Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1840)
- Article
- Arabien: Juden zu Khaibor in Hedschas
- Date
- 1840-06-20
- Page
- 191 (sequence 3)
- Language
- German
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191 gaben, daß Niebuhr gerade hiek nicht Beobachter war, daß er in Bezug auf die freien Juden in 2lrabien nicht zuverlässiger als jeder andere Reisebeschreiber ist, der blos nach Hörensagen beschreibt. Schon Seetzen daher in den Nachrichten von seinen Reisen in Syrien, Palästina und Arabien (in Aach's monatt. Correspondenzen für Erd- und Himmelskunde XIV, XVII,. XVIII) bezweifelte in einem Schreiben an Herrn v. Hammer- Purgstall die Aussage Niebuhr's. Wir müssen uns daher zur Ergründung dieses Gegenstandes nach andern Quellen Umsehen. — In der neuen Encyclopädie von Ersch und Gruber, unter dem Artikel Beduinen, wird diese Erzählung von neuem behauptet, mit Berufung auf Adulfeda (geb. 1273, gest.. 1331).in'seiner Länderbeschreibüng, wo er der freien Juden in Khaibar gedenkt. (F. f.) Deutschland. Aesterverch, 12. Juni. Wenn auch stets die gegenwärtige Zeit nicht nur den Stoff einer später zu schreibenden Geschichte abgiebt, sondern selbst die Materialien in stummen unberedeten Denkmälern zu sammeln hat, so halt doch das unparteiliche Urrheil der Geschichte häufig nur ein ägyptisches Todtengericht, so wie andererseits auch hier das Schwelgen an den rachen Tafeln der Gegenwart durch das Vorhalten der erhaltenen Reste der Vergangenheit bedeutend an Reiz verliert. Namentlich gilt dieß von Literaten- und Literaturgeschichte, wo die Producte der Zeit selten den frühem gleichgestellt, noch seltner unbefangen und nach Verdienst beurtheilt werden, am seltensten aber nach dem Grade ihrer Würdigkeit, die Aufmerksamkeit und Beachtung des Publikums auf sich ziehn. Bei. der jüdischen Literatur kommt nun noch der Uebelstand hinzu, daß ihr Viele bereits..ganz entfremdet, und erst durch eine anlockende Darstellung zu gewinnen sind; ferner unsere ebenso im Zerstören wie im Ausbauen sich gefallende Zeit, den schärfsten Gegensatz der Richtungen begünstigt. Darum ist eine richtig erfaßte Aufgabe der öffentlichen Organe unserer Literatur und Geschichte, die betreffenden Daten und Materialien in möglichster Reichhaltigkeit auch aus der Gegenwart zu sammeln. Was uns zu einer solchen Einleitung veranlaßt, ist ein Artikel über die literarischen und anderweitigen jüdischen Notabilitaten Ungarns und.dessen..Berichtigung in Nr. 21 des Orients, aus Prag darirt. Es giebt uns nämlich die Anwesenheit des darin erwähnten Hm. B. Scho n feld Gelegenheit, eme Berichtigung beider, und einige Notizen über denselben in oben ausgesprochener Absicht folgen zu lassen. B. Schönfeld, geb. 1787 zu Szenitz (vuig. Semnitz) im. Comitate Neutra, ist der Sohn Moses Schönftld'ch welcher selbst in.GödlNg an der March geboren als Schächter, und Gem emdeschreib er ..zu Szenitz fungirte. Nach.damaliger allgemeiner Sitte für das Studium, des Talmuds und der Halacha ausschließend herangebildet, ging er mit. dem erreichten 15. Jahre nach Prag^ wo er 2 Jahre unter dem berühmten Samuel Landau dieses Studium fortsetzte, aber zugleich mit andern Schicksalsgefährten [) jener Periode anderweitige Kenntnisse erlangte, und überhaupt zu einem geregelten Studium, namentlich zu einem gründlichen Auffassen der hebräischen Sprache und Literatur sich hingezogen fühlte, worauf der Beruf zum Lehrfache in ihm erwachte. Nach einer zeitgemäßen Vorbereitung trat er das Lehramt zu Lomnitz (unweit Brünn) an, und verblieb daselbst in dieser Eigenschaft 10 Jahre, wo. er sich auch 1812 verheirathete. Spater unterrichtete er in den mährischen Gemeinden Neuraußnitz, Jamnitz, Nikolsburg, und noch im Jahre 1817 in Pcoßnitz. Hier war der sonst rüstige Mann, der 8 Stunden täglich dem in jenen Schulen so erschöpfenden Unterrichte sich zu widmen vermochte, von einer Krankheit heimgesucht, die ihn erst nach dem Besuch von Marimbad 1838 gänzlich verließ, und seitdem lebte er in seiner Vaterstadt in literarischer Thätigkeit. — Schon in Lomnitz schrieb er sein erstes Werkchen (Blüthenbüschel), eine Sammlung hebräischer poetischer und prosaischer Originalien, oder Nachbildung klassischer Stücke aus anderen Sprachen^)/ Spater wurde er durch einige Arbeiten grammatischen und exegetischen Inhalts, namentlich durch mehre Gedichte in den Biküre Ha-Jttim, worunter auch Nachbildungen, wie z. Schillers Freude (Jahrg. 1826, S. 100) bekannt. — Seine letzte Schrift ist "MD oder Sittenlehre für die israelitische Jugend, Prag 1831. 8. Von einem Briefsteller, den ihm der Referent des Orients Nr. 21 zuschreiben will, weiß Schönfeld nichts. Eher dürfte ein anderer Schönfeld, ebenfalls Lehrer in Ungarn, gemeint sein. Uns will es aber brdünken, als ob der ehrenwecthe genannte Referent in seinem Eifer über jenen ersten Artikel den (freilich kein Briefsteller, aber Briefe enthaltend) vom Verfasser des p im Auge gehabt, und dem Namen Schönfeld vielleicht andere Prädikate zugedacht habe. Nach der einleitend ausgesprochenen Ansicht halten wir es nicht für passendhier über die Schriften Schönfeld's, die in jedermanns Händen sind, abzuurtheileu. Wir glauben blos bemerken zu dürfen, das der Styl derselben, durch seine an Naivetat grenzende Einfachheit, und Reinheit des biblischen Ausdrucks, ohne künstliches Spiel mit Bibelstellen, unter den neuesten hebräischen Poesien sich 'bemerkbar macht. Ob Dr. Delitzsch ihn gedenkt, und wie ec ihn erwähnt, ist mir im Augenblick nicht gegenwärtig. — Und wir bemerken hier mitVergnügen, daß diese Eigenschaften sich in den neuesten 1) Eine große Anzahl von Biographien aus jener Zeit lassen sich mit den. drei Werten: Wachur, Leprer, Schrifesteller erschöpfen.../ 2) Erschien in Wien 1814. S. 25