Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1840)
- Article
- Damaskus: Bericht der katholischen Mission zu Beirut ...
- Date
- 1840-05-23
- Page
- 162 (sequence 6)
- Language
- German
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162 und erklärten Haß gegen die Juden. Auch tauschte er die auf ihn gebauten Hoffnungen nicht, man sah ihn mit vieler Gefälligkeit bei jeder freiwilligen Aussage des Dieners von Harari, des Barbiers und Farchi's. Ohne jetzt von sämmtlichen Juden im Allgemeinen zu sprechen, da mein Consulat nicht beauftragt ist, zu deren Gunsten einzuschreiten oder sie zu entschuldigen, ist es doch meine Pflicht, alle Thatsachen zu bezeichnen, aus denen hervorgeht, 'daß seit dem Anfänge dieser traurigen Untersuchung das größte Uebelwollen gegen den österreichischen Unterthan, Hrn. Piccioto, vorgewaltet hot. (Was der österreichische Consul hierüber sagt, übergeht der Advocat Cremieux, wie er sagt, und fahrt dann fort). Ich als Konsul konnte nicht dulden, daß ein armer Oesterreicher, deffen Ruf als braver Mann und ruhiger Kaufmann bisher unangetastet war, seinen Feinden wie eine Beute überlasten werde. Zwanzig Vertrage zwischen Oesterreich und der Pforte verbieten, daß ein österreichischer Unterthan der Ortsbehörde überliefert werde, um als Raja, auch wegen der schrecklichsten Anklage, die auf dem Haupt eines Menschen lasten kann, vor Gericht zu stehen. Ich glaube daher, daß das Endurtheil Ihrem kaiserlichen Generalconsulat in Aegypten zu übersenden ist, damit diejenigen Maßregeln ergriffen werden, die Sie nöthig glauben, daß nicht blos kein Unterthan unsers Kaiserstaates, sondern auch kein anderer Europäer, wie man es hier will, dem Unglücke dieser infamen juristischen Inquisition verfallen könne. Aus den Acten und der Correspondenz unsers Consulats über diese traurige Angelegenheit werden Sie, hoffe ich, die Vorsicht und die Klugheit meines Benehmens ersehen. Die Gegner könnten sich einer schrecklichen Waffe gegen uns bedienen, des blinden, des unwissenden Fanatismus der Christen in diesem Lande. Weil der östreichische Consul nicht laut in die einfältigen Rathschlage eines Zornes, den man unter der Hand anfachte, einstimmen wollte, erlaubte man sich die beleidigendsten und dicectesten Beschuldigungen gegen mich, und siat uns wahrscheinlich die niedrigsten und verwerflichsten Zwecke schuldgegeben. Deshalb erlaube ich mir, Ew. . Exc. ehrfurchtvoll um ein wirksames Einschreiten zu ersuchen, damit in Zukunft alle die verleumderischen Beschuldigungen ein Ende nehmen und die beleidigten Personen Genugthuung erhalten. Wenn die egyptifche Regierung aufrichtig wünscht, sich über diese seltsamen Vorfälle zu unterrichten, so braucht sie nur sammtliche Angeklagte von hier abholen zu lasten. Möge sie dieselben dann einer neuen, natürlich strengen, jedoch den Gebrauchen civilisirter Völker mehr entsprechenden Untersuchung unterwerfen; sonst wird nach mei-, ner bescheidenen Meinung tiefe Finsterniß die Wahrheit" sowohl den Zeitgenossen als den künftigen Geschlechtern verhüllen." — Aus einem zweiten Berichte desselben Agenten theilt Hr. Cremieux Folgendes mit: „Die Israeliten haben in dieser Stadt Qualen ausgestanden, die nur von diesen Parias der Erde ohne eine furchtbare Reaction zu ertragen sind. Zu jeder Stunde dringt der französische Consul mit den hochfahrendsten Manieren in jedes Haus. Die geachtetsten Namen unter den Juden, ein Vermögen, das aus der reinsten Quelle herrührt, die des Mitleides würdigste Schwache, nichts wird geachtet. Mehre Tage lang waren 63 Kinder im Gefängnisse, Frauen werden vorgefodert und verhört. 2fuf den ersten Verdacht hin ergreifen die empfehlungswürdigsten Juden die Flucht, wenn sie noch nicht verhaftet sind; andere verbergen sich im Innern ihrer Wohnungen vor den Beleidigungen der Christen. In ihrer Aufregung erzählen sich die Christen bei öffentlichen Zusammenkünften die grenzenlosesten Albernheiten von dieser verabscheuten Sekte. Der französische Consul hat dem großen Haufen eine arabische Uebersetzung einiger scheußlicher Grundsätze übergeben, die den Juden zugeschrieben werden, und aus einem lateinischen Buche, „?iompia bihliotheca", genommen sind. Der Eifer unserer christlichen Missionare im heiligen Lande hat dieses Buch herbeigeschafft; ein Exemplar davon ist an Ibrahim- Pascha emgesendet." Aus einem dritten Berichte des Hrn. Merlato hebt der Advocat Cremieux Folgendes hervor: „Ein Regierungsbeamler entdeckte vorgestern das Versteck von Moses Farrhi, Meir's Sohne. Dieser wurde vor den Pascha geführt, man fragte, wo sein Vater sei, und auf die Antwort, daß er es nicht wisse, erhielt er sogleich die Bastonade. Das Kind, von schwacher und hinfälliger Constitution, bat bald, daß man seine Mutter holen lasse; dies geschah. Auch sie entdeckte nichts, als aber der junge Mensch von neuem geschlagen wurde, gestand die unglückliche Mutter aus Verzweiflung das Versteck ihres Mannes. Ich erkläre Ihnen, Hr. Rath, daß es mir unmöglich ist, noch länger den Anblick dieser Scheußlichkeiten zu ertragen, an denen sowol der französische Consul als auch im Geheimen die lateinische Brüderschaft sammt einigen christlichen Mönchen des Landes, unterstützt durch den Fanatismuseines, blinden Haufens, der seinen Eifer für Christenthum hält, einen thätigen Antheil nehmen. Die Angeberei ist öffentlich organisi'rt und wird durch Geldverheißungen angeregt; das Mitleid schwindet aus Aller Herzen, Jeder fürchtet selbst das Elend, dessen Zeuge ec ist. Dringend bitte ich um höheres Einschreiten." Aus einem Schreiben des Generalconfuls, Hrn. Laurin, fügt der Advocat Cremieux dann noch hinzu: „Die Anklage ermangelt einer gesetzlichen Unterlage; die Geständnisse sind entweder durch den Schmerz der Tortur erpreßt, oder durch Einschüchterung, oder durch List. Im Interesse der Menschlichkeit, wie auch besonders in dem unserer Unkerthanen dort unten, die in Gefahr schweben, unschuldigerweise den Tod zu leiden, ÜM ich alles Mögliche, um bei Mohammed-Ali den Befehl zu erwirken,