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Der Orient · 1840-10-24 · 43 (24.10.1840) · p. 666

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
43 (24.10.1840)
Article
Etwas über das Buch Jona
Date
1840-10-24
Page
666 (sequence 2)
Language
German
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UU 4 ist somit älter als Hosta, Amos, Micha und Jesaja, die, nach Baba Batra, in Einem Zeiträume weissagten. Er ist der älteste unter den letzten Propheten (dOTin), deren schriftliche Denkmale uns aufbewahrt sind. Wir finden ihn wirksam als Prophet in einer Zeit, in welcher Elisa schon gestorben war; vielleicht ist er einer von dessen -Jüngern, in der Prophetenschule desselben gebildet (2 Kön. 14, 25. Jon. 1, 9. 10. vgl. Am. 7,14). Problematisch ist die Zeit seiner Sendung nach Ninive. Wahrscheinlich ist es, daß diese Sendung in die Zeit fallt, in w.Mer, nachdem Sacharja, Jarobeam II. Sohn, und Saltum des nur kurze Zeit behaupteten Thrones in Folge des über Jehu ergangenen Fluches beraubt worden waren, der neue Herrscher Me nahem (771 v. Ehr.) den König der eroberungssüchtigen Asstrer Pül herbeirief und von ihm die Befestigung seiner Regentschaft um einen theuern Preis erhandelte (2 Kön. 15,19)*)* Der steigende, nach Erweiterung des -Reiches gierige Hochmuth der Assyrer müßte natürlich die Ueberreste der p a t r ia r-cha l i sch e n wo achi-fchen Religion verschlingen, die sich auch in den vier andern Gefchlechtslinien des semitischen Stammes (a-uße c der des Arpachsad) erhalten haben mochten. Jona wird nach Nineve gesandt, in welcher Stadt jene Ueberreste der patriarchalischen Religion, obgleich noch nicht gänzlich nntergegangen, doch durch Herrschsucht uüd die'damit verbundenen Laster der Gefahr des gänzlichen Untergangs pre-isgegeben waren. Seine Sendung ist ein Thatbeweis gegen den der alttestamentlichen Oekonomie aufgebürdeten Partikularismus; Gott beweist sich durch das ganze A. T. als den Gott aller Völker, und gewöhnlich treffen besondere Offenbarungen dieser universalen Fürfehung mit desondern Strafgerichten über sein heiliges Volk zusammen. Der Prophet sucht seiner Sendung durch eine Ftuchtreise nach Tartessus, der äußersten Colonie der Tyrier in Spanien, zu entgehen. Es ist ungewiß, ob er schon dem in der nachmaligen Anachronismen und Entstellungen der Geschichte des I ü nu s (Sur. 21,87. 37, 139. 68, 48) sind in gar keinen Vergleich zu stellen mit den Fratzen , welche die moderne Kritik dem Buche Jona aufgedrückt hat. — Beiläufig bemerke ich, daß sich für auch die mehr hellenistisch vokalisirte Form sinder. Sie scheint die ältere zu sein und ist-vorherrschend in einem kostbaren, der Leipz. Nathsbibliothek gehörigen Cod. des Bochari, dessen Bocalisation von legitimer Authentie ist, z. B. in dem da angeführten Ausspruch des Pseudopropheten : „Es ziemt Niemandem von euch zu sagen: Ich bin besser, als Jonas der SohnMedta's" (wo übrigens hinzugefngt wird, baß der Vater des 'Propheten sei -— nicht die Mutter, wie dre Araber sonst, durch die weibliche Form des Stammes betrogen, annehmen). 4) Dies ist die wohlbegründet.e Vermuthung eines der ausgezeichnetsten Ausleger des A. T. CH.A.Crusius in feir ncn Hypomnemata ad Theologiam l^ropheticam 111, S. 38. 39. m ailynscy - oavyiontzcyes Symbol. 668 jüdischen Dogmatik ausgesprochenen Satze huldigte, daß der Geist der Prophetie oder die Schechina auf heidnischem Grund und Boden (pttb r&,n) sich nicht öffenbare o). Seine Flucht hatte aber wohl einen doppelten Beweggrund: er fürchtete die Tyrannei des Königs Pül und die Zügellosigkeit der Assyrier, in Folge der an den zu Hülfe Gerufenen gemachten eigenen Erfahrung, und er sah die Stcafgdrichte voraus, die einst über seine israelitischen Volksgenossen durch Assyrien, als den Stab des Grimmes Gottes, ergehen würden und von denen ihm die Büßfertigkeit Nineve's — ein warnendes Exempel für sein eignes halsstarriges und unbußfertiges Volk — als eine entfernte Ursache oder doch vorbereitende Veranlassung gelten mußte. . Eine altsynagogale Ueberlieferung (M e ch ilL a) sagt daher 'sehr sinnig: pn rÄ pn ins pn;rw ’pNH.IpD, d. h., es war dem Propheten mehr an der Ehre des Kindes, als des Vaters, mehr an der Ehre des Volkes Gottes, als an der Ehre G.o.ttes selber gelegen. Einige 'der Men Ausleger mehmen an, daß Jona dem göttlichen Rufe zu entgehen suchte, um nicht einem unbeschnittene.n Volk bas Wort Gottes predigen zu müssen, ähnlich wie Petrus in Joppe (Ap.-Gefch. 10, 14) lieber Gott widersprechen, als von unreinen Thieren essen wollte; Andere (wie Burk im Gnomon), daß er, wenn seine Weissagung vom Untergange der Stadt unerfüllt bliebe, Schmälerung der Ehre Gottes und seiner eignen befürchtete —- was mir deshalb als unannehmbar erschemt, weil in den Worten der Vocation (1, 2) jenes speäelten Inhaltes der Predigt (3,4) nicht gedacht ist. Wir beruhen daher in den aufgestellten Motiven, insbesondere dem zweiten traditionell bestätigten. Wenn man die angegebene Zeit der Sendung nach Nineve annimmt, so laßt sich auch die dortige erfolgreiche Wirksamkeit des Propheten, welche Hitzig für psychologisch unwahrscheinlich halt, einigermaßen pragmatisch erklären. Seine Androhung des binnen 40 Tagen erfolgenden Untergangs Nineve's erhielt dadurch mehr Gewicht, daß seine Weissagungen gegen die Syrer zu Gunsten Israels bereits eingetroffen waren, und seine Persönlichkeit war ohne Zweifel noch Manchem aus dem letzten Feldzuge Pül's nach dem heiligen Lande erinnerlich* Eine Eroberung und Zerstörung Nineve's lag zudem bei den kriegerischen Verwickelungen, in die Pül und seine Nachfolger durch ihren Eroberungsdurst gerathen waren, nicht außer dem Bereiche der Glaublichkeit, wie es benn Wirklich 625 v. Ehr. durch die unter Nabopolassar und Cyaxares anstürmenden Völkerschaaren, gemäß der Weissagung 5) Der Prophet, sagt die synagogale Tradition, gleicht dem Knechte eines Priesters, der seinem Herrn entfloh und sich auf dem Begrabnißplatze (wohin ihm der Priester nicht folgen durste) verbarg. Bei deinem Leben! rief der Herr, ich habe andere Knechte, wie du, sie dir nachzuschickcn und dich hervorziehen zu lassen.

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