Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1840)
- Article
- Arabien: Juden zu Khaibor in Hedschas
- Date
- 1840-06-20
- Page
- 190 (sequence 2)
- Language
- German
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190 auf das Zeugniß so vieler Muhammedaner berief, antworteten sie, daß selbige sich bei ihnen gar nicht melden dürften, weil sie das - Gesetz nicht nach ihrer Manier beobachteten. Die Juden zu Khaibar sind also vielleicht Karaiten^); denn man sinder nicht nur Karaiten in Polen, Konstantmopel und Kahira, sondern auch in einigen Dörfern am Euphrat, und alle diejenigen, welche sich zu dieser Sette bekennen, sind bei den übrigen Juden, den Pharisäern, mehr verhaßt als die Muhammedaner und Christen. — Der Name des Stammes H ijJ) hat viel ähnliches mit dem Namen Hanafsi, dessen Benjamin von Tudela bereits vor 700 Jahren §rMhnt hat- (hin« ed. Ar. Moni* p. *5—Jngleichen mit Bann -Zlnzah, welcher Stamm schon MuhammeV und den ersten Khalifen viel Verdruß machte. Also'hat diese" Familie Juden wahrscheinlich schon über 1100 Jahre regiert." So v weit Niebuhr. Bei dieser ziemlich ausführlichen Mittheilung Niebuhr's, der doch gewiß unter allen Reisenden der wahrheitsliebendste und zuverlässigste ist, kann man einige Fragen kaum unterdrücken: a) Er sagt, daß. er nur Khaibar unter den unabhängigen Gegenden kennt/ während er am Schlüsse nur dem Vernehmen nach es zu wissen vermeint.!-) Scheint im ersten Augenblicke darin ein Widerspruch zu liegen, daß er zuerst die Beni Anassa zu den jüdischen Stämmen in Khaibar zählt, wahrend er gegen das Ende der Relation Lei Gelegenheit der Karavanenplünderung diesen Stamm von den jüdischen ausschließt, v) Ist die Anmerkung ganz unverständlich, die Stelle aus Sehens Ed-Dns soll beweisen, daß in Khaibar nur Karäer wohnen, während dort nur von Beni -Koraita^) gesprochen wird, obgleich 2) Man könnte dieses auch aus den Anmerkungen des Sch erifs Ed - Dri s in seiner ^ubiensis p. 110. vermuthen, wo es heißt : Khaibar ist aber nur eine kleine Stadt, fast nur ein Kastell, .befestigt und reich cm Palmen und Auen. Khaibar war zu Anfänge des Islam Wohnstätte der Beni-Koraita — Die Wohnung dieser Juden, zu welchen man, besonoees gen Osten und Norden, nicht anders als durch große Wüsteneien kommen kann, hat vielleicht Gelegenheit zu der Fabel von dem Sabbatfluß gegeben; 'denn die Juden reisen, wie bekannt, nicht am Sabbat. Die Karawanen aber, mit welchen sie in den Morgenländern zu reisen genörhigt sind, würden sich ihrentwegcn nicht aufhallen. Und weil.sie allein nicht mit Sicherheit durch diese große Wüste reisen können, sc könnten sie auch ihres Sabbats wegen keine .Reise nach Khaibar unternehmen. Ba r - T h e m a erwähnt der unabhängigen Juden in der Gegend von Medina gleichfalls/ ..... Nie b. 3) Es ist aber auch wirklich von einem jüdischen Stamme Karaidha kn einem Kitab el - Dschuman <S.. zur Geschichte ter Araber vor Mohammed v. R« v. L. 308) die Rede. Es wird dort nämlich, gesagt, „daß in Medina, als cs durch den Tobba belagert 'worden sei, sich zwei Schristgelehrte vom jüdischen'Stamme der Banu-Karaidha befunden hätten,, die ausgezeichnet in der Kenntniß der Abraham - Religion waren, welches da ist die: -Religion der Hane fiten u. s. w. Red. in Bezug auf die Hauptsache wohl den Aussagen der Juden in Haleb und Damask Glauben zu schenken ist, uqrnlich .so, daß sie von Mischna und Talmud und von dem mündlichen Gesetz nichts wissen, e!) In unserer Originalausgabe des Benjamin von Tudela wird durchaus eines Stammes Hanassi nicht gedacht, eben so wenig in den Erzählungen der Kriegszüge Muham» med's. e) Ist die Conjectur über den Strom Sambatton2 3 4) unklar und unhaltbar. — Man sieht aber aus der ganzen Erzählung, aus der Unbestimmtheit der An- 4) Ueber diesen für fabelhaft gehaltenen Fluß Sambatio n und über dessen wunderbare Eigenschaft, war. man schon sehr'früh in Zweifel. Es erwähnt diesen Fluß nämlich Rabbi A k i b a in einer Antwort an Tur n u s R u fv s (Sanhedrin 65 b; Gn. Rabba e. 11.; Tanchuma s. Bereschit), der die Heiligkeit des Sabbat aus diesem Naturwunder bekräftigt, zu welcher Autwort in den Scheeltot des Achai Gaon (ft Bereschit) merkwürdigerweise der Zusatz steht „hierauf erwiederte Turnus Rufus: selbst in Bezug auf diesen Strom schenke ich dir keinen Glauben, denn ich kenne seine Stätte nicht." Achai Gaon ist aber eine bedeutende Autorität, dessen Lesarten wir wohl annehmen dürfen. -Dieses Gespräch fand aber zu Cäfaraa in Palästina statt, und dort selbst und schon in jener Zeit wußte man schon die Stätte des Sambationstromes nicht, so daß Akiba andere'Beweise für die Heiligkeit des Sabbat beibringen mußte. Aber schon vor Rabbi Akiba erwähnt diesen Wunderstrom Iesephus (de Bell. jud. VII, 5.) mit dem Unterschiede, daß die Sage von dem Wunder umgekehrt ist. ' Ra p. Die Stelle bei I o se p h u s lautet nach einer wörtlichen Uebertragung: „Von hier (Berytns) zog er (Titus) durch die Städte Snriens und gab überall , wo er hin kam , prächtige Spiele, bei welchen jedesmal viele jüdische Gefangene zum Zeichen des Unterganges der Nation .sterben mußten. Auf seinem Wege untersuchte er die Beschaffenheit eines Flusses, der es wohl verdient, daß ich einige Worte darüber sage. Er fließt mitten zwischen Arkäa, im Königreiche des Agrippa, und Naphanäa, und hat folgende Eigenheit. So lang er fließt, ist er wasserreich und .hat einen ziemlichen Fall; aber sechs Tage lang versiegt er, von den Quellen an bis hinunter, und sein Bett wird trocken. Am siebenten Tage aber strömt er wieder, als wäre keine Unterbrechung geschehen. Diese Ordnung beobachtet er fortwährend, daher man ihn auch den Sabbat-Fluß nennt." Da aber Plinius (3l. e.2.) in Bezug ans das Wunder das Gegentheil sagt': In. Juduea rivus Sabau tis omnibus siceatur,, ba Rabbi Akiba, wie man aus der Parallelstelle Gn. Rabba 11., so wie die ganze jüdische Tradition ebenfalls das Wunder umgekehrt erzählt, so scheint bei Iosephus hier ein Fehler zu sein. Aus Iesephus geht aber in Bezug auf Oertlichkeit so viel hervor, daß er in Syrien zu suchen sei; auch des Ausdruck „Judäa" : des Plinius widerspricht nicht der genauen Bezeichnung.des Iosephus, was also dir Meinung, daß er in Arabien zu suchen, hinlänglich widerspricht. Erst später beim jerus. Targum (Ex. 34, 10), Bereschit Rabba (e. 73) Ialkut zu den Propheten aus der Pesikta (52b)) Schalschelet ha-Kabbala (ed. ‘Ven. p. 37), Juchasin (p, 155), Eldad ha - Dani u. ft w. wurde die Sage von diesem Wunderstrome mit der Wegsührung der zehn Stämme in Verbindung gesetzt. ... - Red.