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Der Orient · 1840-06-13 · Heft 24 (13.6.1840) · p. 184

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 24 (13.6.1840)
Article
Oberfranken: über die gesunkenen Rabbinatszustände in Baiern
Date
1840-06-13
Page
184 (sequence 2)
Language
German
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184 in Untecfranken gesetzt hatten, und nun, da sie auch in dieser Hoffnung bitter getauscht worden, mit traurigen Blicken Ln die Ankunft schauen. -— Unsere Absicht geht jetzt dahin, über das Resultat der Rabbinats wählen selbst zu refeciren. Für das Distriktsrabbinat Kissingen wurde gewählt Dr. Adler, Herausgeber der Synagoge, und wir gratuliren diesem Distrikte zu seinem wackern Geistlichen, der sich als einen Freund des gemäßigten und besonnenen Fortschreitens in seiner Zeitschrift bekannt gemacht hat. Hoffentlich wird derselbe seine dort ausgesprochenen Ansichten nunmehr, da ihm Gelegenheit dazu gegeben ist, auch im Leben und in der praktischen Synagoge bewähren und realisicen. Eben so können wir den Gemeinden des Distriktsrabbinats Obdach Glück wünschen zu dem Rabbiner, den sie sich erkoren. Herr Leb recht ist ein Mann, der neben einer gründlichen wissenschaftlichen Bildung den redlichsten Willen und einen Eifer für die Veredlung des israelitischen Glaubens und Cultus besitzt, der im Voraus Bürgschaft für seine segensreiche Wirksamkeit im Amte leistet, zumal da sein Eifer für das Gute mit einer Besonnenheit gepaart ist, welche erwarten läßt, daß er sich das Zutrauen aller seiner Parochianen erwerben werde. Das Distriktsrabbinat zu Markt-Steft erhielt Herr Candidat Thalheim er, über den wir nichts zu sagen wisien, da er uns weder durch literarische Leistungen, noch sonst irgend wie, bekannt ist. — Für W—g endlich, welches nicht allein wegen des Rabbinatssi'tzes in der Kreishauptstadt das wichtigste, sondern auch das umfangreichste von allen ist, indem es 692 Familien mit 3193 Seelen zählt, wurde erwählt der Hausir- und Kleinhändler S. 33. B — r aus W—n. So soll denn das unstreitig größte Rabbinat in Baiern dessen Sitz in einer Kreis- und Universitätsstadt ist, mit einem Manne besetzt werden, der bisher seine Zeit zwischen dem Studium des Talmuds und der Betreibung seines Hausir- und Kleinhandels getheilt hat, mit einem Manne, dem die ersten Elemente jeder wissenschaftlichen Bildung fehlen, der nicht einmal die Kenntnisse der deutschen Sprache sich erworben hat, mit einem Manne endlich, der nicht allein alle Wissenschaften und alle Bildung verachtet, sondern jedes andere Studium, außerdem des Talmuds und der jüdischen Literatur, für sündhaft und verderblich hält. Es ist schon anderweitig bekannt, daß dieser aus einem Hausirer plötzlich in einen Rabbinats -Candidaten umgewandelte Mann bei seiner Prüfung von den Examinatoren, welchen die größte Nachsicht gegen ihn empfohlen war, für ganz unfähig zu dem Amte eines. Rabbiners erklärt worden ist. Wie es ihm aber demohngeachtet, allen bestehenden Gesetzen und Verordnungen zum Trotz, gestattet worden ist, sich um das Rabbinat W—g zu bewerben, bleibt freilich eine sehr auffallende Erscheinung. Dem Vernehmen nach will der bessere Theil der Gemeinde W—g, welcher es wohl einsi'eht, welche Schande es für diese Gemeinde sowohl, als für die ganze Judenschaft Baierns sei, wenn in einer Universitätsstadt, die so viele berühmte Gelehrte in ihrer Mitte zählt, und durch eine im hohen Grade wissenschaftlich gebildete Geistlichkeit ausgezeichnet ist, der jüdische Geistliche allein mit seiner Bildung zurück stehr, gegen die getroffene Wahl Protest einlegen. — Wir halten es aber auch für die Pflicht aller derjenigen baier'- schen Rabbinen, die ihren Standpunkt zu würdigen wissen, die nicht gleichgültig sind gegen das religiöse Heil ihrer Gemeinden und ihrer Glaubensbrüder im allgemeinen, die den Nachtheil erkennen, welcher für die Würde und das Ansehen des ganzen Standes daraus erwachsen muß, wenn das bedeutendste Rabbinat des Königreichs von einem, wegen seines bisherigen Gewerbes nicht minder, als wegen seiner Unwissenheit Unbefähigten, verwaltet würde, ihre Stimmen mit den Stimmen der für die Ehre und das Gedeihen unserer heiligen Religion begeisterten W—r Israeliten zu vereinigen, und die Hände nicht in den Schooß zu legen bei der Gefahr, welche der Würde ihres Standes und dem religiösen und sittlichen Heile einer so großen Anzahl von Gemeinden droht. Denn was läßt sich wohl für eine Belehrung und Leitung von einem Rabbinen erwarten, der mit seiner Bildung und mit seinen Ansichten um ein ganzes Jahrhundert gegen seine Zeit zurücksteht, der wohl dazu geeignet wäre, in einer Gemeinde von polnischen Chasidim, nicht aber in einer im Mittelpunkte Deutschlands gelegenen, an Bildung ausgezeichneten, an Gelehrten reichen Stadt das Amt eines israelitischen Geistlichen zu verwalten? Mit welchem Ansehen und mit welchem Eindrücke wird er den Erwachsenen im Hause Gottes und dem aufblühenden Gefchlechte in der Schule das Wort Gottes vortragen und ans Herz legen, er, der nicht einmal im Stande ist, sich in der deutschen Sprache gehörig auszudrücken, der gar manchem Schulknaben hierin, wie in andern gemeinnützigen Kenntnissen, nachsteht? — Mögen aber die aufgeklärten und für ihren Beruf begeisterten Rabbinen Baierns, an welche wir diese Aufforderung richten, nicht dadurch von einem kräftigen Schritte in dieser Angelegenheit sich abhalten lassen, daß sie glauben, ihre Einsprache gegen die Bestätigung des Bamberger würde doch nichts nützen, indem dieselbe geheime Macht, die ihn bisher protegirte, ihn auch ferner in Schutz nehmen werde. Wir hegen ein besseres Vertrauen zu der Weisheit und Gerechtigkeit unserer hohen Behörden und hoffen zuversichtlich, daß, wenn die Stimme mehrerer, oder vieler Rabbinen, die man um so weniger eigennütziger Absichten wird zeihen können, in je größerer Anzahl sie sich hierzu vereinigen, mit der Stimme des erleuchteteren Theils der W — r Gemeinde, denen sich vielleicht auch ein Theil der Landgemeinden anschließen wird, sich verbindet, um an den Stufen des Thrones über die Gesetzwidrigkeit und Schädlichkeit der fraglichen Wahl Klage zu-führen, dieselbe nicht fruchtlos verhallen werde, zumal, da die deutlichsten

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