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Der Orient · 1840-06-13 · Heft 24 (13.6.1840) · p. 183

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 24 (13.6.1840)
Article
Oberfranken: über die gesunkenen Rabbinatszustände in Baiern
Date
1840-06-13
Page
183 (sequence 1)
Language
German
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183 mentar zu Megillat Ester; c) Vorträge zum Purimfeste (Deraschot); cl) ein Machasor mit vielen erläuternden Randglossen; e) ein Hagada-Eommentar unter dem Titel Amar Rabbi Elasar; f) cnDPlön ^3/ eine, Aufzählung derjenigen Schrifsteller, die bei den verkommen, mit einem Nachweis, wo sie Vorkommen.— Von Jisrolka, dem Haupte der Ehasi'dim, hieß es einmal im Orient, daß er nach Cherson verschickt worden wäre, dieses war unwahr; er war nur in Kiew in Gewahrsam, und ist bereits seit 5 Monaten frei, mir der einzigen Beschränkung, keine chasi'daische Zusammenkünfte ferner halten zu dürfen. — Im Orient (S. 18) heißt' es, daß die Israeliten in Jerusalem Freitags das Mincha-Gebet an der Westmauec (Kotel Maarabi) verrichten, ohne daß der Correspondent den Grund weiß. Dieser Brauch ist ader nach dem Talmud (Sabbat 119) entstanden, wo es heißt: „Rabbi Chanina hüllte sich in Sabbatkleidern zu Vesper des Sabbatrüsttags und sprach: Wir wollen der Sabbatfeier, der Königin entgegen gehen"; dasselbe that Rabbi Janai (das.). In den Schriften wird erzählt, daß dieser Kabbalist mit seinen Jüngern das Mincha-Gebet auf freiem Felde zu verrichten pflegte an Freitag, da es aber im Talmud heißt '»inyB rin $b n:o^, so stellte sich bei den dortigen Israeliten dieser Gebrauch allmalig ein. Dieses Hingehen ins Freie oder nach der Westmauer liegt dem Sabbat-Liede Lecha Dodi, welches Salomon Alkabez versaßt, zum Grunde, und zum Andenken an die Westmauer entstand in den Synagogen Europa's die Sitte, bei der letzten Strophe W3 sich nach Westen zu wenden. — In dem L. d. O. (S. 153) erklärt Hr. Rapaport in seinem Sendschreiben an Slonimski die Kürzung des Namens Ptolemaus in Talmai im Talmud zwar sinnig, aber unrichtig. Seine Erklärung wäre sehr richtig, wenn dieser Name ursprünglich egyptisch wäre, allein der erste Ptol. war ein Grieche und keineswegs aus Egypten. Er war nach Justin 13, 4 ein gemeiner Krieger, der seiner Tapferkeit wegen von Alexander zum Satrapen von Egypten erhoben wurde, und nach Curtius 9, 8. Pausanias Att. 6. u. Plutarch. erzeugte den ersten Ptol., den sogenannten Lagi, Philipp mit Arsina. Jedenfalls ist Pt. nur ein griechischer und kein egyptischer Name, da er schon bei Homer (Jl. 4, 228) vorkommt, und dessen Etymologie in dem epischen nzoXspog für TtoXspog deutlich genug ist. Ich glaube auch diesen Namen in der in Mischna (Erubin 3, 4) und Talmud vorkommt, zu finden, den ich aber in Zunz's N.d. I. nicht finde. Ihrer Bemerkung über das biblische habe ich nichts entgegenzusetzen, da die Begründung der Verbalwurzel durch das Aramäische und Arabische mir einleuchtend ist, nur wo Sie es auf Erklärung des Prol. anwenden, muß ich Ihnen auch widersprechen. Wahr» scheinlich hat sich der Talmud diesen Namen nach seiner gewöhnlichen Weise mundgerecht gemacht, was hier um so leichter war, als hier das biblische Talmai anklang. —Nun noch eine literarische Seltenheit. In London ist eine große und ausführliche englische Grammatik in neuhebräischer Sprache erschienen, aber ganz ausgezeichnet stylisirt und ausgestattet. Der Verfasser ist ein Convertit, aber ein guter Stylist, was sonst sehr selten ist. Die Bibelgesellschaft weiß also auch zu ihrem Zwecke gute Talente zu benutzen. Der Verfasser war früher Censoc der hebräischen Literatur in Warschau, und schon früher gab er eine hebräische Uebersetzung von Pope's Messias heraus. Oberfranken, 17> Mai. Uebet den Verfall des Rabbinenwesens in unserem Vaterlande ist schon fast in allen Blättern des Judenthums Klage geführt worden, und auch der „Orient" hat in einer Correspondenz aus München schon diesen Verfall aufgedeckt und auch die Motive, welche einen solchen Verfall herbeigeführt, wurden dort mit lebhaften Farben geschildert. In der gegenwärtigen Mittheilung will ich meine Betrachtungen an betreffende Vorfälle knüpfen, wie sie in der 8. Nummer d.J.d.n.J. mit großer Freimütigkeit mitgetheilt werden, woran sich dann einige Worte über die jüdischen Gelehrten in Baiern, namentlich über den Oberrabbinen Dr. Aub in München anknüpfen mögen. „Die Rabbinatswahlen im Kreise Unterfranken und Aschaffenburg sind nunmehr beendigt, und wir beeilen uns um so mehr, Ihnen Bericht darüber zu erstatten, als wir uns gedrungen fühlen, mit diesem Berichte zugleich eine drindende Aufforderung an die Rabbinen in Baiern zu verbinden, daß sie vereint Schritte thun mögen, um das Unheil und die Schmach, die aus einer jener Wahlen hervorzugehm drohen, wo möglich abzuwenden. — Nach einem Ausschreiben der königlichen Regierung zu Würzburg vom letzten Tage des Monats Januar sollten im ganzen Kreise, der in 3294 israelitischen Familien 14936 Seelen enthält, 6 Distriktsrabbinate gebildet werden, wovon aber zwei, nämlich Aschaffenburg und Burgpreppach, bereits besetzt waren. Nur im Vorbeigehen soll die Bemerkung gemacht werden, daß die Rabbinatsdistrikte viel zu groß gemacht worden sind, indem einige davon 6 Landgerichte und noch dazu einige Herrschaftsgerichtsbezirke umfassen, und Gemeinden dazu gehören, die 10 Stunden und noch weiter vom Rabbinatssitze entfernt sind. Wären einem Rabbiner ungefähr 300 Familien zugetheilt worden, so wäre dies gewiß ein hinlänglich großer Wirkungskreis gewesen, und die Aufbringung der Besoldung wäre den Gemeinden auch nicht zu schwer gefallen. Unter den Rabbinaten des benachbarten Kreises Oberfranken ist nicht eines, welches 300 Familien zahlt; dasselbe Verhältniß, wie in Oberfranken, findet auch im Kreise Schwaben und Neuburg statt. Doch ist dieses nunmehr nicht zu andern; zu bedauern sind nur die armen Candidaten, welche so viele Jahre schon ihre letzte Hoffnung auf die Besetzung der Rabbinate 24*

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