Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 38 (19.9.1840)
- Article
- Symbolik des mosaischen Cultus [Rezension]
- Date
- 1840-09-19
- Page
- 593 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8555529-9891396-9891454-2363607--0767-2363636- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
j Erteraturblatt -es Orients. Berichte, Studien und Kvitiken für jüdische Geschichte und Literatur. JV£ 38« Leipzig, den 19. September 1840» Literarische U e b e r si ch t e n. Dr. B a h r 's Symbolik des mos. Cultirs beurtheilt v. Dr. Bonfoi. Kohelet von Dr. Herzfeld, beurtheilt von Dr. Hirschfeld. — Literarische An ale kten. Ein Wort die Beschneidung betreffend von L. in Berlin. Apokryphen. Essaer, von Hirsch Chaja s in Zolkiew. — Die fortschreitende Entwickelung der Cultur der Juden in Deutschland. — Lit. Ankündigungen. Literarische Uedersichten. 24) Symbolik des mosaischen Cultus. Von C. Chr. W. F. Bahr, Dr. der Theologie und evangel. .Protest. Pfarrer zu Eichstetten in Baden. XU. und 498 S. Zweiter Band XV. u. 723 S. Heidelberg, Mohr 1837- 1839. , Nach dem Vorgänge des Veteranen Creuzer strebte der diesem Gelehrten befreundete Verf. wie jener das Cultwesen des gestammten heidnischen Alterthums, so hier das Ceremomalgesetz der alten Hebräer aus dem Standpunkte einer symbolischen Auffassung zu erklären, welche Verfahrungsweise auch die einzig richtige zur Beurtheilung eines Zeitalters ist, welches nicht reflectiv, sondern contemplativ sich verhielt^ und die ganze Natur wie eine große Bilderschrift betrachtete, welcher wanden paffenden Sinn unterzulegen strebte. Nur will Hr. 33. zwar eine Verwandtschaft der Form nicht aber des Geistes zwischen der spiritualistisch - mosaischen Religion und dem Naturdienste der andern alten Völker anerkennen, und macht es zu seiner Hauptaufgabe, die Israel von den Heiden unterscheidenden Merkmale nach seiner Art bei jeder Gelegenheit hervorzuheben, und so die Gegner mit ihren eigenen Waffen zu schlagen-, welche aus der Aehnlichkeit der Cultusformen auf verwandte Tendenzen schließend, den Charakter göttlicher Offenbarung der heiligen Schrift zu negiren beflissen sind. Bevor ich zu einer Untersuchung der Hauptstellen übergehe, welche die apologetische Absicht des Vers, an Tag legen, mögen einige treffende Bemerkungen desselben über die Ursache des Verfalls der religiösen Symbolik vorausgeschickt werden. Hr. B. weint (l. S. 28): Man hat bei den heidnischen Religionen einen Hauptgrund gegen ihren symbolischen Charakter daher genommen, daß erst spatere Schriftsteller den Culten und Mythen einen Sinn untergelegt hatten, das deuten der vermeintliche Symbole erscheine somit als willkürlich, wobei man Allerlei hinein erkläre, woran das Alterthum nicht gedacht. Es ist aber ein verkehrtes Begehren, daß die Stifter der Culte selbst die Bedeutung der Symbole sollten angegeben haben. Unrecht ist es, unfern Reflectionsstandpunkt ins hohe Alterthum hineinzutragen, und von ihm aus die alten Culte zu betrachten. Daß wir erst aus spatem Zeiten ausdrückliche Erklärungen und Deutungen der Symbole haben, kann so wenig auffallen, daß es vielmehr als ganz naturegmaß erscheinen muß. Solche Deutungen waren ein Bedücsniß erst der Zeit, wo jene ursprünglich unmittelbare Anschauung zurückgetreten, dagegen der Geist der Reflexion erwacht war und sich geltend machte. Die meisten Deutungen heidnischer Symbole sind aus der Zeit, wo das Heidenchum in Conflict mit dem Christenthum gekommen war, wo verglichen und vertheidigt werden mußte. Weiterhin (S. 32) wird das Verhaltniß des mosaischen Cultus zu den Culten des heidnischen Alterthums entwickelt, und eine Unterscheidung zwischen Form und Inhalt des mos. Cultus oder zwischen seinem sinnlichen Elemente und den religiösen Idem, welche er darstellt, als nothwendig erklärt. Die Verwandschaft der Form laßt aber noch nicht auf ein Borgen von andern Völkern schließen, denn die Bildersprache hat wie die Wortsprache gewisse Grundgesetze, die in der Natur, im Verhältnisse des Sinnlichen zum Uebersinnlichen unmittelbar gegeben sind. Von diesem Gesichtspunkte aus bedarf es daher ebenso wenig ein Entlehnen des Mosaismus von heidnischen Religionen zu supponiren, als mit Josephus und der altern orthodoxen Theologie den heidnischen Cuttus für eine Entstellung des mosaischen -auszugeben, und seinen Ursprung auf den Teufel als „Affen der Gottheit" zurückzuführen. Größern Beifall würde jene Ansicht verdienen, welche das Gemeinsame des heidnischen Cultus zuerkennt, aber annimmt, Gott habe in Rücksicht auf den geistigen Zustand des israelitischen Volkes vieles 38 I