Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1840-06-27 · Heft 26 (27.6.1840) · p. 198

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 26 (27.6.1840)
Article
Arabien: die jüdischen Stämme in Hedschas
Date
1840-06-27
Page
198 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2360092-2360093-2360120-2362867--0610-2362896
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 198 - nach diesen kommt Taif und Homain; die hochgelegenen Gebirgsgegenden heißen Nedschd, die gegen das Meer sich verflachenden Niederungen Teharna, in allen diesen Gegenden wohnten Juden / 'mächtig und'zahlreich seit uralter Zeit. In Medina (bei Ptolemaus Lachrippa, auch Jethrippa, dann Jatreb, und endlich Medinet el-Nabi) wohnten sehr viele Juden schon vor Muhammed. Als Muhammed in seinem sechsten Jahre mit seiner Mutter nach Medina reiste, sahen ihm, wie ec selbst erzählte, jüdische Knaben zu, wie er in einem großen Becken schwimmen (ernte; denn wahrend des Knabenalters des Propheten herrschte noch zwischen den arabischen und jüdischen Stämmen in Hedschüs eine innige Befreundung, was mit den christlichen Stämmen Wn/nicht der/Fall war, da der Krieg mit Abraha, dem christlichen König von Abyssinien schon vor Muhammeds Geburt statt gefunden. Kaum war aber Muhammed zum Jüngling herangereift, als zwischen den jüdischen und arabischen Stämmen in Hedschns unselige Reibungen sich entwickelten, , welche sehr häufig die Uebermacht und der Uebermuth der Juden veranlagte. Es war der jü- - dische' Stamm Beni-Kenana, aus dessen Mitte die Anreizung zu Raufereien entsproß. Ein muthwilliger Jude aus den Beni-Kenana sah eine Araberin der Beni- Aamir sitzen, er heftete ihr von hinten das Kleid an, so daß'sie aufstehend zum Gelachter der Anwesenden Blößen gab, sie rief: mir zu Hilfe, o Söhne Aamir'sl und ein blutiger Streit zwischen den sonst befreundeten Stammen begann^ Nach einigen Jahren erneuete sich - dieser unselige Zwist durch eine ebenso unbedeutende Veranlassung herbeigeführt. Ein Schuldner der Beni- Kenana verweigerte seine Zahlung einem Gläubiger der Beni-Aamir, eineThat, die hinreichte, um eine blutige Fehde zu erneuern. Aber nicht blos mir dem Stamme Beni- Aamir hat der Muthwille-der Bem-Kenana es verdorben, -sondern auch mit einem andern arabischen Stamm Beni- Hawasin. Der persische Statthalter zu Hira sandte alljährlich Maaren auf den Markt zu Okkas, um sie dort fürSafran von Taif umzusetzen; er pflegte immer die ' Huth seiner Karawane einem arabischen Stamme anzuvertrauen. Ein gewisser Jude Beradh, aus dem Stamme der Beni-Kenana, wollte einmal die Huth einer solchen Karawane übernehmen,/ man gab sie aber einem gewissen ' Jrwa aus dem Stamme der Beni -Hawasin; Jrwa spottete über den Schutz der Bem-Kenana, Beradh/wollte tatsächlich die Unsicherheit des andern Schutzes beweisen, er übersielÄe Karawene am Flusse Surch a b und tödtete dm J r w a.- Die Kunde dieses Vorfalls brachte die zwei Stamme in Okkas zusammen, und der blutige Kampf erstreckte sich bis an, die Grenzen des Weichbildes von Mekka, wo die Waffen ruhen mußten. Die Kdrei sch nahmen sich des jüdischen Stammes, an, sie traten.mit .in den"Kampf für die Juden, und Muhammed, damals noch sehr jung, las Pfeile, auf für die Verbündeten der Juden. Viele Kereischiten wurden gefangen und die Beni-Kenana mußten zu deren Auslösung vierzig Geißel geben; als aber die Veni-Hawasin die Geißel erblickten wurden - sie erweicht und ^gewährten großmüthig den Frieden. — Nach dieser kriegerischen Episode der Beni- Kenana, müssen wir unsere Blicke wieder nach Medina richten, wo sich das Drama der jüdischen Stämme allmälig entwickelte. Fast zwanzig Jahre lang hatte sich Muhammed mit seinem Prophetenthume zerarbeitet, er fand nirgends befreundete Hörer, nirgends Anhänger; in Mekka verhaßt und verfolgt reiste er mit feiner prophetischen Mission nach Taif, wo der bitterste Hohn und Spott ihn verjagte; da kam er in der Blüthe seines Mannesalters nach Medina, wo er schon in seinem sechsten Jahre war. Medina, ursprünglich Jatreb, liegt 10 Tagereisen nördlich von Mekka, an dem Rande der großen Wüste, hart an der Gebirgskette, welche, als eine Fortsetzung des Libanon, von Norden nach Süden streicht. Die ersten Einwohner dieser Stadt waren nach der Tradition die Amalekiten, welchen die Juden folgten, wahrscheinlich erst nach langen blutigen Kriegen. In dieser Stadt wohnten um jene Zeit vier jüdische Stämme, mit Namen: B e ni - Nad h ir, B en i- Hadil, Beni - Karaidha (Kacisa) und Beni- K a i n o kaa, alle vier mächtig und groß. Außerdem wohnten aber noch da zwbi arabischsabäische-Stämme, Ehasradsch und Aus, die aus Saba wegen der großen Wasserfluth von Arem unter einem Anführer Harifa eingewandert kamen. Ihre Eclaubniß zur Niederlassung haben die zwei Stämme erst durch Verträge von dem jüdischen Fürsten von Medina, Scherif ben Kaab, erwerben müssen. Kaum war ein Geschlecht verstrichen, so war eine Feindschaft zwischen den jüdischen und arabischen Stämmen ausgebrochen, und diese Feindschaft hätte fast die Araber aufgerieben, hatte ihr Emir Adschlar, der NachfolgerHarisa's, die stammverwandten Veni-Ghasan in Syrien nicht zu Hilfe gerufen. Die Juden rächten sich an Adschlar durch Ermordung seines Sohnes Malik, dafür aber rächte Adschlar sich durch Ermordung von hundert Juden. Der Sohn des erwähnten Scherif, mit Namen Kai tun, schlug den Adschlar, und fast wären diese Stämme abermals erdrückt worden, hätten sie nicht schnell Hilfe bei dem Stamme Tai nachgesucht und - gefunden. Müde des immerwahrenden Kampfcns wanderte ein Th eil dieser Stämme wieder nach Syrien zurück;,die noch sehr zahlreich Uebriggebliebenen wurden von den Juden mit Hilfe der jüdischen Stämme Tasm .und Dschedis ganz unterjocht. Abhängig und unterjocht traf Muhammed diese beiden Stamme Ehasradsch und Aus, was ihn um /so. mehr schmerzen mußte, als er-mit einer Familie her SSent-G^afrabfc^ ^ettx>anb^ war. An die Beni-Chaftadsch richtete er seine Einladungen zum^ Islam, <und - dieser Stamm war wegen seiner Verwandtschaft, und die Beni-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.