Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1840)
- Article
- Erfolgte Schritte zu Gunsten der in Damaskus Verfolgten
- Date
- 1840-10-03
- Page
- 312 (sequence 3)
- Language
- German
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daß der Proceß werde in Alexandrien instruirt? werden. Es sind bereits mehrere Gräuel vorgekommen, die durch die jetzige Anarchie in Syrien erklärlich , den Fanatismus der Bevölkerung beweisen. Man hat die Synagoge von Dschobar zerstört, Begrabnißplätze entweiht (vgl. Nr. 33 des Orient den Artikel Syrien) , man zwang die Juden unter Stockschlagen, bei Erbauung christlicher Bethauser gleich Leibeignen zu handlangen. Man hat die Angeklagten neuerdings in einsame Kerker gesetzt, verweigerte selbst ihren Verwandten den Unglücklichen Speise oder Wasche zu bringen, außer gegen die Erlegung beträchtlicher Summen-und. läßt, wie es scheint, allerhand intriguenhafte Machinationen los, um nicht, durch Enthüllung der grauenhaften Begebenheit vor den Augen der Welt'beschämt zu werden. Der junge Mann, welcher von. der französischen Regierung von Alexandrien aus nach Damaskus zur Untersuchung des Betragens des französischen Consuls gesandt wurde, hat bereits zu dessen.Gunsten entschieden; denn, wie schon erinnert, er steht unter dessen Einflüsse. Wie dem aber auch sei, wir hoffen! Bereits hat der PaschaBefehl gegeben, die Lortur nicht weiter gegen die Schlachtopfer anzuwenden und die großen Worre, welche von Europa hinüber nach Egypten tönen, ja welche am Throne des Pascha ihre lebendigen Vertreter finden, Vertreter, die mit Begeisterung die Sache ihrer unglücklichen Brüder zu führen gelobt haben, werden nicht ohne,Erfolg bleiben. .Ist es darum auch gewiß, daß die Schilderhebung der Völkergegen diese Grausamkeit andrerseits alle nur erdenklichen Mittel ln Bewegung setzen sollte,, um eine etwaige Niederlage, eine Brandmarkung vor den Augen der ganzen Welt von sich abzuwenden, erscheinen auch die neuesten politischen Constellationen einer Verwendung für die Unglücklichen nicht günstig , so hat sich doch schon jetzt der politische Horizont wieder anders gefärbt, und während nicht zu fürchten stand, daß man die. armen Eingekerkerten der kalten Politik mit Gewissenlosigkeit gänzlich, zum Opfer bringen wird, hoffen, wir, soll auch die Prkvatleidenschaft endlich schweigen müssen, daß die Parteilichkeit vor den großen Bemühungen der Völker zu Schanden werden, und die finstere In'trigue sich enthüllen wird! Und du, Israel, verzage nicht in deinem brennendem Schmerze ob der gräßlichen Schmach, die man über deinen heiligen Glauben hingegossen; Gott schlaft und schlummert nicht , und die Frommen sind noch nicht gewichen. Dort an der Stätte, wo einst deine Ahnen als Sklaven gelebt, stehen die Frommen aus deiner Mitte, und wie sie die Gemarterten der Freiheit wiedergeben, so werden sie auch des Wahnes Gespinnst zerreißen. Welche glühende Andacht wird sie dort am .Sühnetag vereinen! Fü r st. Perfonalchromk und Miseellen. Das Werk Mose Chajim. Luzzatto's) Choker u- Mekybel, das bekanntlich gegen Leon Modenese's pole-; mische Buch A r i N o h e m. (das Leipzig. 1839 erschien) gerichtet ,' ist, und welches der erste Grund zur Äerfolgung dieses excentrischen Kabbalisten war, ,erscheint so eben' in Königsberg mit ■: einer großen lateinischen, deutschen und hebräischen Einleitung von Dr. Freystadt, gleichsam als Anhang zu' seiner schon früher erschienenen eabdulistiea et kentstei8mu8. Eine sehr schlechte Ausgabe des erschien 1800 in Lemberg. * Bering von C. L.Fritzsche. Von der ungarischen Bibelübersetzung des Hrn. Klei n in Pest h ist nun bereits die erste Lieferung erschienen. .Das Unternehmen wurde von Seiten der ungarischen Juden mit Begeisterung ausgenommen, wie eine Nationalsache es verdient, und Hr. Klein hat auch Geschicklichkeit genug, auch dem Bedürfnisse dev Wissenschaftlichkeit zu genügen. Leider ist das Werk noch nicht durch den Buchhandel zu beziehen. * * * Der fünfte Theil des bekannnten Jahrbuches Kerem Chemed, dessen Inhalt wir bereits im Orient mitgethekltist so eben im Drucke vollendet, nur wird' dessen Ausgeben, wie wir hören, etwas verzögert, da Herr Rapaport noch einen Nekrolog hinzuschreiben will. -K , * . ■ ' Ueber die Mittheilung im Archiv es Js-raelites, daß zwei Israeliten in Paris, T an tenstein und Corvel, Musiknoten mit beweglichen Lettern zu drucken erfunden haben, ist mir eine ofsicielle Entgegnung zugekommen. Karl Tauchnitz in Leipzig hat zuerst in Deutschland dieses erfunden- und bereits vor 20 Jahren ein ganzes Musikwerk mit beweglichen Typen gedruckt. Indem ich diese Berichtigung hier veröffentliche, mache ich auch zugleich darauf aufmerksam, daß unsere Virtuosen leider, für synagogale Musik und gottesdienstlichen Gesang ganz einflußlos bleiben, da ste in der Regel vom Iudenthume nichts wissen, oder nichts wissen wollen. Was Meyerbeer und Halewy für die Oper gethan, ist bekannt, was aber für die Synagoge? * * * 7 Die Juden in Rußland haben die Weisung aus Petersburg erhalten, daß sie in jeder Guberr.ial - Hauptstadt ein Comite bilden sollen, welches sich über die Mittel berathe, welche zur Aufklärung und Heraufbildung der Masse durch, die Rabbinen führen. In Wilna sind bereits die angesehensten Männer zu diesem Zwecke gewählt; auch entstand, daselbst, eine neue Gesellschaft unter dem Namen Jfib WUN, welche unter anderem auch eine Lefebibliothek gegründet, die sämmtliche Werke über jüdische Geschichte und Literatur anschafft, sie mögen in hebräischer, deutscher oder in andern Sprachen abgefaßt sein. * ■ * ■ - ■ *.. . .■ . Ein Trost, daß es nicht überall zugeht wie in Baiern! Wahrend dort die Confirmation israelitischer Kinder ins Künftige verboten wird, spricht seine Majestät der König von Dänemark den Wunsch aus, bei seinem nächsten Besuche in Alton a einer Confirmation der Israeliten beiwohnen zu wollen. Überhaupt zeigte sich der huldreiche Monarch während seiner Anwesenheit in genannter Stadt eben so sehr interessirt für israelitische Zustande und Institutionen, wie für die anderen religiösen Gemeinschaften. Er• besähe sich die Synagoge, zog Erkundigungen über das'' israelitische Schulwesen " ein und' gab überhaupt zu erkennen, daß das Wohl seiner'israelitischen 'Unterthanen ihm eben so am Herzen liege, wie das anderer Confessr'onen. > \*' * v* '" In den vereinigten Städten Amerika's leben circa 15,000 Israeliten, und. es bilden''"dieselben ungefähr den tausendsten Theil der ganzen. Bevölkerung. Sie leben ruhig' und unangefochten unter den übrigen 27 verschiedenen Secten und Religions- Verwandten; denn es bekümmert sich kein religiöser Verein um das' innere Leben 'des andern"/"und was die Hauptsache ist , die Negierung mischt sich nicht in ihr 'inneres Thun und Treiben. Es ist eine alte Wahrheit, und wird noch täglich neu erprobt : Das zuviel Regieren taugt 'nichts! Druck von I. H. Nagel