Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 26 (27.6.1840)
- Article
- Die hebräische Typographie
- Date
- 1840-06-27
- Page
- 404 (sequence 4)
- Language
- German
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407 Die hebr. Typographie m Spanien, Portugal, England und Deutschland. 408 einer lateinischen Übersetzung desselben Professors. Nach Robert Stephanus erwarb sich bedeutendes Verdienst um die hebräische Typographie Anton Vitro, der, anderer von ihm besorgten Werke nicht zu gedenken, die biblische Polyglotte, 9 Bde. fol. 1644 im Verlage von D. le Jay erscheinen ließ. Mich. Mattaire in seiner Slephanorum historia. London 1709. 8. erwähnt noch eines von Cheviller .nicht gedachten Buches von Carl 'Stephanus, der 1556 in 4. erschienenen Genesis. «— In Spanien und Portugal übten die Juden vor ihrer Vertreibung aus diesen Landern (gegen Ende des 15ten Jahrh.) die Buchdruckerkunst. Es kamen z. B. heraus zu Leiria Kimchi's Commmtar zu den ersten Propheten 1494, und 1497 der Commmtar desselben zum Jesaja und Jeremia. S. Wolf's hebr. Bibl. I, pag. 201. — In Schweden und Dänemark scheint nie die Typographie von den Juden gehandhabt worden zu sein, obschon hebräische Bücher, die in diesen Königreichen jedoch von den Christen gedruckt worden sind, nicht fehlten. — In England wurde auch erst spat den Juden die Erlaubniß Typographieen anzulegen ertheilt. Im 17. Jahrhundert erschienen jedoch einige hebräische Bücher in London. S. darüber David Nieto im ersten Theile von Wolfs hebr. Bibliothek. — In Böhmen hatten in dieser Beziehung die Juden die größte Freiheit; allein aus Prag gingen wie aus einem trojanischen Rosse unzählbare hebräische Schriften hervor; doch nahm die Zahl derselben allmäligab. — In Polen zeichnete sich durch die große Anzahlseiner Ofsicinen die Stadt Krakau bis auf die Gegenwart aus. — Deutschland aber ist eigentlich dasjenige Land, dem die italienische Typographie ihren Ursprung verdankt; denn schon oben ist bemerkt worden, daß die Familie Soncino von einem Moses aus Speier abstammte, und in dem zu Soncino erschienenen Codex Berachot ward Gabriel ben Aaron ein Straßburger genannt. Sodann ist nicht zu übersehen, daß in manchen Städten Deutschlands die Juden eigne Typographieen haben, während sie freilich in anderen, z. B. in Frankfurt, an die christlichen Druckereien gewiesen sind. S. Schudt im vierten Theit der Memorab. Judaic. Contin. IL pag. 28. In dem schwäbischen Orte Danhus sollen die Juden .1592 das Recht, Bücher herauszugeben, verloren haben, weil sie Nichts als Calumnien gegen den herrschenden Glauben hatten erscheinen lassen. Der Ex-Israelit Samuel Friedrich Brentz in seinem Buche jüdischer Schlangen-Balg cap. 5, pag. 30 erzählt, daß bei dieser Gelegenheit das dort in vielen Exemplaren vorhandene Buch Machasor consiscirt worden sei. Der Apologet der Juden, Salomon Zebi (in seiner Theriaca Judaica pag. 305) erklärt jedoch, daß, nachdem bewiesen worden, wie sich in diesem Buche keine Lästerungen solcher Art fänden, die Machsorim wieder zurückgegeben worden seien. S. Wülfer in den Betrachtungen zu diesem Buche, pag. 360. — In Hessen im Orte Hedernheim sotten die Juden schon vor 200 Jahren eine Buchdruckerei gehabt haben, in der mehrere jetzt verschollene Bücher erschienen sind. Nach Schudt (Memorab. Judaic.) bestand diese Officin noch vor 60 oder 70 Jahren (1650 — 1660). >— Im schlesischen Städtchen Oels erschien unter andern Büchern auch eine Folioausgabe des Pentateuchs. Bedeutender jedoch als diese Officin, aus welcher dieser hervorgegangen, war die des R. Sabbatai ben Joseph zu Dyrenfurt, einem ungefähr 4 Meilen von Breslau gelegenen Städtchen. Vgl. über dieselbe den neuen Büchersaal, Bd. 9. pag. 691. Bd. 14 pag. 91. Diese Druckerei wurde 1711 'von Joseph dem ältesten Sohne übernommen; scheint aber wegen Zwistigkeit der Familie bald wieder aufgelöst worden zu sein. — In Holland blühte die Buchdruckerkunst der Juden namentlich in Amsterdam, wo Menasse ben Israel, Immanuel Benbeniste, Uri Phöbos ben Aaron Levita, Joseph Atias, Abraham Mendel Cotino und Salomon ben Joseph Probs dieselbe übten. — Folgende sind in alfabetischer Ordnung die Oerter, wo entweder durch Christen oder durch Juden die hebräische Typographie geübt worden ist. — Altorf, wo mehrere Werke Hackspan's und Wagenseil's erschienen; Amsterdam s. oben; Arg ent o ratum (Straßburg), wo Elias Schadäus einige Bücher des N. T. jüdischdeutsch abdrucken ließ 1592. 8.; daß er dies auf eigne Kosten veranstaltet habe, geht hervor aus seiner „Auslegung des Mysterii in Bekehrung der Juden" pag. 6. Ar iminiu m (Rimini in Italien); Augusta Finde licornm (Augsburg) wo 1520 in der Ofsicin von Sigism. Grymm und Marcus Wirsung Mose Kimchi's Grammatik erschien; ßasilea (Basel) in den Ofsicinen von Froben und Waldkirch; Berolinum (Berlin), wo Dan. Ernst Jablonsky eine Typogr. errichtete, aus der seit 1697 Mehreres, u. a. auch der Frankfurter Talmud theilweise erschienen ist; Bistrovitz- Bononia (Bologna), woselbst die Soncino's; Brix in (Brescia), wo 1494 durch Gerson Soncino ben Mose die hebr. Bibel gedruckt ward; Co~ lonia (Cöln); Constantinopel; Cremona; Cr ac ovia (Krakau); Danhusen in Schwaben; Dessavia (Dessau); Dyrenfurt; Fannin Fo r i una e (Fano im Herzogthum Urbino); Ferrara; Frankfurt am Main; Frankfurt an d. Oder, bei Mich. Gottschalk; Franecker; Fribnrgum Brisgojae (Freiburg im Breisgau); Fürth (eine Meile von Nürnberg); Gießen; Halle (Haiti Saxocum), bei Mosche ben Abraham, einem Ex-Christen, der weil er sich die Freiheit herausnahm, gegen das Christenthum Injurien auszusprechen, auf königl. Befehl 1714 seine Typograhie verlor; Hamburg bei Thomas Rose; Hanovia (Hanau), wo 1618 hier! mehrere Codices des Talmud erschienene später erschienen