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Der Orient · 1840-05-30 · Heft 22 (30.5.1840) · p. 166

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 22 (30.5.1840)
Article
Damaskus: Talmudübersetzung in Syrien unter Qualen ...
Date
1840-05-30
Page
166 (sequence 2)
Language
German
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166 Auftreten des Univers gegen Cremieux, um die Schändlichkeitn des französischen Consuls in Schutz zu nehmen. Wir stehen nicht an, so weit die L. A. Z. es berichtet, hier mitzutheilen, da nun einmal dieses ein allgemeines Interesse m Anspruch nimmt. Der Univers tritt gegen „den jüdischen Admcaten Cremieux" in Paris auf und weist nach, wie unpassend es sei, daß dieser unter dem Vorwände, seine Glaubensgenossen verrheidigen zu wollen, sich Anschuldigungen gegen Andecsglaubende erlaube, als ob diese eines ähnlichen Verbrechens eher fähig waren. Außerdem deutet dieses Blatt an, daß der Bericht des österreichischen Consuls sehr wenig beweise. Daß ein syrischer Arzt die auf der zweiten Stelle gefundenen Knochen für Thiecknochen erkläre, könne den zuerst gefundenen keine Glaubwürdigkeit rauben. Außerdem erscheine die.Angabe des österreichischen Consuls durchaus wie eine gewöhnliche diplomatische Eifersucht, die in der zugestandenen Verbindung mit dem Juden Piccioto, und in dem Verdachte, daß eigennützige Motive vorwalten, den der Consul ja selbst andeute, recht wohl Erklärung finden möchte, während er selbst nicht einmal den französischen Consul oder die Landesbehörden habgieriger Beweggründe zu bezüchtigen wage, wie dies freilich von den Juden in Europa bereits geschehen. — Auch wird jetzt das Schreiben des Paters Franciseus von Sardinien vollständig mitgetheilt, aus dem allerdings chervorgeht, daß die angeblichen Thierknochen erst gesunden wurden, als man die Knochen des Paters Thomas schon emgesargt hatte, und daß diese nicht allein noch am Schädel zusammenhmgen, sondern auch auf Verlangen des französischen Consuls durch die Aerzte Mafsori, Larosso und Rinaldi, und auf Veranlassung von Scherif-Pascha durch sechs türkische Aerzte anerkannt wurden. Außerdem fand man an derselben Stelle noch altere Gerippe, die, wie man glaubt, von ähnlichen Mordthaten aus srühern Jahren herrühren.— Endlich theilt dieses Blatt einen Auszug aus der eigenhändig niedergeschriebenen Erklärung des Rabbiners Mussa Abulafia mit, der, um sein Leben zu retten, den Turban nahm. „Ungefähr vierzehn Tage vor dem Vorfälle, heißt es darin, kam der Oberrabbiner Jakob d'Antab zu mir und sagte, er habe sich mit David Harari besprochen, um Blut zu bekommen, und ich solle ihm dies bringen. Als ich am 10. des jüdischen Monats Adar, anderthalb Stunden vor Sonnenuntergang, mich in die Synagoge begeben wollte, traf ich David Harari, der mich in seine Wohnung mitnahm. Als ich hineinkam, fand ich in einem meublirten Zimmer mehre Juden versammelt und den Pater Thomas geknebelt mitten unter ihnen. Zwischen Sonnenuntergang und Uhr der Nacht gingen wir in ein nicht-mmblirtes Zimmer, und David sing an, den Priester zu schlachten. Aron und Isaak Harari gaben ihm den Rest, das Blut wurde in einem Kübel aufgefangen und dann in eine Caraffe gegossen, die man mir gab und die ich dem Obecrabbiner brachte. Als ich von David wegging, war der Leichnam noch ganz. Auf meine Bemerkung, daß dieses Opfer übel gewählt worden, weil das Verschwinden eines Priesters, der so bekannt sei wie Pater Thomas, große Nachforschungen veranlassen würde, erwiderte David mir, daß Niemand etwas erfahren könne, da man seine Kleider verbrennen, den Körper aber in Stücke schneiden und nach und nach in die Abzugsgraben des Viertels werfen werde. Was den Diener des Paters Thomas betrifft, so ist Gott mein Zeuge, daß ich nicht weiß, was aus dem geworden ist." — Nun wollen wir auch berichten, was zur Aufhellung dieses Gegenstandes geschehen ist. Der Moniteur vom 7. Mai bericktet: die Regierung (Frankreich) hat einen Viceeonsul nach Damaskus gesandt, mit dem Aufträge, über den Mord des Pater Thomas und über altes, was auf dieses unglückliche Eceigniß bezüglich ist, Erkundigungen einzuziehen. Eine Privatmittheilung (L. Z.) berichtet: Außer den schon früher nach Constantinopel und Alexandrien in Bezug auf die Judenverfolgung in Damaskus gesendeten Verhaltungsbefehlen ist nun ein eigener französischer Viceconsul für Damaskus ernannt worden, um an Ort und Stelle über die Sache Erkundigungen einzuziehen. Der französische Consul in Damaskus hat sich die größten Mißgriffe und Unbesonnenheiten zu Schulden kommen lassen; ganz anders der österreichische Agent, dem man bisher allein eine unpartheiische Schilderung der Sachlage verdankt. Uebrigens ist die ganze Tagespresse darüber einig, daß die Mächte einschreiten müssen. Die Londoner und Pariser Judenschaft scheut kein Opfer, um ihre respettiven Regierungen dazu zu bewegen. — Gewiß wird Oesterreich diesem Beispiele folgen. Doch wir müssen vorerst noch die Details der Verfolgung, so sehr auch die Feder sich sträuben möge, hier zusammentragen, damit man das blutige Drama endlich überschau. Ein Correspondent aus Damaskus schreibt an die L. A. Z.: Ich (heile Ihnen in Folgendem das Faktische der weitern Untersuchungen in Bezug auf die Ermordung des Dieners des Paters Thomas, so weit dies bekannt geworden, mit, ohne irgend eine Ansicht in dieser Angelegenheit auszusprechen, weil ich es für hinlänglich halte, einstweilen die Thatsachen für sich selbst sprechen zu lassen, bis mehr Licht auf die verworrenen und widersprechenden Angaben fallt , deren sich unglücklicherweise europäische Parteunteressen bemächtigt Haben, die dieselben sich zum größten Nutzen, aber gewiß nicht zu Gunsten der Wahrheit auszubeuten bemüht sind. Der in dieser gräßlichen Angelegenheit vielfach erwähnte Aslan Farrhi, Sohn Raphael's, war sieben Tage lang im französischen Consulatsgebaude eingesperrt, aber man konnte ihn zu keiner Aussage vermögen. Endlich sendete ihn der Consul zum Pascha, der mit gewaltthatigern

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