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Der Orient · 1840-09-19 · Heft 38 (19.9.1840) · p. 290

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 38 (19.9.1840)
Article
London: Aktenstücke über die Damaskusangelegenheiten von einem Londoner Correspondenten
Date
1840-09-19
Page
290 (sequence 2)
Language
German
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— 290 — ist früher bekannt gemacht worden, betreffend das Vermissen eines Christenkindes zu Rhodus, und die fortwährenden Beunruhigungen, denen die Juden dieses Ortes unterworfen gewesen; allein die vollständige und detailitte Erzählung, übersetzt aus den deutschen Blättern, haben wir jetzt zum ersten Mal vor uns. Die Hauptfatta bestehen darin, daß u.st w.2). Die Umstände der Verhandlungen, welche besonders Aufmerksamkeit heischen, sind, daß ausdrücklich als Hauptanstifter der angeführten ausgeübten Grausamkeiten ein Motiv genannt wird — Handelseifersucht gegen einen jüdischen Kaufmann aus London- Namens Davis, von welchem vielleicht mancher unsrer Correspondenten, bekannt mit den Umständen bei. dessen Verfolgung, uns manche nähere Einzelheiten zu geben im Stande sein wird. — Daß die Scenen zu Damaskus die rechten Mittel an die Hand gegeben zu haben scheinen, sich einen Eintrag thuenden (interlopinp) Rivalen vom Halse zu schaffen, durch Entfernung seines zuverlässigen Agenten, und daß der englische, schwedische und österreichische Consul sich besonders durch ihre Feindseligkeit (liosiilüy) gegen die Juden bei dieser Gelegenheit hervorthaten, der englische Consul aber mehr als die andern sich einer bittern insolenten und verunehrenden (unliring) Verfolgung verdächtig gemacht. Als der französische Consul zu Damask eines ähnlichen Betragens angeklagt worden, so haben wir, obschon wir nicht damit sympathisicen konnten, dennoch nicht die voreilige Vertheidigung seines Verfahrens durch Hrri. Thiers vorwitzig verdammt, denn wir fühlten, daß er mindestens in dem ersten Augenblicke nur zu Gunsten seiner Regierung und seiner eignen Landsleute eingenommen war, welche einen zu hohen Sinn von Nationalehre haben und einen zu hohen Rang in dem civilistrten Europa einnehmen, um durch ihre Billigung und Connivenz eine erwiesM Missethat von solcher Beschaffenheit zu sanctionicen. '^Ur es ist' ein ganz verschiedener Fall, wenn ein englischer Consul ein Gleiches zu Rhodus begeht, und obschon ec berechtigt ist, zu seiner eigenen Vertheidigung gehört zu werden vor der Verurtheitung, so stehen wir doch nicht im Geringsten an, jeden Wunsch, jede Neigung, aufzugeben die ihm zugeschriebenen Handlungen zu mildern oder zu entschuldigen, oder ihn gegen die öffentliche Execration zu schirmen, die er verdient hat, wenn er im geringsten Grunde als schuldiger Theilnehmer, Anstifter oder Billiger von Geißelung, Gefangennehmung und Aushungerung, um eiu Geständniß des erwähnten Verbrechens zu erpressen, befunden werden sollte. Es ist 2) Es folgt eine gedrängte Skizze des in derselben Nummer der Times S. 6 unter der Überschrift „Die Juden in Rhodus (aus d. L.A.Z.) Constantinopel 8. Juli" in Extenso gegebenen Artikels. Wir übergehen beide als hinlänglich bekannt ff. Orient Nr. 34). Corr. denjenigen, welche die innere Administration der Geschäfte des britischen Indiens in der Nähe beobachtet haben, wohl bekannt, daß Engländer nicht unfähig sind, solch grausames Verfahren zu beschönigen (begünstigen, counlenancing), mh daß sie in östlichen Gegenden zu sehr geeignet sind, die humanen Grundsätze westlicher Civilisation und britischer Gerechtigkeit zu vergessen. Wir vermahnen feierlich jeden Engländer, lebend im Osten in der Sphäre englischer Jnstitututionen, sei es zwischen Muhammedanern unter türkischer Herrschaft, oder zwischen Hindus unter Botmäßigkeit der ostindischen Compagnie, insbesondere aber jeden Engländer, der eine ofsicielle Stellung einnimmt und durch seine Handlungen die Regierung der er dient compromittirt, daß das Auge Englands auf ihn gerichtet ist, und daß, wenn er befunden werden sollte, den Namen und Charakter der Nation durch Akte der Unterdrückung entwürdigt, oder die ofsicielle Macht und Einfluß zu unrechtlichen Absichten prostituirt zu haben, wir uns anstrengen werden (lend our best efforls), ihn zum Gipfel (pinacle) der Infamie zu erheben, welcher seinen Namen zur Verletzung und zum Abscheu des moralischen Gefühl aller Welt machen soll. Wir fühlen uns veranlaßt, unsre Gesinnungen mit größerer Deutlichkeit und Ernsthaftigkeit bei dieser Gelegenheit auszudrücken, weil wir fürchten, daß die Begebenheit zu Rhodus nicht die, einzige ist, wo die von Damaskus blutgierige Nachahmer finden dürste, obschon schleunige und kräftige Mittel ergriffen worden, die Tendenz, welche dort sich zu entfalten begonnen, in Schach zu halten. Die Maßregeln, welche gegenwärtig in Verbindung mit Sir Moses Montefiore's Mission im Fortschritte begriffen sind, werden nicht ohne Erfolg bleiben, und verdienen die herzlichen, besten Wünsche, und die Sympathie jedes Freundes von Gerechtigkeit und Humanität. — Wir werden jedoch an noch ausgebrei-, tetere und wirksamere Mittel einer Prevention durch die Beschaffenheit andrer Dokumente und Mittheilungen erinnert, welche wir unfern Lesen vorlegen. Unter diesen am merkwürdigsten ist die Reihe von Addressen an die protestantischen Mächte Europa's und Amerikas, betreffend die Restauration der Juden, eingeleitet durch eine allgemeine Adresse.an alle insgesammt — Dokumente, welche Mancher mit größerer, Andere mit geringerer Ernsthaftigkeit (sertousness of mind) durchlesen wird, da sie in saubrem und antikem Style abgefaßt, jede Bestätigung, Gesinnung und Allusion verwerfen, durch kein geringeres Zeugniß als das der heiligen Schrift, und dabei einen Geist der Ruhe, Mäßigung und harrenden Pietät athmmd, welcher weder leicht angemaßt noch verachtet werden kann. Denjenigen aber, welche, wie wir selbst, mehr Weltliches als Göttliches in ihre Speculationen haben rückstchtlich des künftigen Schicksals Syriens, scheint es nicht zu den unwahrscheinlichsten (most improbable) Suppositionen zu gehören, daß die Restauration

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