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Der Orient · 1840-05-30 · Heft 22 (30.5.1840) · p. 168

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 22 (30.5.1840)
Article
Damaskus: Talmudübersetzung in Syrien unter Qualen ...
Date
1840-05-30
Page
168 (sequence 4)
Language
German
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168 weiter kein Schritt geschehen, der nähere Aufklärungen über jene dunkle und furchtbare Angelegenheit gegeben hätte. — "Auch in dieser Correspondenz ist also der Talmud verflochten; der Talmud soll blutdürstige Thaten lehren und die boshaftesten Grundsätze. Gegen eine solche Anklage hätten wir uns aber auch für Europa zu vertheidigen, auch ohne Beziehung auf die Blutgeschichte > es ist daher rathsam, es bis zuletzt zu taffen, zumal dieses einen großem Aufwand von Beweisen verlangt. Wir theilen hier zuerst die Schritte mit, die in Beziehung auf diese Angelegenheit gethan wurden, bevor wir zu der gelehrten Discusston kommen. Am 21. April fand eine Versammlung der angesehensten Juden in London statt, worin beschlossen wurde, die Regierungen von England/ Frankreich und Oesterreich anzugehen, sie möchten Alles anwenden, um den schrecklichen Verfolgungen Einhalt zu thun, denen sich die Juden zu Damaskus ausgesetzt sehen. Cremieux wohnte der Versammlung bei. Eine Deputation, aus dem Baron v. Rothschild, Sir M. Montefiore und einigen andern bestehend, wurde ernannt, um mündlich mit dem Minister des Auswärtigen sich in Vernehmen zu setzen. Was der österreichische Generat-Consul in Alexandrien, Herr v. Laurin, und der österreichische bonsul Herr Merlato in Damaskus zur Minderung der blutigen Verfolgung gethan, ist bekannt. In einem Berichte vom 31. März aus Alexandrien schreibt unter anderem Herr von Laurin: „Indem ich hier selbst bei dem Pascha das Nöthige eingeleitet habe, um dem brutalen Prozesse eine menschlichere Form zu verschaffen (Mehemed Ali sagte mir gestern, daß 2 der Jnquisi'ten unter den Schmerzen der Tortur bereits gestorben waren), ersuche ich Hochdieselben dienstfreundlich, einen kräftigen Befehl bei dem französischen Ministerium zu erwirken, womit der französische Consul in. Damaskus, Comte de Rattimenton, der durch sein wenig gemessenes Benehmen die türkischen Behörden zu Gewaltmitteln vermochte, und die christliche Bevölkerung gegen die Jnquistten ausgereizt, auch so viele ordnungswidrige Handlungen gegen das Kaiserl. Eonsulat in Damaskus sich erlaubt haben soll, und worüber in dem eben erwähnten Berichte mit vollem Rechte unser Consul sich beklagt, ernstlich zu Recht gewiesen zu werden. —- Dieses ist um so dringender, als zu besorgen steht, daß die bisher erzeugte Mißstimmung der nicht-jüdischen Bevölkerung in eine förmliche Judenverfolgung, die sich leicht über die heiligen Orte in Palästina ausdehnen könnte, ausarte." In einem andern vom 4. April: „Mehrere im Prozesse angeführte Umstände bestärken mich mehr und mehr in der bereits ausgesprochenen Meinung, daß die Anschuldigung keinen legalen Grund hat, daß die Geständnisse durch den Schmerz der Folter, der Einschüchterung und durch List erzielt worden sind. Im Interesse der Humanität, als insbesondere in dem unserer dortigen Untetthamn, welche die Gefahr laufen, unschuldiger Weise den Tod zu erleiden, unterlege ich Ew. Woblgeb. eine Abschrift davon, mit dem Beisatze, daß ich meinerseits hier alles aufbiete, um von Mehemed Ali eine Ordre des Inhalts zu erwirken, daß menschlichere Formen bei der Untersuchung angewandt und das Urtheil von vorurtheilfreien, selbstständigen und erleuchteten Richtern gesprochen werde. Ich bin überzeugt, daß die Presse einen Schrei des Entsetzens über die namenlosen Grausamkeiten erheben wird, welche angewendet wurden, um grundlose Geständnisse von den unglücklichen Opfern zu erpressen, in einem Lande, wo Mehemed Ali Civilisation verbreitet und der Hattischerif von Gulhane publicirt worden ist." In seinem andern Berichte vom 6. April aus Alexandrien heißt es: Ich habe mit dem Pascha gesprochen, es wird mit dem Benehmen eingehalten werden» Es ist damit viel gewonnen." Diese Einschreitung von Seiten Europas haben die tiefgebeugten Brüder im Orient ermuntert, einen Schritt bei ihrer Regierung zu thun. Die Unterthanen des Vicekönigs von Egypten haben folgende Petition zu Gunsten der verfolgten Glaubensbrüder in Damaskus an Mehemed Ali gerichtet. „Die israelitische Nation hat keinen Fürsten, hat keinen Staat; ihr Ruhm ist vom Alterthume begraben, ihre Nationalität ist erloschen. Religion, Ew. Hoheit, beherrscht das Gewissen, aber sie trennt Nationen nicht. Die Israeliten von Damaskus sind Ihre Kinder, denn Gott hat sie Ihrer Negierung anvertraut. Sie werden von Bosheit verleumdet und von Grausamkeit unterdrückt, und an wen sollten sie sich um Gerechtigkeit wenden, wenn nicht an ihren gesetzmäßigen Herrn? Der Name Mohammed Ali's tönt laut durch das Weltall, denn in der einen Hand hält er den Ruhm, in der andern die Gerechtigkeit. Die Hebräer von Damaskus werdeneines schrecklichen Verbrechens angeklagt, eines Verbrechens, welches der Vernunft, ihren religiösen Grundsätzen, der Wahrheit und noch mehr der Geschichte widerspricht. Die Hebräer waren die Ersten, denen von Gort befohlen wurde, sich des Blutes zu enthalten; die Ersten, welche Menschenblut von den Altären Gottes verbannten. Das Volk Israels ist zwar unglücklich, aber ihr Charakter in der Trübsal staunenswerth gewesen, und Männer wie Ew. Hoheit, die Gott mit Genie begabt, bemitleiden sie, aber verachten sie nicht. Wessen klagt man sie an? Einen Mann getödtet und sein Blut zu dem ungesäuerten Brode genommen zu haben. Die letztere Einrichtung hat 4006 Jahre und länger bestanden. Viertausend Jahre lang haben die religiösen Institutionen der Juden , ein Feld der Untersuchung den Gelehrten der ganzen Welt dacgeboten, und konnte ein solcher Frevel unentdeckt bleiben? Schmach Dem, der dies dmken könnte! Die Hebräer, Ew. Hoheit, halten sich fern von Blut und treiben dieses Gebot ihrer Religion selbst bis zum Vorurtheile. Sie gießen das von Thieren hinweg und thun Alles was sie können, diese Flüssigbeit vom Fleische zu

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