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Der Orient · 1840-09-26 · Heft 39 (26.9.1840) · p. 303

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 39 (26.9.1840)
Article
Erfolgte Schritte zu Gunsten der in Damaskus Verfolgten
Date
1840-09-26
Page
303 (sequence 3)
Language
German
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303 steht; ein Volk, das friedlicher Gewerbe sich befleißigt, das — wie gnugsam bekannt ist — nie mit denen sich verbindet, die gegen die Regierung des Landes sich auflehnen. Einst war dasselbe der Erzieher des Menschengeschlechts, es übte selbst gegen andere die.bürgerliche und religiöse Liberalität, bie. cs gegenwärtig für sich beansprucht. Es ist ein Volk, das den besten Beweis gegeben hat von dem Werthe, den es auf Freiheit setzt, da es die Grundsätze der Freiheit so unbeschränkt auf andere,, jedes Glaubens übertrug. Es hat die rechtlichsten Ansprüche auf die höchste Toleranz, die Beschlüsse, die bisher ihrerwillcn gefaßt wurden, forderten nichts als eine rechtliche Untersuchung der Grausamkeiten, denen sie al^Opfer cmheimflelen. Konnte wohl eine gerechtere, vernünftigere Forderung gestellt werden? Man wollte ja nur eine vollkominnere, unparteiische Untersuchung! Ich hoffe übrigens, gestützt auf das Ansehn der civilisirten Nationen, daß diese Untersuchung beweisen soll, wie die Berichte, welche mir über das Benehmen der Repräsentanten der europäischen Mächte in Damaskus zngegcmgen sind, als ungegründet sich erweisen. Ich hoffe, daß der französische Consul im Stande sein wird, sich vor den Augen der civilisirten Welt von den Beschuldigungen zu reinigen, die man ihm aufbürdet, nämlich, wenigstens durch Unthätigkeit diese Grausamkeiten unterstützt zu haben (Lauter Beifall!). Ich denke, daß die Anschuldigungen, die man auf die Juden in Damaskus gewälzt hat, ihre eigene Widerlegung in sich selbst findet; denn sie sind grauenhafter Art, daß Niemand daran glauben kann (hört!). Nach meiner Meinung ist es unmöglich, daß, wenn ein Volk nicht eines Mordes, sondern einer Reihe von. Mordthaten und zwar nicht ein Jahr, sondern Jahrhunderte lang sich schuldige gemacht haben soll, diese Schandthaten bis zur Zeit unbekannt und unentdeckt geblieben sein sollten (hört!) Ein einziges Verbrechen der Art, wie das ist, dessen man die Juden gegenwärtig, beschuldigt, würde einen lauten. Schrer gerechten Unwillens erzeugt, eine Forderung zur Bestrafung dee Juden in allen Ländern, wo. sie Schutz und Schirm finden,, hervorgebracht haben. Das Verbrechen ist unglaublich, aber, ich fühle, dass die Juden von Syrien, und England ein Recht haben.,, die Urheber dieser Verleumdung zur. Rechenschaft, zu ziehen- Die ganze christliche Welt will ichanrufen und fragen,, ob sie nicht Vertrauen hegen zu den Vorichriften ihrer Religion , nicht Achtung, vor Gerechtigkeit,, nicht. Dankbarkeit gegen die Vorsehrmg., welche sie in einem Lande wohnen, läßt,, das solche. Verfolgungen nicht kennt,., ich will sie. auffordern, ihren offenen Unwillen über diese Angelegenheit zu erkennenzu geben (Beifall).. Dieser/ Aufruf wird eine Quellen des Trostes stur für dieses unglückliche. Volk in seiner Betrübniß, in seinem Kerker; er wird den Tyrannen auf seinem: Throne schrecken, wirddem Volke eine Erleichterung werden, wenn es weiß, daß auch in der" Ferne dafür gewirkt wirddaß solche Gräuel sich nicht wieder erneuern können., die nicht allein allen Lehren der Moralität, und Religion entgegen streben:, sondern: auch dem ersten und wichtigsten Prinzipe der Völkerrechte. (Lauter Beifall)! Darauf ward der erwähnte Antrag vorgelesen.. Er lautete.:: „Da -die Versammlung mit der tiefsten Bewegung und mit dem größten Entsetzen die Mittheilung der Grausamkeiten ver-° nommew, die man im Osten gegen, die Juden verübt hat, «so drücke sie hiermit ihr christliches Mitgefühl für die Unglückü-. chen aus, und hoffe fest) daßeine baldige,- unparteiische, öffentliche Untersuchung statt finden werde, damit vor den Augen der ganzen Welt die entsetzliche Verlaumdung abgeworfen werden: könne, die von ihrem Verfolgern erfunden- und der Vorschub, geleistet wurde, als» Vovwantz, um Grauelthaten gegen die Beschuldigten verüben zu können, Gräueltaten, die m der Geschichte der Menschheit bis jetzt, ohne Beispiel waren.(i Darauf erhob, sich John Master mann, Esq., zu einem zweiten Anträge, der dahin lautete , daß,man in Uebereinstimmung mit allen Engländern nicht blos derTyranmi in Damaskus ein Ende zu machen streben sollte, sondern daß man diese. Gelegenheit nicht vorüber gehen lasse, den Juden Englands, als einem einflußreichen und freisinnigen Theil der Gesellschaft seine Achtung und Teilnahme zu zollen und namentlich auch dem Sir M. Montesiore für seine Aufopferung die gebührende Anerkennung angedeihen zu lassen. Sir C. Forbers unterstützte diesen Antrag hiernächst und gesellte demselben die Clausel bei, „die Versammlung fühle sich berechtigt, ihren Abscheu wegen Anwendung der Tortur,, dem barbarischen Mittel einer rohen Zeit, um Geständnisse zu erzwingen, öffentlich hiermit auszusprechen. Die Theilnahme der englischen Nation an dem Schicksale der Juden basirte er noch auf einen anderweiten, bisher nicht erwähnten. Grund. Der größte. Theil der indischen Armee — sagte er — besteht aus Juden, sie haben darum ein Recht auf unsre Brüderlichkeit. Darauf trat Dr. Bowring auf, diesen zweiten Antrag zu unterstützen. Er ward mit allgemeinem Applaus empfangen. „Ich glaube — sprach er — man wird es nicht unbescheiden. finden, daß ich. den vorgeschlagenen Antrag unterstütze. Ich darf mir es wohl um so mehr erlauben, als ich die. Oertlichkeiten des Landes, wo jene Grausamkeiten vorgefallen sind, genau kenne, sogar mit einigen der Unglücklichen persönlich bekannt bin. (Beifall!) Ich weiß, wie sehr die Christen Aber seinen Tod betrübt waren, wie. sehr sie durch die Art seines Todes aufgeregt worden sind (Hört! Beifall!). Ich habe, auch die Ehre, einige Männer,, die die Leiden zu erdulden hatten, persönlich zu kennen und jetzt ist ein Dokument aus Damaskus in meinen Händen, das. von der Wichtigkeit der jüdischen Bevölkerung dort zeugt, da es mehr als zwanzig Kaufleute in Damaskus gibt.,, die mit England mittelst eines Fonds von 16 — 18 Mill. Piaster in Handelsverbindungen stehen. Unbeschreiblich wirdmeine- Freude sein,, wenn ich annchmen kann, daß die. kräftige Fürsprache der abgehenden. Mission-' der Humanität und der Toleranz Vorschub leistet; denn ich darf' es nicht verhehlen, daß dem ehrwürdigen und heiligen Aufträge Schwierigkeiten in den Weg treten werden, daß. es gefährlich ist, dev Sache der unterdrückten Juden inv Angesichte ihrer Bedrücker, i'm Lande des ärgsten Fanatismus, das Wort zu reden.. (Beifall!) Esist eine merkwürdige Thatsache, aber, nicht wunderbarer als wahr,, daß der Osten,, das heilige Land- Mekka, Me^ dma, Damaskus,-Jerusalem , Orre,. die: zumeist dem. Christenthume heiligsind-, gerade als die. Plätze erscheinen, wo das Christenthum am. wenigsten ausgeüb'Lwirb.. (Beifalls In Damaskus, darf ich wohl sagen , ist etwas-für dis Ausbreitung eines toleranten Geistesgeschehen,, denn: früher durfte es der britische Consul nicht einmal, wagen,, in europäischer Tracht auf den Straßen zu/erscheinen, wenn: er nicht Beleidigungen ausgesetzt fein wollte und. vor noch nicht zehen Jahren war keinem Christen erlaubt,, in dieser Tracht/ auf dem Buzar zu-erscheinen. Jetzt ist es nicht mehr der Fall. Wenn man jetzt den Stand der Dinge im Orient richtig beurtheilen will-, muß man auk einige Jahrhundertezurückgehen, und das Land aus damaliger Zeit kennengelernt haben.. Die heutige/Frage-ist nicht allein , in politischer,, sondern: auch in religiöser Hinsicht verwickelt, und man darf nicht vergessen,, daß die/Stellung der französischen Regierung, in Syrien sehr: schwierig iftv Jum-Be weift, wie der . Beherrscher Egyptens der. Gerechtigkeit, huldigt,, will ich nur einiges anführen. Vor ungefähr: 3 Jahren schuldeten sieben

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