Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 38 (19.9.1840)
- Article
- Symbolik des mosaischen Cultus [Rezension]
- Date
- 1840-09-19
- Page
- 594 (sequence 2)
- Language
- German
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595 596 Dr. Bähx's Symbolik des mosaischen Cultus, beurcheilt von Dr. Bonfoi. Heidnische in den mosaischen Cultus aufnehmen lassen, jedoch so modificitt, daß dadurch dem Monotheismus kein Eintrag geschah. So erklären sich die meisten Kirchenvater schon, z. V. Chrysostomus (in der 6. Homilie zum Matthäus), Origenes (gegen Celsus 5.), Eusebius (Einleit, in die Evangelien 7* 8.), Hieronymus (Comment. z. Matth. 5. zu den Briefen Pauli an die Galater 4, 8.) u. A. m. Eine dritte Auffassungsweise des Verhältnisses des mosaischen Cultus zu den Heidnischen, welche Görres zuerst in Umlauf brachte, nämlich, daß der Mosaismus den Naturreligionen des Orients aufgesetzt sei, was am unzweideutigsten in den Cultsymbolen hervortrete, weil Philo, teilweise auch Josephus und der Kirchenvater Clemens, jene Deutung gaben, wird von unsrem Verf. als unhaltbar verworfen, weil die Autorität eines Philo, wegen seiner nicht eigentlich jüdischen, sondern griechisch-alexandrinischen Bildung und Anschauungsweise, hier durchaus nicht gelten kann, auch seine Unkenntniß der hebräischen Sprache, die ihn namentlich bei seinen Erklärungen oft zu den gröbsten Verstößen verleitet, schon im Voraus gegen seine Autorität als Deuter hebr. Symbole mißtrauisch macht. Nicht verhehlen laßt sich's, daß der Verf. durch seine apologetische Tendenz bestochen für oder gegen Hypothesen anderer Gelehrten sich so auszusprechen liebt, wie es das Interesse der Orthodoxie erheischt, daß er zwar Vatke's (Bibl. Theol. l. S. 195.) ganz grundlose Behauptung theilt, daß das Herübernehmen egyptischer Cultuseinrichtungen in den hebr. Cultus eine aus der Luft gegriffene Behauptung sek, aber wenn Vatke den Hebräern den Saturnsdienst zum Vorwurfe macht (a. a. O. S. 199.), ihn „vom Hypothesenstuhle' aus die Geschichte dictiren" laßt. Die von Bohlen und Vatke, mit Verweisung auf 2 Sam. 6, 17* aufgestellte Behauptung, die Stiftshütte sei nur eine poetische Fiction und von dem Tempel Salomo's zum größten Theile copirt, der Letztere von phönizischen Werkmeistern erbaut, sei nach dem Muster eines phönizischen Sonnentempels eingerichtet gewesen, wird von Hrn. B. nicht mit Gründen widerlegt, sondern nur die spöttische Frage aufgeworfen, wie ein Kritiker sich erlauben dürfe, den weisesten König des Morgenlandes für so dumm und einfältig zu halten, daß er sich von den phönizischen Baumeistern ein Quid j>ro quo, statt eines Jehovahtempels einen Sonnentempel habe gefallen lassen. Ich frage, .warum sollte Salomo durch diese Verwechslung so sehr stutzig worden sein , da ec bekannte lieh selbst spater den Götzen opferte? Konnte er den Kamos nicht unter dem Namen Jehovah angebetet haben? Hat .doch der Kamos mit dem Saturnsdienst, in welchem der siebente Wochentag geheiligt war, Manches gemein, und nach dem Propheten Amos dienten die. Hebräer dem Götzen Kewan oder Kiun in der Wüste, und trugen sein Bild in einer Lade vor sich her (Am. 5, 26.), welche an die Bundeslade erinnert; und jener Götze war nach dem Zeugnisse mehrerer Rabbinen kein anderer als der Kinder fressende Saturn, dem in Syrien als Moloch die erstgebornen Kinder geopfert wurden, welche der mildere Jehovahcultus zwar auch als Eigenthum der Gottheit betrachtete, 2 M. 13, 2 aber sie durch stellvertretende Opfer auszulöfen gestattete V. 13. Bei Erklärung der symbolischen Bedeutung der Bundeslade, welcher eine Vergleichung des Inhalts der heidnischen Laden mit dem der mosaischen vorausgeschickt wird, in welchen erstem die Symbole der Generation aufbewahrt wurden, nimmt Hr. B. (I. S. 403.) ein Aergerniß daran, daß Hoffmann (Hall. Encykl. I3 14. S. 30) sagen konnte: „Bei dem Aufenthalte in Egypten hatten die Israeliten ähnliche Dinge in heiligen Kisten aufbewahren sehen, man schlug also denselben Weg ein" und apologisi'rt: „Wie kann es etwas Verschiedeneres geben als den Phallus des Dionysus und den Decalog? Den Kamm der Venus (peeten v. pecco i. e. pro-pago) und das Gesetz Jehovahs, die Nabelkuchen (opcpcdog i. q. vulvo) und das Zeugniß Gottes?". Aber sollte dem Eiferer die doppelte Bedeutung von fin# (dessen Stw. das chald. T-J coire, s. v. a. dNY) und dem lat. testis - tcsticuliis 3 testamenluin, die Verwandschaft von oqms und o^r-co§ unbekannt geblieben sein? Man verkenne nur nicht, daß das Alterthum das göttliche Gesetz, das Zeugniß Gottes, eine geistige Zeugung nannte, eine Jdeenverwandtschaft, welche auch die Identität des Fisches Lato, welcher des Osiris Testikeln verschlang, mit dem Fisch des Wischnu erkennen läßt, welcher die heiligen Bücher der Indier, die von Brama geschriebenen Veda's verschlungen und nach der Flut, als die Palingenesie der Natur wieder begann, ausgespieen hatte, d. h. die Welt als Offenbarung Gottes wieder zum Vorschein kommen ließ. Vielleicht wird dann auch klar, warum Ahrons Mandaln tragender Stab in die Stiftshütte gelegt wurde, wenn man die Mythe von der Entstehung des Mandelbaums aus den Genitalien des Agdestis damit vergleicht^); denn daß die zwölf Stäbe der Stamwfürsten die Bedeutung des j’2D pjPinö * 2) hatten, wird Niemand bezweifeln, der mit dem Chaldärer unter (1 Mos. 32, 11.) den Erzvater selbst versteht. Das \) Ueber das phallische Symbol des Mandelbaums auch bei andern Völkern vgl. N. Müllers Glauben, Wissen und Kunst der alten Hindu S. 309. Vielleicht ist auch in der hebr. Benennung dieses Baumes welches als Verbum: wachen bedeutet, auf die Wiedererweckung zu neuem Leben angespielt? 2) Der Stamm vater war ber patriarchalischen Verfassung roher Völker nach der erste Richter und Gesetzgeber. Daher die aquivoque Bedeutung des Wörtchens /ifjdog, und der Scepter des Völkerhirten kein Ochsenstachel.