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Der Orient · 1840-08-15 · Heft 33 (15.8.1840) · p. 255

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 33 (15.8.1840)
Article
Historisch-statischer Bericht über die Juden in Franken ...
Date
1840-08-15
Page
255 (sequence 4)
Language
German
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255 Unempfindlichkeit, wie gegen die Unfähigkeit und Armuth der verschiedenen Gemeinden an, er ließ sich nicht schrecken durch das Widerstreben Einzelner, nicht irremachen durch die verschiedenen, oft sich gegenseitig aufhebenden Verordnungen, sondern legte sie aus und benutzte sie zum moralischen Vehikel der israelitischen Bevölkerung. So kam im Jahre 1826 für Mittelfranken das Gesetz heraus, das von den Rabbinatscandidaten eine vollendete Gymnasialbildung verlangte, und den zweijährigen Besuch einer Universität oder eines Lyceum's behufs philosophischer Bildung forderte. Die Erlangung des Rabbinats hing sofort von einer wissenschaftlichen Prüfung ab, welche wahres Leben und Bedeutung dadurch empfing, daß man Concurrenz eintreten ließ, und den Bestbestandenen den Vorzug vor den Uebrigen gab. Der erste auf diese Weise creirte Rabbine war bekanntlich Dr. Löwi als Districtsrabbine im Markt Ulfeld, mit dem 6 Bewerber concurrirten, die fast alle den gemachten Anforderungen entsprachen. Diese segensreiche Verfügung hauchte neues Leben durch die Adern des schlaffen israelitischen Gemeindekörpers. Man sann auf Verbesserung der religiösen Bildungsanstalten, auf die Hebung der Institute zur Bildung angehender jüdischer Theologen und richtete sein Augenmerk natürlich auf Fürth, den alten Heerd des Rabbinismus. Aber da mußte denn freilich eine Radikalreform vorgenommen werden. Es bestand hier eine Ieschiba, wenn auch nur noch in Trümmern, und die Schüler derselben verbrachten ihr Leben, anstatt mit dem Talmudstudium, im Müßiggänge, vorzüglich da die drei Mitglieder des Rabbinats zur Zeit noch nach den Bedürfnissen einer frühern Zeit geschult waren. Die Negierung, Dank ihr dafür, riß die Trümmer der Ieschiba vollends über den Haufen, befahl dagegen die Errichtung einer zeitgemäßen Talmudschule und die Anstellung zweier wissenschaftlich gebildeten Talmudlehrcr. Sie sollten im Vereine mit Len Gliedern des Rabbinats den Cursus des Talmudstudiums fest folgen und jeder angehende jüdische Theologe gehalten sein, nach Absolvirung der übrigen wissenschaftlichen Studien zwei Jahre lang diese jüdische Fakultät zu besuchen. Die Ausführung blieb allerdings noch weit hinter der Idee zurück; denn es war ja der Anfang zu dem noch ungewohnten Bessern, aber er sollte wenigstens die eine große Folge haben, daß die jungen, angehenden Theologen, aufmerksam gemacht auf die Wichrigkeit ihres künftigen Berufs, es mit den Vorbereitungen für denselben ins Künftige ernstlicher nehmen als wie bisher. Es ließ sich erwarten, daß man nicht bei Hebung der Synagoge stehen bleiben, sondern in Rücksicht der Verbesserung der Volksbildung sein Augenmerk auf die Volksschule richten würde. Wirklich geschah auch hier Segensreiches l Allen Lehrern ward aufgegeben, sich innerhalb dreier Monate zum Ablegen einer Prüfung ihrer Lehrer-Fähigkeiten zu melden. Ein reger Eifer, ein hier und dort ängstliches Ringen, sich die Erfordernisse und den Grad eines geprüften Lehrers zu erwerben, ward überall sichtbar und in den Kreisstädten strömte eine erfreuliche Menge hoffnungsvoller Männer und Jünglinge zusammen, von welchen sich für die israelitische Volksschule eine neue Epoche erwarten ließ. Mit gerechter Consequenz und Strenge entfernte man, dem einmal angenommenen Grundsätze getreu, die Unfähigen, um sie durch Fähige zu ersetzen; man muß es anerkennen, daß die Gemeinden das Streben der Regierungrn mit Eifer unterstützten und was damals gesäet wurde, trägt jetzt unter der kräftigen Leitung des Regierungsrathes Förster reiche Früchte. Die israelitische Volksschule Mittelfrankens ist's, welche für so vieles andere auszusöhnen vermag. Mir finden zur Zeit in dieser Provinz 53 Schulgemeinden mit 1676 Schülern, die in 55 Schulen unterrichtet werden. Davon sind nur 15 eigentliche Elementarschulen, welche den Gesammtunterricht der israelitischen Jugend besorgen, während 39 derselben sogenannte Religionsschulen sind, d. h. solche Anstalten, welche den Religionsunterricht derjenigen israelitischen Kinder besorgen, welche christliche Volksschulen besuchen. Die Lehrgegenstände der ersteren Schulen sind gerade dieselben, welche der baiersche Schulplan vorfchreibt. Die Religionsstunden der Relkgionsschulen verbreiten sich in täglich 2 Stunden über Kenntniß der mosaischen Religion und das Ritual, lehren Gebete lesen und übersetzen und beschäftigen sich mit Erklärung der heiligen Schrift. Als religiöse Lehrbücher erscheinen die Religionsbücher von Johlson, Dr. A. Behr, Dr. Dessauer, Dr. Klei, Dr. Herxheim er rc. Die Schulzeit dauert in der Regel bis zum 13. Lebensjahre, obwohl die Kinder hier und dort aus den Religionsschulen auch mit dem 12. Jahre entlassen werden. Doch ist, wenigstens deren religiöse Bildung, nach dieser Entlassung keinesweges abgeschlossen, vielmehr erhalten alle Kinder bis zum zurückgelegten 18. Lebensjahre am Sabbate und an Festtagen in der Synagoge Unterricht, werden auch des Sonntags in Realkenntnissen weiter fortgebildet, und es mag die Zahl solcher Feiertagsschüler den oben angegebenen Werkeltagsschülern so ziemlich gleich kommen. Oberaufsicht über diese Anstalten führt die höhere christliche Geistlichkeit, doch ist den Rabbmen die Inspektion über den Religionsunterricht anvertraut. Demnach zerfällt das Jnspektionswesen unsrer Provinzialschulen nach den 12 Rabbknaten in 12 Sprengel, jedoch so, daß der bedeutende Sprengel Anspach mit seinen 19 Schulen, darunter 2 Elementarschulen, in zwei Rabbinate abgetheilt erscheint. Dieser Sprengel zahlt 19 Lehrer und 402 Schüler. Das Rabbinat Beyersdorf 2 Schulen (darunter 1 Elementarschule) mit eben so vielen Lehrern und 95 Kindern. Dittenheim 3 Schulen (unter ihnen 1 Elementarschule) mit 3 Lehrern und 68 Kindern. Gungenhausen 3 Schulen ssämmtlich Elementarschulen), 3 Lehrer und 106 Kinder. Fürth 7 Schulen (mit 2 Elementarschulen) und 7 Lehrer bei 391 Kindern. Schnaitach mit 4 Schulen (2 Elementarsch.), 4 Lehrern und 150 Schülern. Schwabach mit 4 Schulen (1 Element.) 4 Lehrern und 106 Schülern. Th alm eßkng en mit einer Elementarschule, 1 Lehrer und 40 Schülern. Treuchtlingen mit 1 Schule, 1 Lehrer (dem Rabbiner selbst) und 29 Kindern. Pappen heim mit 2 Schulen (1 Element.), 2 Lehrern und 44 Kindern. Uhlfeld mit 5 Schulen (2 Elementarsch.), 5 Lehrern und 191 Kindern. Massertrüdingen mit 3 Schulen, 3 Lehrern und 58 Schülern. O e t t i n g e n mit 4 Schule, 1 Lehrer und 26 Schülern. Unter diesen Lehrern sind 19 die auf öffentlichen Seminarien gebildet worden sind; der Gesammtgehalt, welchen sie beziehen, beträgt einschließlich der Wohnungen 12001 Fl. 5 Kr. Der höchste Gehalt, den ein Individuum aus ihrer Zahl bekommt, ist 400 Fl. Der geringste 75 Fl. Doch kommt diese letzte Summe glücklicher Weise nur einmal vor, nämlich in Treuchtlingen, wo der als Lehrer angestellte Rabbine mit dieser für den Unterricht ausgesetzten geringen Summe wohl zufrieden sein kann. Sonst fällt der Gehalt eines Lehrers nicht unter 150 Fl. jährlich herab, und auch hier sind es nur 4 Stellen, welche auf diese Weise dotirt sind. Freilich giebt es eine nicht geringe Anzahl, die nicht viel höher stehen , und bei manchem Lehrer ist der Entschluß zur Reife und Ausführung gekommen, das kärgliche Brod zu verlassen und in Amerika das Eden der Hoffnungen zu suchen. Nur 2 Schulen, nämlich eine Elementarschule zu Ansbach und eine dergleichen zu Pappenheim, genießen einer Unterstützung aus Staatskassen, die übrigen werden durch

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