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Der Orient · 1840-07-11 · Heft 28 (11.7.1840) · p. 216

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 28 (11.7.1840)
Article
Pesth: über jüdische Zustände
Date
1840-07-11
Page
216 (sequence 2)
Language
German
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216 feite aufhören. Hier ist der Ort, den Manen eines ehrwürdigen und hochverdienten Mannes ein paar Worte der Weihe und des Ehrengedachtniffes zu widmen. Der für das Wohl seiner Mitbrüder unermüdet strebende, für die Israeliten Ungarns im Allgemeinen wie für seine Gemeinde insbesondere unvergeßliche Mann hieß Abraham Hirsch Lemberger, seligen Andenkens. Er war es, der als rüstiger Kämpe für das allgemeine Beste seines Volkes bei jeder Gelegenheit muthig auftrat, so manche Hemmniß der Gehässigkeit mit selbstaufopfernder Thatkraft aus dem Wege räumte, in jeder Beziehung und nach allen Seiten hin das Gute und Nützliche fördern half; er war es, auf dessen Antriebe und Befehl das alte allenthalben herrschende jargonische Deutsch beim Talmud-Tora-Unterricht abgeschafft und eine rein deutsche Uebersetzung, Bortrag der hebräischen Sprache und einen geordneter Unterricht überhaupt eingeführt und er einzig und allein war es, der das Institut der Professionisten ins Leben rief und von Seiten der allerhöchsten Regierung und der Gemeinde fördern half, Ehre seinem Andenken und allen, die .ihm bei dieser Gelegenheit hülfreich und thatkräftig zur Seite standen! Sein Name wird gewiß ewig unvergeßlich in den Annalen dieser Gemeinde prangen und mit dankbarer Ehrfurcht genannt werden. — Auch gegenwärtig befindet sich in dieser Gemeinde, wie zu den Zeiten des seligen Mose Sofer, noch eine Jeschiba von 300 Talmudjüngern, denen der gegenwärtige Rabbine (Sohn des früheren) täglich Collegien liest, und deren größerer ärmerer Theil von den obengenannten drei Vereinen und durch Kosttage, Sabbatbillets von der Gemeinde unterhalten werden. Vier der vorzüglichsten der Jeschiba aber erhalten Kostbillets auf anderthalb Monate, Monate oder halbe auf das ganze Jahr zu den Reichen, oder empfangen 3 fl. W.W. die Woche, wenn kein solches sogenanntes Schabathot leer ist, aus der Gemeindekasse. ■— Schließlich ist nur noch zu erwähnen, daß diese Gemeinde das ausschließliche Prärogativ hat, Sr. Majestät, unftrm allgeliebten Landesvater r den K. K. hohen Palatin und Erzherzogen, jährlich zu Martini Gänse als Zeichen ihrer Unterthänigkeit und Ehrfurcht zu überreichen. — Noch wollen wir, bevor wir dieses Genrebild schließen, die vorzüglichen Persönlichkeiten nennen, deren die Gemeinde, unseres Wissens, seit je sich erfreute. N. Akiba Eger (Großvater des verstorbenen nach ihm genannten posner Rabbinen), Verfasser des scharfsinnigen Werkes: Mischnat de-Rabi Akiba, über Mischnajot. R. Jizchak Dukla, R. Meier Barbi, Verfasser zweier in der rabbinischen Literatur berühmt gewordenen Folianten, betitelt Meram Barbi, über einige Traktate im Talmud. R. Mose Charis, R. Meschulam Tismenitz, einer der größten Celebritäten feiner Zeit, R. Isaak Schacherls, Verfasser des bekannten talmudischen Werkes, Korban Ascham, dessen Sohn, R. Kopel Schacherls, Verfasser des Parperaot le-Chochma, einer hebräischen Uebersetzung des Euklides und verbessernder Herausgeber des Seftr Hajaschar lerabbenu Tam, und der noch lebende Beer Oppenheimer, Verfasser des talmud. Werkes Me Böer, wie Michael Vigdor, Verfasser des ebenfalls talmud. Werke Schalme Nedabe, beide Privaten, und ihre Werke unentgeltlich vertheilend. — Der einstige, durch seine vielfachen väterlichen Leistungen ffür die Israeliten des gesammten österreichischen Kaiserstaates unvergeßliche Vorsteher genannt, Koppel Tewen, der auf einer Kurreise nach Karlsbad starb, und zu Prag nach mühevollem und rühmlichem Streben seine Ruhestätte fand, und der von Sr. Majestät mit einer Civil-Ehrenmedaille beschenkte erste Vorsteher Wolf Breisach, dem auch die Primär-Hauptschule großentheils ihre Entstehung und pekuniäre Förderung verdankt. Die letzte jüngst verstorbene rabbinische Celebrität, Mose Sofer, ist zur Genüge bekannt. (Forts, folgt.) Personalchronik und Miseellen. Den 18. Mai hat der Großrabbine zu Metz Fasttag und Trauer (Hesped) für die Blutzeugen der Synagoge zu Damaskus angeordnet. Der Orient hat N, 23 diesen Wunsch zuerst ausgesprochen, und gewiß wäre es billig, daß in allen Synagogen eine ähnliche Todtenfeier zur Anregung der Lebenden veranstaltet werden möchte. — v Den 11. Mai starb der Vice-Prast'dent des israelitischen Central - Consr'storiums zu Paris, Simon Mayer Dalmbert. Im Jahre 1776 wurde er zu.Mutzig im Elsaß geboren, war 1869 in Casiel Maire-Adjunkt, Ritter der Ehren-Legion und des westphalischen Ordens, später Bataillons-Chef der Nationalgarde zu Paris und trat im Jahre 1816 ins Consistorium ein. Seit seinem Eintritte hat er die Aufhebung hes Dekrets vom 17. Marz 1808 über die Beschränkung der Israeliten, die Ordonanz vom,29. Juni 1819, die Elementarschulen betreffend, die Ordonnanz vom 20. Aug. 1823, eine neue Gestaltung der jüdisch-kirchlichen Verhältnisse betreffend, bewirkt. Sein letztes Werk war die rabb. Centralschule in Metz, begründet 1829. *— Die Uebersicht der Criminalfälle in Algier im I. 1833 ergiebt 119 Angeklagte, darunter 50 Christen, 42 Moslems, 4 I s r a e l i t e n, 18 Franzosen, 32 Europäer, und doch bilden die Israeliten jder Bevölkerung. Vor der Zuchtpolr'zei ist kein Israelit gewesen. — Den 21. Juni veranstalteten gegm 200 Personen in Franks, a. M. dem Vorkämpfer für Gewissensfreiheit, Herrn Gabriel Ricßer, eine Abschiedsstier. Das Fest verherrlichten die jüdischen Berühmtheiten Frankfurts, als Dr. Goldschmidk, ein Jurist, Dr. Schwarzschild, Dr. I. Weil und Sohn Dr. H. Weil, Dr, Creuzenach und Sohn Dr. Th. Creizenach, der Dichter, Prof. Oppenheim, ein Künstler, und Dr. Geiger aus Breslau, bei seiner Durchreise nach Bonn. — Verlag von C. L. Fritzfche. Druck von Z. H. Nagel.

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