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Der Orient · 1840-05-30 · Heft 22 (30.5.1840) · p. 167

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 22 (30.5.1840)
Article
Damaskus: Talmudübersetzung in Syrien unter Qualen ...
Date
1840-05-30
Page
167 (sequence 3)
Language
German
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167 Mitteln jenes Individuum zu Aussagen zu bringen suchte, was auch insoweit gelang, daß Aslan Farrhi erklärte, wenn man ihm das Leben verbürge, wolle er die Wahrheit gestehen. Da der Pascha in diese Bedingung willigte, gab Farrhi folgende schriftliche Erklärung: „An unferm zweiten Anschlag auf das Leben des Dieners des Paters Thomas nahmen folgende Personen Theil: Harun Stamboli, Murad Farrhi, Jusef Farrhi, Jakob Abulaft'a, Isaak Piccioto, Aslan und Teleya Meic Farrhi. Der Letztere ist -der Besitzer des Hauses, worin die Ermordung stattgefunden/' Als man diese Männer verhörte, sagte Aslan zuerst, ohne daß eine 'Anfrage an ihn gerichtet wurde: „Wir sind Alle des Mordes des Dieners schuldig; wir haben ihm die Hände und Füße gebunden; man gab ihm Faust- und Stockschlage, verwundete ihn, und als er vergebens um Gnade gebeten, schnitt man ihm den Kopf ab." Diese Erklärung stimmte mit der des Dieners von David Harari überein. Alle sieben Personen wurden nach dem Verhör ins Gesangniß geführt, und dort suchte man durch die im Oriente beliebten Mittel weitere Geständnisse von ihnen zu erpressen. Drei Tage darauf erklärte Haham Musa Abulasia, welcher wahrend dieser Zeit zum Islam übergetreten war und den Namen Mohammed-el-Mehtadi, d. h. Aufgeklärter, angenommen hatte, vor Haham Jakob Tabili, daß der Talmud ihnen erlaube, Menschenblut zu vergießen, und daß dies Gott wohlgefällig fei. Als hierauf der Talmud herbeigebracht wurde, zeigte der jüdische Renegat in Gegenwart des Pascha die Seite und den Paragraphen, wo geschrieben stehen soll, daß Gott drei Arten Blut liebe, das Opferblut, das Blut der Beschneidung und das Blut der Gojim, was das Blut aller Derer bedeutet, die keine Juden sind. Ein anderer Paragraph des Talmud, den der abtrünnige Jude dem Pascha übersetzte, soll besagen, daß die Juden alle andern Nationen als wilde Thiere betrachten müssen; die Gründe dafür sollen aus dem Gesetz hecgenommen sein. Ein anderer Paragraph, den Mohammed angeführt, habe am Schluß eine ausgelassene Stelle gezeigt und die Worte, welche die Juden dort lesen, erklärten, Chcistenmord gelte ihnen als Verdienst vor Gott. Da der Talmud großentheils in Europa gedruckt werde, so fürchte man, das Geheimniß zu entdecken, und lasse daher in dem erwähnten Paragraphen diese Stelle weg; aber unter den Rabbinern sei der Sinn allgemein bekannt. Als Mohammed diese Aussage zu Ende gebracht, äußerte Jakob Tabili, daß im Wesentlichen dies der Inhalt der Paragraphen sei, aber alle diese Bestimmungen, welche gestatten, Blut zu vergießen, bezogen sich blos . auf das Derjenigen, welche das Judenthum abschwören, worauf der Pascha erwiederte: „Dies ist völlig hinlänglich, um meinen Glauben zu befestigen, daß euch die Pflicht obliegt, daß Blut des ganzen menschlichen Geschlechts zu vergießen, da ihr'behauptet, alles Volk sei anfangs israelitisch gewesen, und daß.nach seinem Abfalle vom Judenthum es verdiene, hingefchlachtet zu werden." Obwohl nun einige Aerzte aussagten, die aufgesundenen Knochen, welche die Ueberreste des ermordeten Dieners sein sollten, waren Thierknochen, so nahm der Pascha auf diese Aussage keine Rücksicht. Auf seinen Befehl ließ man den Raphael Seiohade Farrhi, den Vater Aslan's holen, damit er vernehme, was dieser irr Gegenwart des Pascha gesagt und eingestanden; auch blieb der Sohn dem Vater gegenüber bei seiner schriftlichen Aussage: Der Vater antwortete darauf: „Alles, was du gesagt hast, mein Sohn, ist eine erpreßte Aussage, die du mehr aus Furcht vor fernern Qualen, als daß du an ihre Wahrheit glaubst, von dir gegeben hast; denn Alles ist von Grund aus falsch." Da der Sohn auf seiner Aussage bestand, so prügelte man den Vater auf das grausamste und führte ihn dann ins Gefängnis. Salomon, der Sohn Meic Felix Farchi's, hatte sich mehre Tage, lang im Haus einer Frau verborgen und suchte endlich in Weiberkleidern zu entfliehen; kaum aber hatte er das Judenviertel zur Hälfte durcheilt, als er von der türkischen Wachtschar, die beständig dort aufgestellt ist , angehalten und vor den Pascha geführt wurde, der nach mehren Fragen den Aufenthalt seines Vaters von ihm zu wissen verlangte. Auf die Antwort, daß er nicht darum wisse, versetzte man ihm so lange Stockschlage, bis er rief, man möge seine Mutter kommen lassen, die wisse, wo sein Vater sich aushalte. Als man seinem Verlangen nachgekommen und an sie die gleiche Frage gerichtet, entgegnete sie gleichfalls, daß ihr nichts von dem Aufenthaltsort ihres Mannes bekannt sei, worauf der Pascha befahl, in dem Prügeln ihres Sohnes fortzufahren. Die Mutter, welcher das Schmerzensgeschrei des Sohnes zu Herzen drang, versprach, wenn man mit der Tortur einhalte und ihn in Freiheit setze, den Zufluchtsort ihres Mannes zu zeigen. Als der Pascha in ihre Bitte gewilligt, führte sie die ihr mitgegebenen Sbirren iw das Haus des Rabbiners Jakob Tabili, wo sich ihr^Mann verborgen hatte. Der dort ergriffene Meir wurde vor den Pascha geschleppt, der ihn fragte, wohin man den-Leichnam des Dieners geworfen, den man in seinem Haufe getödtet. Der Beschuldigte antwortete, er wisse von allem dem, was man wegen des Mordes gegen ihn vorbringe, ganz und gar nichts, und selbst als man ihn auf das grausamste prügelte, um sein Geständniß zu erlangen, fuhr er fort, zu behaupten, alle bis jetzt gemachten Aussagen seien nur ein durch Martern ecpreßtes Geständniß. Während dies geschah, erschien, ein Bauer aus der Umgegend von Damaskus, der dm Pascha benachrichtigte, in der Nahe seines Dorfes hielten sich einige Juden verborgen, in Folge dessen der Pascha Leute abschickte, um Jene, habhaft zu werden. Bis jetzt sind die Polizeibeamten nicht zurückgekehrt, und auch 22*

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