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Der Orient · 1840-07-11 · Heft 28 (11.7.1840) · p. 215

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 28 (11.7.1840)
Article
Pesth: über jüdische Zustände
Date
1840-07-11
Page
215 (sequence 1)
Language
German
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215 gemacht. Auch dürste der gleichgültige gefchmack- und regellose Leichenkondukt., der auch von jedem Vernünftigen unter uns bitter getadelt werden muß, das Mißfallen jenes Gelehrten erregt haben, denn wenn, er so, oder wie mit Gewißheit zu vermuthen ist, damals noch unanständiger, als es jetzt noch in vielen Gemeinden Israels geschieht, begangen worden, war, konnte er wahrlich nicht die Achtung, bethatigen die man überhaupt der. Hülle in. der ein göttlicher Geist gelebt, schuldig ist unddie selbst.' t>o.n: dem strengsten Talmudisten gefordert wird..*) Etwas anders konnten wir trotzder genauen sorgfältigem Forschung, über den Grnnd dieser Anschuldigung nicht ermitteln. Aber so viel ifl: gewiß, daß alle hier, lebenden Alten die dem Leichenbegängniß des Herrn Dr. Bloch zugegen waren uv aller Strenge, gegen jeden Vorwurf dieser Art protestiren, und zum. Beweise, daß das. Entgegengesttzte statt gefunden, daß man. vielmehr die. größte Achtung-, gegen, diesen. Mann gehegt, führen sie jenem wahrhaften und gegründeten Umstand an, daß sogleich nach der Beerdigung dieses Gelehrten, der geehrte Name desselben in das nur für die Namem großer und verdienstvoller Männer, die der hiesige Gottesacker birgt, bestimmte pergamentne Buch'ehrenvoll verzeichnet wurde. So wird nun heute noch sein Andenken wie das der übrigen wahrhaft ehrwürdigen Glaubensbrüder und Schwestern bei der jedesmaligen Todtenfeier an den Feiertagen in der Synagoge auf eine rührende und erbauliche Weise gestiert... Was aber ja. unser Befremden in dieser Beziehung erregen muß, ist, daß seit dem Sterbejahr dieses Gelehrten nichts ein Einziger noch von-seinem Verwandten sich bei seinem Grabe gezeigt, oder nach seinem Namen gefragt, während viele andere aus fernen Gegenden die theuern Reste, die sie hier verwahrt haben, säst jährlich-besuchen... So -liegt er nun da. dieser, große Naturforscher! am Fuße des Erzgebirges, durch volle 40 Jahre, »^6^^ und unbesucht von seinem Freunden und Verwandten und heilige Stille um ihn her. Nur hinter ihm. vernimmt man das Plätschern eines sanftrieselnden zwischen. Tannen und Fichten mannigfach sich schlängelnden Bächleins, das seiner Lieblinge (Rothsorellen) viele enthält., die gleichsam die Nähe ihres Verehrers ahnend freudig und' muthig empor sich - schnellen. Sein Grab erkennt'man durch einen großen und einfachen Denk^ stein von Kies, auf dem folgendes der Säge nach von N. H. Wessely verfaßtes Epitaphium zu lesen ist. *) Jetzt äußert sich freilich auch'in dieser Beziehung ein besseres Streben-in unserer Gemeinde, denn die getroffene Anordnung, daß . der von schwarz gekleideten mit weißen Wachskerzen verschncn Männern, getragene Bahre, die Schuljugend mit Gebetbüchern voranziehen und eine regelmäßig geordnete Prozession feierlich Nachfolgen soll, sticht gewaltig ab gegen die Regellosigkeit,'die früherhin da statt fand, und gibt dem' traurigen Akte einen-höchst nvürde- . und-. weihvollen Anstrich. )irb Tp’ in: nrwE >^2 ■oyw V 1|7!m NON nBDnn njnb mna yn r&y niDinn tp re ny jHD ny-6 pyiy yw bx p nny mnMi nfcocü n \ dvq wy p&u P-dV^ pn isrn n dyq Ungarn. Pefth, 15. April. (Forts.) Nach langer Unterbrechung fahre ich in meiner Schilderung der jüdischen Zustände in Ungarn fort. In Bezug auf Beförderung der Industrie und Gewerbbetriebfamkcit, ist Preßburg, unseres Wissens, die erste Stadt in Ungarn, die mit Energie und rüstiger Thatkraft den andern musterhaft voranging, und im wahren Sinne des Wortes Hand ans- Werk legte- und 1820 eine Profefsi'onistenanstalt gründete, der zur Zeit mehr denn hundert heimischer Kinder Brod und Nahrungszweig verdanken, deren Dotimng durch eine dem Einzelnen geringfügige und im Zusammenflüsse bedeutende Fleischauflage begründet. Von welcher Kasse die Kinder Unbemittelter zu christlichen Meistern in die Lehre gegeben werden, wo ihnen übrigens die Wahl des Handwerks freisteht und sie am Sabbat und Feiertagen frei sein müssen, und wovon auch die Zöglinge nach beendeten Lehrjahren equip.irt werden, so wie auch Wandergeld und den Kostenbetragder Werkstatteinrichtung, auch Vorschuß zur Anschaffung nöthiger Materialienerhalten. Bereits arbeiten daselbst als Meister: Gold- und Silberarbeiter, Zeugschmiede, Klempner,, Schuster, Kirschner, Uhrmacher, Koppelmacher, Steinschneider, Schneider u. s. w. z -letztere haben bereits das Zunftrecht (auf der Schloßbergseite)-erhalten, welches sich-/, biszur zuverlässig baldigen Erweiterung der Licenz,. einstweilen - dahin erstreckt: daß sie sammtliche^ jüdischen Lehrlinge, auch anderer Professionen, zunftgemäß aufnehmen können» Doch gilt dies, wie schon gesagt, nur vonder grundherrschaftlich Palfy'schen Schloßbergseite; und^ erhält die jüngst zur Verherrlichung der humanen edelgesinnten undgroßherzigen ungarischen Nation bei gegenwärtigen Landtage beantragte, undbei der Stande- und Magnatentafel mit einer bedeutenden Majorität von Stimmen.-bereits dmchgegangene Emanzipation der Juden in Ungarn, wie dies von der humanen huldreichen Gesinnung unserer allerhöchsten Regierung zu erwarten steht, noch-, die letzte-Sanction; dann wird, durch die Gleichstellung mit allen nichtadeligen christlichen Einwohnern des Landes, jedwede Beschränkung-auch auf der Stadt-

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