Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1840-06-06 · Heft 23 (6.6.1840) · p. 178

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 23 (6.6.1840)
Article
Damaskus: Europäisierung der jüdischen Blutfrage ...
Date
1840-06-06
Page
178 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
77% known words query
IRI
…/2360092-2360093-2360117-2362689--0548-2362720
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

178 ich einige Bände aussüllen und werde doch noch nicht fertig werden. — Und neben alle dem könnte jene furchtbare 'Anschuldigung bestehen? Bei alle dem hätten wir ihr nur ein halbgläubiges Achselzucken entgegeuzustellen? Dies wäre des christlichen Grundsatzes unwürdig. Eins wäre noch übrig; wohl, könnte der Inquisitor sagen, es ist nichts von jener Blutfrage im Gesetze, das Gesetz spricht sogar dem Worte und Geiste nach dagegen, ist es vielleicht dennoch eine Sitte, ist es ein Brauch? Davon weiß kein Jude; die Edelsten des Volks schworen, daß nicht ein Atom davon in ihren Sitten und Gebrauchen sei. Ein barbarischer Aberglaube des Mittelalters also ist es und bleibt es. Vor einigen Tagen hat der Hofprediger Veit zu Wien, ein zum eifrigen Katholiken getaufter Jude, auf der Kanzel das Crucisix erhoben und Angesichts dieses geheiligten Zeichens, Angesichts der knieenden, zu Tausenden versammelten Gemeinde jenen Schwur Manafse's und Mendelssehn's in unserer Form wiederholt, daß jene Anklage eine freche Lüge gegen das Judenthum sei. Heischt man unter Menschen noch stärkere Beweise? —Und so möge sich denn dieses blutige Drama schließen; es war ein kurzer Kampf Ahrimans mir Ormuzd, aber der Lichtgeist wird siegen, da er der Weltgeist ist. Die Nachwelt wird den Blutzeugen in Damaskus eine Thrane weihen, und selbst gegen die Abgesallenen keine Verwünschung ausstoßen, denn diese sind doppelt unglücklich. Die jüdische Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts wird mit Schauder diese Episode des Mittelalters eingraben, und der Namen der Geopferten mit Wehmuth gedenken. Mögen sammtliche Synagogen des Morgen- und Abendlandes am Gedachrnißtag der Seelen auch diesen Märtyrern ein El Male Rachemim beten lasten, wie es unsere Vorfahren immer mit den Blutzeugen der Synagoge gethan! Ungarn. ZWr err, 15. Mai. Aus Presburg ist vor einigen Tagen die Nachricht eingerroffen, daß der Gefttzvorschlag in Betreff der Emancipation der Juden unter einigen Modificationen von Seiten des Königs sanctionirt worden sei. Die Regierung, die stets ein retardirendes, conservatives Verfahren beobachtet, hätte vielleicht die von der ungarischen Nation beabsichtigte vollkommene Emancipation sanctionirt, wenn die beschränkten Rechte der Juden der übrigen Monarchie mit ihr nicht zu sehr in Widerspruch gerathen waren. — Preßburg, 13. Mai. Bereits in der Landtagssitzung vom 10. Mai war eine königl. Resolution verlesen worden des wesentlichen Inhalts: „Daß es den Juden erlaubt sein solle, auch in Len königl. Freistädten, sowie an andern Orten im Königreiche zu domiciliren; nur die königl. Bergstadte bleiben ausgenommen; daß ferner die Israeliten in Ungarn in die Gewerbsinnungen ausgenommen werden und diese. Gewerbe gesetzlich ausüben dürfen, wobei sie sich aber über die Erlernung sowohl, als über Moralität und entsprechendes Vermögen auszuweisen haben; Grundbesitz in Pacht zu nehmen soll ihnen aller Orts in Ungarn unverwehrt bleiben; was jedoch den Ankauf von Häusern und Gütern betrifft, so behalt die Negierung einer spatern Resolution die diessällige Entscheidung vor, indem sie die betreffenden ungarischen Landesstellen vorerst darüber einzuvernehmen und deren Gutachten einzuholen erachtet." — Jndeß hat die Regierung hier gegen die Juden-ihre gewohnte Humanität bewährt, und es ist die allgemeine Stimmung unter den Juden, daß eine graduelle Emancipation der Israeliten viel vortheilhafter sei, theils um den schlummernden Dämon des Neides nicht zu wecken, theils um einen Gleichklang in den jüdischen Verhältnissen des Kaiserstaats zu bewirken. Ich theile hier wörtlich die kaiserliche Resolution an die Stände in Original und Uebersetzung mit. ISrro. 140. Ad Z s i rl 6 k i v u nt k ö 11 K e g y e 1 in e s K i i n I y i V a 3 a s z. 6994: 1840. 472 Sacrae Caesareae et Regio - Apostolicae Majestatis, Domini, Domini clementissimi nomine, Serenissimo Archiduci, Revcrendissinus, Rcverendis, Honorabilibus, Spectabilibus ac Magnificis, Magnificis item, Egregiis et Nobilibus, nec non Prüdentibus ac Circumspectis inciyti Rcgni Hungariae, et Partium eitlem adnexarmn Dominis Statibus ct Onlinibus, qm yel in persona, vcl ctiam ablegationis mun'erc fungentes, nomine Principalium suorum pro praesenüi, generali Diaeta Regni, per Altefatam Suani Mnjestatein Caesarco- Rcgiani elemcntissime indicta, congregati sunt, benigne intimnndum: Ad demissam Dominorum Statuuin et Ordinum sub do. 24-ae Aprilis anni currentis de israelitis exbibitam Repracsentationcm, Altefatam Suum Majestateni Sacratissimani ILsdcm Dominis Statibus ct Ordinibus signibcari jussisse: E an dem illam DD. SS. et 00. propositionem, ut Israclitae in respcctu taxato tolerantialis ab oncrc actualis sui., juxta dispositionem Articuli 38 1790—1 Status releventnr, auditis praevie concernentibus Dicasteriis benigne expensuram, ac sub in desuper Resolutionen! Suani edituram, §-phum proindc projcctati Articuli 1-um exmittendum esse; intuitu reliquorum vero benigne annuere, ut israelitis Intra ambitum Regni Hungariae, Partiumque adricxarum degentibus, qui nempe isthic nati, aut indultum sigendi Ist bi e domicilii legitimo modo adepti, beneque morati sunt, quos tarnen onmes certo stabilique dehinc nomine et cognomine uti, nascituros vero ducendo per Administros Religionis matriculari Libro inferri oportet, pro praesenti eorum culturae gratlu „ quoad modos etiam per ngricuRuram, artiumque mecliamcarum exercitium, — juribus et praerogativis, quae ex praevigente clispositione Legum aut Privilegiis Jiabentur, acquirimturque, horsum non inteliectis — sequentia jam

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.