Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1840)
- Article
- Erfolgte Schritte zu Gunsten der in Damaskus Verfolgten
- Date
- 1840-10-03
- Page
- 310 (sequence 1)
- Language
- German
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310 — Licht- und Schsttenhilder aus der jüdischen Geschichte dev Gegenwart. Erfolgte Schri11e zu Gunsten der in Damaskus LZ er folgt en^> (Schluß.) . Die Versammlung drückt ihr hohes Bedauern aus, daß in diesem erleuchteten Zeitalter eine Verfolgung gegen unsre jüdischen Brüder statt füiden konnte, die aus Unwissenheit hervorgegangen, durch Fanatismus genährt wurde. Esist das eifrigste Bitten der Versammlung, daß, trotz der Verschiedenheit der Grundsätze in jedem Lande, alle Menschen bedenken möchten, daß sie Alle gleiche rechtliche Ansprüche auf Schutz -und auf dieWohlthat einer gerechten, unparteiischen Handhabung der Gesetze zu machen haben. I. Morison Esq. M. P. unterstützte lebhaft diesen Antrag, findet die Ausdrücke desselben jedoch zu schwach, um den tiefen Abscheu darzulegen/ welchen das ungerechte Ereigm'ß in jeder Brust erweckt. G. Lapen t, Esq., stellt einen andern Antrag. Wir sind hier, sprach er unter anderem, zur Beförderung der großen Prinzipien bürgerlicher und religiöser Freiheit! (Beifall!). Ich hoffe, die 'Stimme Englands, die Stimme Europas, wird dergleichen. Gräuel, die eine Schmach für die Menschheit sind, ein Ende machen. Der Antrag: „die Versammlung kann nicht auseinandergehen, ohne ihren Dank auszusprechen, daß so manche hochgestellte Personen, so wie die Landes-Regierung, so viel guten Willen gezeigt haben, die Sache der leidenden Menschheit.zu fördern, und hiermit bringt die Versammlung ihren Dank dem Lord Palm^rston für seine eifrige Verwendung, eben so dem Sir Robert Peel und andern Gliedern des Parlements für die milde Theilnahme bei dieser Angelegenheit." Dcn Antrag unterstützt Samuel James Capper, Esc). Es ward derselbe einstimmig angenommen. Auch Lord H o wden tritt auf und schließt sich in kräftigen Worten allen den edeln Bestrebungen an, die 'man beeeits verfolgt. , Baptist No el tritt auf und wird mit stürmischem Beifall empfangen. Er schließt sich den Worten des letzter» Redners cm und spricht, wie er, die Ueberzcugung aus, daß, wie sehr man auch seinen Abscheu an den verübten.Gräueln auszusprechen Habe, doch aus dem Uebel ein allgemeines Gut hervorgehen werde. Der Redner ging alsdann auf das Faktum selbst ein, und zeigte durch eine genaue Darlegung aller Umstande, und durch eine Zergliederung der religiösen Gesinnung der Juden, das Unhaltbare und Abgeschmackte der Anschuldigung. Schließlich wies er auf das Dringende einer Einschreitung. hin, weil aus. der Angelegenheit nur zu leicht größeres Unheil entstehen könnte, da man ja aus der Zeit der Cholera wisse, wie leicht eine Bevölkerung aufzuregen sei durch bloße Ammemnahrchen, wie leicht durch die Religion selbst betreffende Dinge und unter einem leicht aufregbaren fanatischen Volke.' "Noch mehrere ließen' sich vernehmen; Aller Worte aber sprachen sich dahin aus , daß man seinen Abscheu und seinen gerechten Unwillen gegen das Geschehene laut zu erkennen geben müssen. Es ließ sich erwarten, daß O' C o n n e l als Sprecher nicht fehlen würde. Er ward bei seinem Auftreten mit lautem Enthusiasmus empfangen.- Nur einige Personen störten durch Gezisch den Eindruck; aber der Beifall ward nur um so lauter. Der Redner sprach: Ich kann die Versammlung versichern, daß der Beschluß, den ich zu beantragen gedenke, so einfach ist, daß er durchaus keinen Aufenthalt machen wird. Es ist nuri eine Dankadresse an den Lord-Mayor (derselbe war indessen eingetreten; andere Notabilitäten sollen während der Versammlung Entschuldigungsschreiben eingesandt, und ihr Bedauern ausgedrückt haben, daß sie durch Geschäfte behindert wurden, Thcil zu nehmen), der die Gesellschaft versammelte, und an den Alderman Thompson, der den Vorsitz führt. Und nun kann ich mich wieder setzen! (nein! nein!) Wohl denn! so habe ich eine andere Pflicht zu erfüllen, nämlich die Meinung aller solcher demürhigen Mitglieder, wie ich selbst bin, Ausdruck zu verleihen. Wie ich in den Saal trat, hatte ich ein ganzes Buch voller Gründe zu Papier gebracht, wodurch ich die Anklage entkraftigen wollte, die man gegen die Juden vorgebracht. Aber sollten hier noch Gründe uothwendig sein? Ich bin von der Grundlosigkeit der Anklage vollkommen überzeugt. Und wären auch die Beweise dafür schwach, jedes menschliche Gefühl zeugt gegen diese schändliche Lüge. Wer könnte, nach den dargelegten Zeugnissen , die den moralischen Werth der Juden Englands constatiren, so verdorben sein und glauben, daß sie des Blutes zu ihren religiösen Gebräuchen bedürften? Ist nicht der Jude ein Muster in jeder Beziehung des Lebens? -Ist kt nicht ein guter Vater, eim trefflicher Sohn? Sind sie nicht treue Freunde? (Beifall!) Sind sie nicht redlich, fleißig? Sie* besitzen Reichthümer, aber hier zu Lande konnten sie ohne Fleiß nicht dazu kommen. Alles dies beweist die Haltlosigkeit der Klage. Man könnte einwerfen, die Juden in Damaskus sind nicht die Juden Englands, sie können einen schlechtere Charakter besitzen, der das Verbrechen glaublich macht. Dagegen bedarf es nichts als der Antwort: die Verlaumdung erscheint ja gegen die Religion gerichtet. — Darauf geht der Redner "naher auf die Anklage ein , beweist auf alle Fälle das Unmenschliche des Verfahrens in dieser Angelegenheit und .fordert alle Engländer von einem Ende der Insel zum andern zum Protest auf gegen diese abscheuliche Grausamkeit. Er hofft schließlich, daß Seitens der Negierung Schritte geschehen werden, welche.das Loos der Beklagenswerthm sicher stellen. Alle Anträge wurden einstimmig angenommen. Der Lord- Mayor erhob sich darauf, der Versammlung seinen Dank zu bringen, und erklärte, daß cs ihm hohen Genuß bereite, die Versammlung berufen zu haben. Auch Mr. Thompson sagte seinen Dank. — Kurz nach 5 Uhr ging die Gesellschaft auseinander. Dieses große'Volksgericht fand auch in Manchester Wiederholt. Auch hier-wurde am 22. Juli aus der Stadthalle unter Theilnahme einer großen Zahl von Kaufleuten , Fabrikanten, Gelehrten, Geistlichen aller Confessionen ein groß e s M ee tim g gehalten. Der Vicepräsident, John Brooks, welcher den abwesenden Stadt-Mayor vertrat, erklärte, die Versammlung auf Grund einer Petition zusammenberufen zu haben, welche von 13 der einflußreichsten Personen Manchesters unterschrieben war, und an deren Spitze die Unterschrift eines der anglikanischen Kirche angehörigen Geistlichen stand. Er gab im Verlauf seiner Rede den Juden das Zeugnis;: es sei ein nüchternes, industriösts, ausdauerndes, standhaftes Volk, das man um so lieber gewinne, je. mehr man es kennen lerne. Herr Price verlas darauf die verschiedenen, zur Orientirung in der sraglichen Angelegenheit gehörigen Berichte und die uns bekannten Briefe der Nabbinen H e r sch e l und M eldola. Herr'William Rathbone Grey nahm "darauf Gelegenheit, den noch immer gegen die Juden behaupteten Rückhalt