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Der Orient · 1840-06-13 · Heft 24 (13.6.1840) · p. 185

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 24 (13.6.1840)
Article
Oberfranken: über die gesunkenen Rabbinatszustände in Baiern
Date
1840-06-13
Page
185 (sequence 3)
Language
German
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185 und bestimmtesten Gesetze und Verordnungen für ihre gute Sache sprechen. Sollte aber auch Alles fruchtlos bleiben und ein gewesener Hausicer, der aller gemeinmenschlichen Bildung entbehret, an die Spitze der religiösen Angelegenheiten eines ganzen Kreises, in dem der vierte Theil sämmtlicher Israeliten Vaierns wohnt, gestellt werden, nun so haben sie doch gethan, was an ihnen war, zu thun, was ihre Pflicht und das Wohl der Religion, zu deren Wächter sie bestellt sind, erfordert. Sie können dann zu sich selbst sagen, wie jener ritterliche König: Alles ist verloren, nur die Ehre nicht!" (Schluß folgt.) Worms, 12. Mai (Franks. Journal). Für die Reorganisation der israelitischen Religionsgemeinden des Kreises Worms ist ein bedeutender Schritt geschehen, und zwar in Folge der thatigen Bemühungen des großherzoglichen Kreisrathes Herrn Stadel, welcher auf seinen höchsten Ortes erstatteten Vortrag zum fernem Handeln in dieser Sache ermächtigt wurde. Aus seinem deßfallsigen unterm 1. Mai erlassenen Ausschreiben ersieht man zur Genüge, daß die große Mehrzahl der israelitischen Religionsgemeinden als solche sich in einem wenig erfreulichen Zustande befanden. Die Zahl dieser Gemeinden war, im Verhältniß zu der Menge ihrer Mitglieder und der Größe ihrer Mittel, viel zu groß, als daß die meisten unter ihnen eine dm Bedürfnissen des religiösen Cultus entsprechende Einrichtung hatten erhalten können. Es fehlte daher meist an Synagogen, hinreichend dotirten Religionslehrerstellen und andern unentbehrlichen Hilfsmitteln. Nur durch die Vergrößerung der Gemeinden und die Concentrirung ihrer finanziellen Mittel könnte diesem immer fühlbarer werdenden Uebelstande abgeholfen werden. Hiernach find nun sammtliche israelitische Bewohner des Kreises Worms zu den fünf Hauptgemeinden Worms, Monsheim, Westhofen, Mettenheim und Osthofen vereinigt werden. Der in Worms angestellte Rabbiner wird zur Halste von der dasigen Gemeinde, zur andern Halste aber von den vier Landgemeinden besoldet. Eine jede der fünf Gemeinden hat aus ihren Mitteln einen tüchtigen Religionslehrer zu besolden. Auch soll an jedem Hauptorte eine geräumige Synagoge erbaut werden. Die äußern Einrichtungen. sind alle sehr gut, und es scheint künftig nur auf die Wahl t ec Religionslehrer und den Bildungstrieb der Israeliten dieses Kreises anzukommen, in wie fern die wohlthatigen Absichten der großherzogl. Staatsregierung erreicht werden sollen. Berlin, 3. Juni. Die sich in der Gegenwart wiederholende verdammende Anklage des Talmuds stellt die Nothwendigkeit einer deutschen Talmudübersetzung immer mehr heraus; gelehrte, gründlich gelehrte Orientalisten sind in Bezug auf den Talmud seit zwei Jahrhunderten noch nicht vorgerückt, wenn nicht noch um Vieles zurück, wie wir es erst kürzlich mit tiefster Entrüstung an dem gelehrten Orientalisten an der Saale gesehen. Für die Leser des Orients wird daher folgende Mittheilung nicht ohne Interesse sein. Unter mehreren jüdischen Gelehrten hier, die außer ihrer klassischen Schulstudien von frühester Kindheit auch den Talmud studirt haben, hat sich ein Verein gebildet, den babylonischen Talmud in lateinischer Uebersetzung ganz vollständig, von kritischen und historischen Scholien begleitet, herauszugeben, welche Bearbeitung sowohl jüdischen als christlichen Gelehrten eine willkommene Gabe sein soll. So eben erscheint der Traktat Makot von Dr. Hirschfeld bearbeitet. Die Bearbeitung, wie wir hören, soll ganz gründlich und kritisch sein, durch eine gesunde historische und grammatische Exegese, ohne zu viel auf die 'Auslegungen von Raschi und Tosefor Gewicht zu legen, zu einer wissenschaftlichen Benutzung erhoben. Am Ende eines jeden Traktats soll ein Lexidion der schwersten Wörter angehängt werden. Ueber die Nützlichkeit eines solchen Unternehmens wird gewiß Keiner Zweifel hegen, der in der Popularisirung und Verbreitung jüdischer Wissenschaft einen Fortschritt sieht, abgesehen, daß auch in der Stellung der Juden nach Außen eine Lesbarmachung sämmtlicher talmudischer Schriften höchst ersprießlich erscheint. , 2. Juni. Die Vakanz des hiesigen Rabbinats, welche indessen schon ihrem Ende entgegen eilt, hat schon manchen Candidaten in Bewegung gesetzt. Es war voraus zu sehen, daß sich nicht Ros talmudische Obskuranten dazu drängen werden, die jeder Wissenschaft entfremdet sind, sondern daß sich auch akademische Jünger, denen aber das rabbinische Moment abgeht, repräsentiren werden. Allein es ist hier keinem Zweifel unterworfen, daß diese Beiden sich wenig Hoffnung machen können; denn man wünscht allgemein hier einen tüchtigen Talmudisten, bei dessen Entscheidungen auch das zarteste Gewissen Beruhigung findet; dazu sollen auch gründliche klassische Studien und ein fleckenloser Charakter zu unerläßlichen Bedingungen gemacht werden. Wenn nun junge Leute dessen ungeachtet es sich beikommen lassen, als Bewerber um diese Stelle aufzutreten, die weder auf der einen, noch auf der andern Seite etwas zu leisten im Stande sind, die weder den Grad eines Rabbinen erlangt, noch auch klassische Studien gemacht, und noch dazu das hier zu Lande gesetzmäßige Atter von dreißig Jahren nicht erreicht haben, so muß dies bei den redlich Gesinnten Indignation erregen. Kommt nun noch hinzu, daß dieselben wirklich austreten und des Spruches (Prv. 17, 28.) so ganz uneingedenk ihre gänzliche Unwissenheit zur Schau tragen, so daß auch der, welcher vorher noch einen Zweifel darüber hegte, sich jetzt überzeugen konnte, daß selbst die ersten Elemente in jeder Beziehung noch vermißt werden; so muß man solche Unerfahrenheit bedauern.— Freilich waren gleich nach dem Tode des Rabbinen hier die Augen der Meisten

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