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Der Orient · 1840-05-23 · Heft 21 (23.5.1840) · p. 161

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 21 (23.5.1840)
Article
Damaskus: Bericht der katholischen Mission zu Beirut ...
Date
1840-05-23
Page
161 (sequence 5)
Language
German
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161 ungerechten Belästigung hätte entgehen sollen. Allein > das geschah nicht, auch gegen ihn begann der französische Consul neuen.Verdacht zu schöpfen. Am 6. Marz trug er bei meinem Eonsulat auf Ermächtigung zur Verhaftung von Piccioto an. Sogleich mit Hrn. Ayrut zum Scherif-Pascha gesendet, wurde er verhört und beschränkte sich in seiner Confrontation mit dem Diener nicht aufs Leugnen, sondern wollte auch durch Zeugen wahrend der von seinem Ankläger bezeichneten Zeit ein Alibi Nachweisen, nämlich daß er Mittwoch gegen Abend mit dem österreichischen Consul und dessen Bureauchef außerhalb der Stadt war, daß ec bei Sonnenuntergang sich im Hause, von Maälem Rafael Farchi : befunden und hier eine Zeit lang geblieben sei, daß er sich dann nach Sjciufe begeben und zu Abend gegessen, später aber mit seiner Frau zu Georg Macson, einem englischen Schützling, gegangen, hier etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang eingetroffen und bis nach Mitternacht im ^Gespräche geblieben sei. An demselben Tage noch wurde dieser Hr. Macson auf den Antrag des französischen Consuls durch den englischen Eonsul vorgefordert und seine Erklärung bestätigte die Angabe von Piccioto vollständig. Am 7. März begab der französische Consul sich in die Wohnung von Farrhi, das als Schauplatz der Ermordung des Dieners bezeichnet Haus. Er fand hier keine Spur des Verbrechens, ließ aber in der Nahe eine Wasserleitung öffnen und entdeckte dort Knochen, eine ungestalte Fleischmasse, die man als eine Leber bezeichnet, und eine Leibbinde. Zweiunddreißig Tage waren seit dem Morde verflossen, man erkannte diese Leibbinde aber als das Eigenthum des Dieners. Jetzt glaubte der französische Consul, daß die Aussage von Murad - el - Fallat über den im Hause von Meic Farrhi begangenen Mord erwiesen sei, also könne er auch in seiner Anklage gegen Piccioto die Wahrheit gesagt haben. Alle jene Ueberreste wurden ins französische Consulat gebracht und in einen Schrank geschlossen, um als Beweise des Verbrechens zu dienen. Doch der Werth dieser Beweist verminderte sich sehr, als zum großen Erstaunen der Untersuchenden die gefundenen Knochen, die Dr. Massari, Leibarzt von Scherif-Pascha, und Dr. Rinaldo, bürgerlicher Arzt, nach ihrem Gewissen für Menschenknochen erklärt hatten, als sie der Prüfung des Dr. Hograsso, eines gelehrten eingeborenen Arztes unterworfen waren, von diesem für Thier-, nicht für Menschenknochen erklärt wurden. Piccioto blieb nichtsdestoweniger im französischen Eonsulat im Gefangniß; alle Anschuldigungen gegen ihn schienen jedoch zu zerfallen). da gab Murad-el-Fallat nach zwölf Tagen neue Orakelsprüche, die ich.mittheilen werde. Er sagte nämiich, am Mittwoch Abend, nachdem ec den ihm gewordenen Auftrag, den Pater Thomas zu tobten, dessen Leichnam zu zerstückeln, die Knochen zu zerbrechen und das ganze in die Wasserleitung, wo sie gefunden wurden, zu werfen, ausgeführt hatte, habe er sich zu Meir Farrhi begeben, um bei der Ermordung des Dieners Hülfe zu leisten. Dort habe er diesen von sieben Personen umgeben gefunden, nämlich den fünf schon genannten und zwei andern, Jakob Abulasia und Joseph Menahen Farchi. Hier wurde der Unglückliche jetzt von den sieben Personen ermordet, sie singen das Blut in einer Flasche auf, und Murat-el-Fallat war Zeuge'des Verbrechens. — In der Wohnung der bezeichneten Mörder fand der französische Eonsul nur den Judas Farrhi, einen schwachen jungen' Menschen, der im Haust seines Onkels versteckt war. Er wurde arretirt, der französische Consul ließ ihn die erste Nacht in der Wohnung von Ben Mahommed-el- Telli zubringen, dann blieb er einige Tage im französischen Eonsulat, darauf wurde er vor den Pascha gebracht. Man bewilligte ihm schriftlich Straflosigkeit, vorausgesetzt, daß ec die Angabe von Murad-el-Falla( bestätige, und nachdem er diese Angabe bestätigt hatte, verlangte man , daß'Isaak Piccioto im Serail erscheine. Dieser wurde drei Mal dahin gebracht und verhört, er beharrte aber im bestimmtesten Leugnen. —- Seit dem ersten Augenblicke dieser Verfolgung gegen die Juden hatte jeder Schritt im Allgemeinen dm Zweck, einen alten Haß gegen dieselben zu erneuern, und alle Nachforschungen, die man anstellte, beruhten vielleicht weniger auf ernstlichen Verdachtsgründen gegen Diejenigen, die man der Ermordung des Paters Thomas anklagte, als auf der Absicht, dieselben zu entehren, indem man ihnen dieses schreckliche Verbrechen schuld gab. Der französische Consul war nur ein Werkzeug, sein größtes Unrecht besteht darin, daß er allen Insinuationen sein Ohr lieh und den albernsten Spuren Wichtigkeit beilegte. Unter den Menschen, die sich öffentlich als die eifrigen Verfolger der Angeklagten, die Rächer des traurigen Todes der beiden Schlachtopftr zeigten, nenne ich den ehemaligen Consularagenten, jetzigen Bureauchef im französischen Eonsulat, Herrn Baudin, einen aus Aleppo gebüriiglen Franz Salina, der gelegentlich als Dolmetscher, Aufreger, Spion und ein anderes Mal als Sbirre diente und . dient; den Pater Tusu, einen französischen Lazaristen, der bei dieser Veranlassung an den Juden den Tod seines göttlichen Meisters, der ihnen ja doch verziehen hat, schien rachen zu wollen. Spaterschloß sich diesen einer unserer Untecthanen an, Namens Sibli Ajub, ein christlicher Araber, der erst seit kurzem aus Saour gekommen war, wo ec des österreichischen Schutzes genoß. Dieser Ehrenmann stand schon im Dienst unserer Regierung; allein ein Israelit, Maalem Raphael Farrhi, klagte ihn des Peculats an, und er war fast 18 Monate im Gefängnisse. Bei dieser Gelegenheit verstand er, den festen Entschluß, den Hebräern zu schaden, sich zu Nutzen zu wachen. Er wurde im Geheimen vom französischen Consul empfangen, man benutzte seine bekannten Talente zur Jntrigue, seinen alten

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