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Der Orient · 1840-09-26 · Heft 39 (26.9.1840) · p. 304

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 39 (26.9.1840)
Article
Erfolgte Schritte zu Gunsten der in Damaskus Verfolgten
Date
1840-09-26
Page
304 (sequence 4)
Language
German
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304 syrische Christen demselben ungefähr 13,000 Pfd. und da sie nichr zahlen konnten, wurden sie zu den Galeeren verurtheilt. Am dieselbe Seit. hatte Lord Prudhor die Reise durch diesen Staat gemacht (und diese Reise war in mancher Hinsicht von wohltätigen Folgen); der griechische Erzbischof ersuchte ihn und den Consul, ihren Entschluß bei Mehcmed Ali anzuwenden, um Vergebung oder wenigstens Milderung der Strafe zu erlangen. Diese Männer sprachen darauf mit dem Pascha und bemerkten, wohl sei die Gewalt in seine Hände gelegt, aber edler sei es, gerecht zu sein. (BeifallJ) Sie versicherten ihn, nicht gekommen zu sein, um für die Schuldigen zu bitten, sondern nur für die Frauen und Kinder, in deren Augen sie Thronen gesehen hätten und die in dem hilflosesten Zustande sich befanden. Der Pascha ging im Palaste auf und nieder, erklärte, sie hätten sich getäuscht, es müsse ein Exempel an solchen Verbrechern statuirt werden. Sie wiederholten ihre Bemerkung noch einmal, nicht für die verbrecherischen Vater,,-sondern für deren unschuldigen Witwen und Kinder Fürbitte einzulegen, gekommen zu sein. Drei Tage nachher schickte ihm der Pascha einen Brief und rheilte ihm mit, daß er den Christen vergeben habe. (Beifall.) Ich erwähne dies, um unsre Freunde zu crmurhigen, die, welche jetzt in dieselben Fußtapfen treten wollen. — Ich kann noch einen andern Fall mittheilen, aus dem die Liberalität und Tolerunz Mehemed Alis hervorleuchtet. Vor einigen Jahren hatten die Christen in Keng, unfern Mecca, eine Kirche erbaut. Es war eine Unbesonnenheit von Seiten der Christen, weil die Kirche gerade auf dem Wege zwischen Mekka und Medina liegt. Diese Kirche ward durch muhammedanische Pilger zerstört. Die Christen erbauten sie wieder und wieder ward sie von den Pilgern zerstört; dasselbe geschähe nach einem dritten Aufbaue seitens der Christen. Die Muhammedaner schickten nun eine Deputation nach Cairo, die sich beschwerte, daß sich die Christen ein Recht angemaßt hätten, das ihnen keineswegs zustehe und daß die Erbauung christlicher Kirchen gegen alles Landrecht sei. Diese Beschwerde kam vor das hohe Tribunal und dies entschied zu Gunsten der Muhamedaner. Jndeß befahl der Pascha, daß, weil die Christen das Gesetz übertreten hatten, ohne es zu kennen, denselben der Schaden zu ersetzen sei (hört! hört!). Ich besuchte spater den Ort wieder, und erfuhr, daß sie das Geld wirklich empfangen hatten. Ich gedenke des Umstandes, weil er außer Zweifel stellt, daß der Charakter des Beherrschers von Egypten tolerant und liberal ist, ja weit selbst aus dieser Begebenheit seine Klugheit und Weisheit hervorleuchtet, (hört!!) Mit dem letzten Paket habe ich von einem hochgestellten Manne einen Brief erhalten, in dem folgendes berichtet wird: Man hatte dem Pascha vorgestcllt, daß es ganz nothwendig sei, in der fraglichen Angelegenheit eine förmliche Untersuchung anzuordnen, er sagte, daß er diese Untersuchung selbst wünsche und daß es sein Wille sei, den Proceß vor ein Tribunal zu bringen, welches der britische Consul gut geheißen. (Beifall!) Ich hoffe übrigens, fuhr der Redner fort, daß die Leiden, die die Juden in Damaskus erdulden mußten, dazu dienen werden, die Lage der Juden auf dem ganzen Erdboden zu verbessern. Ihr Charakter kann schon jetzt nicht besser sein und um so mehr darf man die Hoffnung aussprcchen, daß die Gerechtigkeit, die wir ihnen im Orient verschaffen werden, im Occident Anklang finden wird. Und wenn mansieht, daß wir uns der Sache der Juden annehmen, da wo sie so wenig Macht besitzen, wird mnn ihnen überall Gerechtigkeit wiederfahren lassen. (Lauter und anhaltender Beifall!) — Der zweite Vorschlag ward einstimmig genehmigt. S. Garney Esq. trat auf, den dritten Vorschlag zur Sprache zu bringen. Er ward mit lautem Jubel empfangen. — Er sprach Eingangs die Hoffnung aus, die Bowring schlüßlich angedeutet, daß die Lage der Juden durch das Ercigniß in der ganzen Welt werde verbessert werden. Er sprach, das; er der Zuversicht lebe , wie seines Freundes, Montesiore, Aufopferungen nicht vergebens sein würden, und stellte folgenden Antrag. ' (Schluß folgt.) . . . - _ Personalchronik und Miseellen. Statistische M i t t h e i l u n g. Warschau zählt nach den neuesten Berichten in seiner jüdischen Bevölkrrung gegen 40,000 Seelen. — Das Herzogthum Nassau 6,201 Seelen. Nach dem Siebenbürger Wochenblatte hat die Moldau 60,000 Juden. Sir Moses Montesiore und Hr. C r e m ieux scheinen den Zweck ihrer Reise verfehlt zu haben. Wie es heißt, ist ihnen von Mehmed-Ali die Antwort geworden, daß er über die Vorfälle zu Damaskus von Seilen des Auslands nur durch diplomatische Agenten Bemerkungen entgegennehmen könne. Sie möchten sich daher an ihre Consuln wenden, denen er stets eine entsprechende Auskunft zu ertheilen bereit sei. Der König der Niederlande hat dem jüdisch-theologischen Seminar zu Amsterdam für dieses Jahr eine Zulage aus der Staatskasse bewilligt. — Solche hochherzige Beispiele verdienen schon der Seltenheit willen erwähnt zu werden. Dr. Frankfurter, bisheriger Bezkrksrabbiner zu Braunsbach, ist anfang vorigen Monats nach seinem neuen Wirkungskreis, Hamburg, abgereist. Als Prediger, sagt man, soll er nach Salomon eine Stelle verdienen und in Bezug auf jüdische Wissenschaft durch seine größere Theklnahme denselben übertreffen. Nach Beschluß der Be rliner G e m ei nd e b eHörden sind dem jüdischem Armendirektorio zu Berlin von dem Vermächtnisse des Hochseligen Königs für WohlthHtigkeitscmstalten 500 Thlr. für jüdische Arme zugestellt worden. — Das ist wenigstens ein Atom einer staatlichen Beachtung der Juden. - Der Breslauer Oberrabbine, S. A. Tiktin, empfiehlt die nach Damaskus gereiften Edeln jeden Sabbat im Gebete dem Schutze des Allmächtigen und hat auch den verschiedenen Gemeinden seines Sprengers dasselbe Gebetsformular zugesandt, um es zu gleichem Zwecke anzuwcnden. -^Möchte er dadurch vor Allem Begeisterung für die Interessen der leidenden Brüder im Orient wrcken! Die angekündigte israelitische Schulzeitung will, wegen der geringen Zahl der Abonnenten, noch immer nicht herauskommen. -7- Halt cs doch mit den Schulen hart; wie vielmehr mit den Schulzeitungen! In Rh einpr eu ßen scheint man zu rückwartsen onfangen zu wollen, man tritt wenigstens hier und dort Verbesserungen in den Weg, um angeblich verderbliche Neuerungen zu bannen. Baiern und die dortige Mittelalterlichkeit ist also einflußreich. Verlag von C. L. Fritz sch e. Druck von I. H. Nagel.

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