauche des letztern Wortes zu folgern, daß es schon zur 8) S. den masoretischen Commeutar zu dem Pentateuch Meor Enajim, Rödelheim, 1818. 8. 43

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