Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1840)
- Article
- Erfolgte Schritte zu Gunsten der in Damaskus Verfolgten
- Date
- 1840-10-03
- Page
- 311 (sequence 2)
- Language
- German
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311 zu tadeln. Ich fühle mich in Verlegenheit, sagte er, wenn ich denke, England , das sich selbst in der unedlen Rolle der Judenfeindschaft gezeigt hat und noch zeigt, wolle das Amt eines Lehrers der Moral und Toleranz den Türken gegenüber annehmen. Herr Alderman Schüttle worth ließ sich tiefer auf die Sache ein. Er sprach sehr feurig gegen Anwendung bet: Tortur und zeigte den Unwerth der durch Martern entlockten Geständnisse. Am Schlüsse empfahl er die Juden als Leute, die sehr wesentlich zum Fortschritte der Cultur beigetragen hätten, der höchsten Beachtung. Herr Daniel He arne, katholischer Priester von St. Patricks, bewies die Nichtigkeit der Beschuldigung gegen die Juden aus der Bibel, und sprach dann weiter: Nein, die Anklage ist zu verrückt, als daß Jemand daran glauben könnte, daß ein anderer Beweggrund als der fluchwürdige Golddurst des Orients dahinter seinsollte. — Wir Christen sagen, die Juden seien goldhungrig; allein sie bringen ja das Geld der Religion gern zum Opfer. Geht am Sabbat in ihre Laden und ihr werdet dieselben mit einer Gewissenhaftigkeit verschlossen finden, die alle Christen erröthen läßt. Ich kann nicht schließen, ohne auf das Feierlichste als katholischer Priester meinen Abscheu gegen alle/Verfolgung um der Religion willen auszusprechen, so wie gegen alle die Männeraus frühern Jahrhunderten, seien sie Geistliche oder Weltliche, welche die Juden verfolgt haben. Herr Alexander M u n r o, Pfarrer der schottischen Peterskirche, schloß sich dem vorhergehenden Redner mit vielen biblischen Beweisen an und hoffte, daß dem Volke Israel ein freundlicheres Morgenroth lächeln werde. Außerdem, fuhr er weiter fort, erwarte -ich, ihr werdet auch sonst keine Gelegenheit versäumen, eure Stimme aus diesem Centrum des mächtigen Englands für die unterdrückten Israeliten in allen Ländern, wo sie noch schimpflich behandelt werdenwie in Italien ü.s.w. zu erheben. Herr Samuel Stocks wünschte, daß Manchester, eine Stadt, die in so mannigfaltiger Beziehung zu den Juden stehe, sich der Sache besonders annehme, und versicherte im Voraus, alle zu fassende Beschlüsse zu ihren Gunsten unterstützen zu wollen; denn altes und neues Testament hange unzertrennlich zusammen, und der Heiland sei ja selbst ein Jude gewesen. Herr John Birt, Prediger, an der Paptlsten-Capelle Uorkstreet, wollte besonders die unveräußerlichen Menschenrechte im Allgemeinen gewahrt wissen. Ich nehme besonders Interesse an dem Gegenstände, sprach er, seit ich den Herrn, der Herrn Montefiore auf seiner ruhmvollen Reise begleitet, vor Kurzem in einer Versammlung über einen verwandten Gegenstand, die gänzliche Abschaffung der Sklaverei, habe reden hören. Es war Herr Cremieux, ein Glied des Pariser Advokatenstandes, der dort in gleichem Range und Ansehn mit seinen Amtsgenossen steht. Wir hörten eine so kräftige, feurige und schlagende Rede, daß wir alle erfreut waren, einen solchen Mann als denjenigen zu erblicken, der seinen Brüdern im Oriente zu Hülfe eilt. Die christliche Partei, zu der ich mich bekenne, war vor noch nicht langer Zeit von allen Vcrtrauensimb .Ehrenämtern ausgeschlossen. Waren wir auch so gestellt geblieben, so hätte es mich dennoch freuen sollen, unsre jüdischen Brüder völlig emancipirt zu sehen. Aber da jetzt für uns jene Beschränkungen verschwunden sind, so würde ich dreifach erröthen, wenn ich nicht mit Nachdruck die völlige Emancipation für die einzige Classe zu erstreben suchte, der der vollständige Genußwelchen die britische Constitution bietet, noch entzogen ist. •f)«c John Mävicar zweifelte, daß es in ganz England einen Menschen gebe, welche der Anklage den geringsten Glauben beimeffe. Ich habe, fügte er bei, seit Jahren mit vielen Juden im Verkehrr gestanden, und kenne sie als eine humane und wohlthätige Nation. Ich habe mich oft in Dingen der Mildthatigkeit an sie gewandt und habe immer, so gut wie bei den Christen, meine Bitten mit gutem Erfolge belohnt gesehen. Auch der folgende Sprecher, Herr Abraham Watkrn, argumentirte gleich seinem Vorgänger. Soll die Brust jedes Engländers dem Elende jedes Unglücklichen aufgethan sein, so nicht minder den Juden, denen wir unendlich verpflichtet sind, die als Staatsbürger Muster genannt werden können, welche nie fehlen, wo es wohlzuthun gilt. . Herr W. Reyner Wood bedauerte, daß England sich vorzuwerfen habe, einst an Judenverfolgungen Theil genommen zu haben. Er hoffte, daß Versammlungen, wie diese, die Regierung zu einem kräftigen Einschreiten gegen solche. Gräuel nur noch.mehr veranlassen würden. Die Versammlung beschloß endlich die Veröffentlichung aller ihrer Beschlüsse, votirte den üblichen Dank gegen den Vorsitzenden und trennte sich hierauf. Zufolge der von dem Londoner Meeting gefaßten Beschlüsse ward der Lord-Mayor bekanntlich ermächtigt/ die verschiedenen Negierungen, die am britischen Hofe repräsentirt sind, nicht allein von der gehaltenen Versammlung in ofsicielle Kenntniß zu setzen, sondern sie zugleich im Interesse der Menschheit um Verwendung für die Unglücklichen anzugehen. Der Lord-Mayor hatte dieser Pflicht unverzüglich sich entledigt und eben so bald erhielt er von den verschiedenen Gesandten die wohlthuendsten Antworten zurück. Der sardinische, sicilianische, niederländische, hannoversche, sächsische, portugiesische, nordamerikamsche, spanische, türkische und preußische Gesandte gaben durch ihre Schreiben die Erklärung ab , daß sie sich durch die gemachten Mictheilungen geehrt fühlten und die betreffenden Aktenstücke unverzüglich an ihre resp. Negierungen eingesandt hatten. Ja der niederländische Gesandte fügte sogar die Abschrift eines Schreibens bei, welches Sr. Majestät Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Baron Verstolk van Soelen bereits am 5. Mai an den niederländischen Charge d'affaires in Konstantinopel erlassen hat, und dessen Inhalt überzeugen konnte,/daß die niederländische Regierung bereits ihre Theilnahme für die Unglücklichen erwiesen habe. Indessen nun Europas edelster Theil so kräftig für die Unglücklichen in die Schranken trat und die beschämte , welche mit kalten Herzen an dem Unglücke vorüber gingen, oder die es im kalten Tone als ein unabwendbares Uebel darzustellen versuchten: eilten die Boten des mitleidigen Europa ihrer Bestimmung zu.; Am 14>; Suit perließ Mr Moses und Lady Montefiore in Begleitung des Herrn Advokaten W i r e und der Doktoren Löwe und R.Madden (eines Mediziners) Parks, um nach Marseille zu gelangen, von wo aus sie am Listen auf,dem französischen Regierungsdampfbote nach Alexandrien überzuschiffen gedachten. Französischer Seils strafen zur bestimmten Zeit auch Hr. Crem i e ü x und dessen Gattin, Herr M u n k und ein Arzt in Marseille ein und der bestimmte Tag war wirklich der Tag ihrer Abreise. . Wir folgten der Mission mit klopfendem Herzen. Wird sie glücklich sein? 201^ fte Jbie erlösen? Wird sie die Schmach von unfern Häuptern nehmen? Fast sollte uns bangen bei dem, was die neuesten Berichte uns erzählen. Der Pascha hat bereits auf Anrathen des französischen Gesandten den Beschluß wieder zurückgenommen, der die Hoffnung nährte,