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Der Orient · 1840-09-19 · Heft 38 (19.9.1840) · p. 291

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 38 (19.9.1840)
Article
London: Aktenstücke über die Damaskusangelegenheiten von einem Londoner Correspondenten
Date
1840-09-19
Page
291 (sequence 3)
Language
German
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— 291 — und Nationalisation des jüdischen Volkes, - obschon gegenwärtig unwahrscheinlich, letztlich das Mittel werden dürfte, den Conflikt der Prätensionm auszugleichen, und einen neuen Fokus der Civilisatkon in jene interessante Gegend herzustellen. Es gehört aber, wir erkennen es an, zu den unwahrscheinlichsten Suppositionen, daß die Großmächte von Europa durch irgend eine Vorstellung, wie die erwähnte, sollten bewegt werden, obschon die Juden selbst weiter gehen, und in mancher bestimmten Form Nachweisen, was für ihren Vortheil erfüllt zu werden wünschenswerth, wie es zu erreichen ist, und auf welche Weise die Erreichung desselben zur Sicherheit der Nachbarstaaten und Auftechterhaltung des allgemeinen Friedens führen dürfte. Die oben erwähnten Dokumente folgen nun auf der 5. Seite der Times unter der Rubrik: Persecutiou ofihe Jcics of Damaskus and Rhodes♦ An den Herausgeber der Times. Sir! Ihr heutiges Matt lenkt die allgemeine Aufmerksamkeit auf den Brief des-Pascha von Damaskus an Se. Hoh. Mehmed-Ali. In diesem Briefe übergeht der Pascha nicht allein mit Schweigen, daß er an die der Ermordung des Pater Thomas angeklagten Juden die Tortur angewendet habe, sondern behauptet wirklich, daß Ueberredung, Fragen und Drohungen das Einzige wären, was er zur Herbeiführung des Geständnisses angewendet habe, und daß nur durch das Versprechen der Verzeihung und Protektion und ohne daß ihm die geringste Gewalt angedroht worden wäre, der Barbier bewogen worden wäre, alles was er von den Vorfallenheiten wußte, zu eröffnen. Nun ist es zu authentisch anerkannt, daß dieses Mannes Gestandniß (wenn man es so nennen kann) durch die grausamsten Torturen erzwungen und daß gleiche Torturen bei den andern Gefangenen angewendet worden, deren Meiste jedoch bis ans Ende in der Erklärung ihrer Unschuld verharrten — um noch irgend einen Zweifel zuzulassen. Es ist dieses durch manches unpartheiische Zeugniß, und besonders durch Hrn. Pie ritz, dessen Zeugenschaft in diesem Punkte, in der That aber auch über das ganze Ereigniß, von außerordentlicher Gültigkeit ist. Die Ehre des Hrn. Pie ritz ist auf keine Weise bei der jüdischen Religion Letheiligt, denn er hat ihr nicht allein öffentlich entsagt, sondern bietet seine meisten Kräfte dazu auf, seine früher» Glaubensgenossen auf den Weg zu leiten, den er selbst gewählt. Dennoch kommt er herbei und bestätigt freiwillig, daß er, nachdem er bei seiner Ankunft in Damaskus die Sache emsig untersucht, nicht die mindeste Evidenz gegen die Juden finden könne, und fitzt zu gleicher Zeit mit Entrüstung die schrecklichen Martern auseinander, welchen sie unterworfen worden» Des Pascha Brief dient demnach großentheils dazu, die Juden frei zu sprechen; denn es ist vernünftiger Weise vorauszusetzm, daß Jemand, der sich berechtigt glaubt, einen so wichtigen Umstand der Untersuchungen zu unterdrücken, nicht über die Art, in welcher er geführt worden, noch über die Mittel, die Schuld der unglücklichen Schlachtopfer festzustellen, skrupulös sein werde. Man erinnere sich, daß Hr. Pi er itz bemerke, die angewendeten Torturen seien vom Pascha mit dem milden Namen „Fragen" (Inierrogalorius) bezeichnet worden. Und nach Allem, worauf lauft denn des Pascha Brief hinaus. Seiner eigenen Angabe nach, bekannten sich blos drei der Beschuldigten, den Barbier eingerechnet, zur Schuld. Nun war von Dreien einer ein sehr junger Mensch von sehr schwachem Verstände, höchstens ein Idiot; der andere, der Barbier, vollkommen unwissend (illiterale), auf der niedrigsten Stuft der menschlichen Gesellschaft; der Dritte verband das Geständniß seiner Schuld mit Abschwörung seiner Religion, indem er Muhammedaner wurde, und da er beides später zurücknahm, so ist es wahrscheinlich, . daß dasselbe Motiv, welches ihn verleitete, eine Religion anzunehmen, an die er nicht glaubte, ihn auch antrieb, ein Verbrechen zu bekennen, das er niemals begangen hatte. Nach der Erzählung des Pascha war das Motiv einzig und allein Furcht, aber nach ihrer eignen und der der Herren Pi er itz und Merlato ist es evident, daß das Gestandniß jener unglücklichen Menschen nur durch die allergrausamsten Torturen erpreßt war. Indem wir nun wie wir glauben, bewiesen haben, daß der Pascha nicht allein unterdrückt, was wahr, sondern selbst behauptet, was falsch ist, welcher Glaube ist seiner Behauptung beizumessen, die angeblichen Gebeine des Pater Thomas gefunden zu haben? Die einzigen Gebeine, welche man fand, wurden von den ersten Wundärzten zu Damaskus als thierische erklärt. Die auf die Juden von Damaskus geworfene Schuld, ist genau von derselben Beschaffenheit, als die auf die Juden von Rhodus, und so weit wir gesehen, mit keiner begründeten Evidenz. Dieselbe Beschuldigung gegen die jüdische Religion war in beiden Fällen angeführt, welches beweist, daß die Bewohner des Osten geneigt sind, jede Verlaumdung gegen die unterdrückten Israeliten zu glauben, wie unwahrscheinlich sie auch sei. Indem ich glaube, daß ungeachtet Ihrer Unparteilichkeit, die Sie bewegt, jede Behauptung zu veröffentlichen, Sie, veranlaßt durch den Schein, der gegen die Juden ist, dennoch ängstlich sein dürften, Alles erscheinen zu lassen, was berechnet ist zu zeigen, welche starke Gründe vorhanden sind, sie für unschuldig zu halten, so kann ich doch nur hoffen, daß Sie für Gegenwärtiges in Ihren Spalten Raum finden werden, und verbleibe u. s. w. 17* August 1840. Ein fernerer Artikel ist folgender: An den Herausgeber der Times. Sirl Wenn Leichtgläubigkeit das Charakteristische barbarischer Zeiten und Völker ist, so ist Ungläubigkeit das Zeichen der Verfeinerung und Civilisatiom Die 38*

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