Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1840)
- Article
- Damaskus: Europäisierung der jüdischen Blutfrage ...
- Date
- 1840-06-06
- Page
- 177 (sequence 5)
- Language
- German
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177 sondern auch der Goj". Daselbst: „Es heißt in der Schrift: Dieses ist die Pforte des Herrn, die Frommen werden da einziehen (Ps. 118, 20), auch der Goj wird in diese Pforte einziehen". Daselbst: die Schrift sagt: Erweise Wohlthaten den Guten (Ps. 125, 4), nicht den Priestern blos und den Juden, sondern den Gojim eben-- falls erweiset Gott Wohlthaten." So heißt es in der Mischna (Abot 3, 14): „Jeder Mensch ist wert!) und theuer, denn er ist im Bilde Gottes geschaffen"; denn Israel allein kann unter dem Worte „Mensch" dort nicht verstanden werden, wie der nachfolgende Satz lehrt. Ein Rabbi Abuhu stellt den Satz im Talmud auf (Aboda Sora 26): „Ein Götzendiener, der die Sterne anbetet und ein sittliches Leben fuhrt, ist dem unsittlichen Juden in jedem Falle vorzuziehen". In einem Midrasch (Tanchuma, Ekeb) heißt es: „Israel ist andern Völkern gleich; Israel beobachtet die Gebote Gottes, die Heiden beobachten ebenfalls ihre Gebote, Israel preiset Gott, die Heiden ebenfalls, daher sagt auch der Prophet Malachi (1, 11): Von Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang ist mein Ruf groß unter den Gojim". „Die frommen Heiden werden stetig wie die Juden, sagen die Talmudisten (Jalkut c. 256), denn auch fromme Heiden sind Priester, von denen der Psalmist sagt: deine Priester kleiden sich in Gerechtigkeit". — „Wer eine Wahrheit auch aussprechen mag, das ist gleich, wir sollen sie annehmen, mag sie ein Prophet Gottes oder ein Götzendiener sagen (Siehe Maimonides in Kidusch ha-Chodestch 17, 25)". Das Recht des Staates ist ein gültiges Recht, denn es heißt in der Schrift (Prediger 8, 2): Bewahre den Befehl des Königs". — Es ist streng verboten, sich dem Zoll oder der Abgabe zu entziehen (Baba-Kama 113)". — „Wer dem Befehle des Königs widerspricht, den belastet dieselbe Sünde, als hatte er sich gegen den Befehl Gottes aufgelehnt; die Frechheit gegen einen König ist eine Frechheit gegen Gott (Kohelet Rabba 109)". — „Wer bei dem Namen eines Königs schwöret, der darf nimmer seinen Eid als ungültig ansehen (Nedarim 65)". — Wenn einer dem Gesetze des Staates zuwider handelt, so ist es Pflicht eines jeden Juden den Verbrecher dem Staate auszuliefern; ebenso wenn einer sich des Betrugs oder der Fälschung sich erlaubt, der muß angegeben werden." — „Bete für das Wohl des Königs und des Reichs, da wo du wohnst" heißt es in der Mischna Abot (3,2). „Dieses christliche Volk, heißt es in dem rabbinifchen Werke Mezar ef, ist ein weises, einsichtiges und großes Volk, das Gott auserwahlt, uns unter dasselbe zu verpflanzen. Es ist gesegneter, als alle Volker des Alterthums, denn es glaubt an den Gott des Himmels und als solches darf es sogar I ehudi wie wir genannt werden, wie schon Ra sch i (zu Sanhedrin 19) behauptet. Es ist auch erwiesen aus dem schriftlichen und mündlichen Gesetz, daß die jetzigen Völker nicht Abtrünnige und Ungläubige genannt werden können, da sie den Schöpfer des Himmels und der Erde anbeten; sie haben selbst so viele Gebote Got- . tes willig übernommen, sie halten selbst unser geschriebenes Gesetz für heilig und ehren unsere Traditionen. Die jetzigen Völker ehren und achten ein allgemein menschliches Moralgesetz, sie streben nach dem Heile der Menschheit und spenden ihren Segen gern auch an Israel, und es laßt sich wohl von ihnen sagen: Ein Gott hat uns alle geschaffen und wir sind alle Söhne des Höchsten. Gott segnet auch den Goj, wie es im jerusalemischen Talmud (Berachot c. 8) heißt: Ein Goj begegnete dem Rabbi Jsmael und er gab ihm einen Segen, da antwortete der Rabbi: Ich brauche dir nicht erst zu danken, Gott wird dich dafür segnen, da es in der Schrift heißt: die dich segnen sind gesegnet (S. Tostfot zu Chnlin 49 n). Die jetzigen Völker glauben an Belohnung des Frommen und Bestrafung des Sünders, sie glauben an Unsterblichkeit der Seele, die ein Theil Gottes ist, und nie gab es im Alterthum ein größeres Volk, das die Nahe Gottes suchte. Alle Völker der Vorzeit waren Götzendiener, aber die jetzigen sind in der That fromme, gläubige Völker; sie sind nahe dem Gotte der Höhe und seinem Gesetze, sie lieben die Wahrheit und rühmen sie laut im Rache; sie verfassen Werke der Morallehre, die als Richtschnur dienen, sie ersteigen die höchsten Stufen der Bildung und der Cultur, von denen die alten Völker keine Ahnung hatten (Sabbat 75 a). Die Wissenschaft, die den götzendienerischen alten Völkern ein unbekanntes Gebiet (Tos. Ketubot 111a), dem Juden aber ein göttliches Gebot war (Semag 47), haben die jetzigen Völker erobert und lehren sie auf Schulen und Universitäten, die für jeden kundigen Schüler geöffnet sind; die jetzigen Völker haben das Verstandniß der Natur aufgedeckt und die Verehrung Gottes verbreitet. Viele christliche Gelehrte haben unser Gesetz commentirt und fast jeden Buchstaben gezahlt, viele haben treffliche Abhandlungen darüber geschrieben, einen Thurm darinnen gebauet und einen Kelter darinnen gegraben. Sehr viele christliche Gelehrte haben auch das mündliche Gesetz übertragen, ohne Feindschaft und ohne Animosität. Es ist uns eine heilige Pflicht, gegen die Christen ebenfalls das nicht zu thun, was wir gegen Juden nicht thun dürfen, die Gebote Gottes sind allgemein, Gebote gegen unsere Nächsten unterscheiden nicht den Glauben. Die Verletzung eines göttlichen Gebotes gegen einen Christen wird der Allheitige und Allgerechte zehnfach ahnden und züchtigen, denn der hat den Namen Gottes entweihet; die Völker werden dann sagenIsrael ist ein entartetes Volk, Israel hat gar kein Gesetz". So denken und sprechen die Talmudisten und die Rabbinen von dem Christen, so denken sie von den Heiden; ich habe die wörtliche Uebersetzung nackt und ohne Betrachtung hingesetzt, und wollte ich alle Stellen, die darüber handeln Zusammentragen, so müßte