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Der Orient · 1840-05-23 · Heft 21 (23.5.1840) · p. 163

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 21 (23.5.1840)
Article
Damaskus: Bericht der katholischen Mission zu Beirut ...
Date
1840-05-23
Page
163 (sequence 7)
Language
German
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163 daß man bei den Proceßformeu menschlich zu Werke gehe und das Urtheil durch vorurtheilsfreie, gebildete und unabhängige Richter sprechen lasse. Hr. Merlato verdient alles Lob und jede Unterstützung bei seinen muchvollen Schritten zur Rettung der Unschuldigen. Ich bin überzeugt, daß die Presse einen Schrei des Abscheues ausstoßen wird über die zahllosen Grausamkeiten, die begangen wurden, um diesen armen Schlachtopfern in einem Lande, wo Mohammed-Ali herrscht und derHattischerif von Gulhane verkündet ist, unbegründete Geständnisse zu entreißen. Das erwiesene Alibi Hm. Piccioto's mußte genügen, um die Geständnisse der Angeklagten zu entkräften und die Rechtswidrigkeit des ganzen Verfahrens zu erweisen." — Zum Schlüsse fügt der Advocat Cremieux hinzu, daß 5?t\ Laurin, „dessen Name sowie der Merlato's in unserer dankbaren Erinnerung nie verlöschen wird", die erbetenen Befehle am 6. April von Mohammed-Ali erhalten habe. „Seit dem 18. April hat die furchtbare Procedur ein Ende, allein erst in .18 — 20 Tagen können wir die Zahl der Schlachtopfer und die schließliche Lage der Verfolgung erfahren." Bei diesem blutigen Processe allein aber soll es nicht bleiben, das Mittelalter in seiner Ganzheit scheine ganz wieder zu erscheinen. Ein Bericht aus Beirut vom 7. April berichtet: Die Kriegsrüstungen und Vertheidigungsanstalten dauern fort, aber die allgemeine Aufmerksamkeit bleibt dem großen Iudenprozeß und deßen Folgen in Damaskus zugewendet. Auf Befehl des dortigen Pascha wird nämlich jetzt der Talmud übersetzt. (Beschluß folgt.) Böhmen. Prtsrg, 16 Mai. Extra Hungariam non est vita et sr est vita non esi iia. So lautet der Wahlspruch der magyarischen Nation, und wahrlich mit Recht. Ein wahrhaft schönes Leben ist in diesem Lande; ich möchte selber ein Ungar sein; da stirbt man nichtan Geburtswehen, sei die Frucht auch noch so verkrüppelt und lahm; da kocht einer einen wahrhaften Macbethsbrei' von innern und äußern scientifisch e n und artistischen Zuständen und Beziehungen der Israeliten in Ungarn, gießt, um die Speise pikanter zu machen, einige Tropfen Wermuth hinein und schickt die liebe Tinktur saus gene in die weite Welt. Traurig wenn mancher aus bloßer Prahlsucht, um auch einen Antheil an dem schönen Bau, den die hochherzige ungarische Nation vor hat, sich zuzumessen, mit seinem Strohbündel umherläuft, den Werksührern den Platz verrennt, unbrauchbares Zeug geschäftig herbeisührt und den prächtigen Marmor unbeachtet liegen läßt. Zeigen sollen die Israeliten Ungarns, vor den Augen der ganzen Welt sollen sie es zeigen, daß sie reff sind, vollkommen reif in den allumfassenden Bund der Bruderliebe ausgenommen zu werden, daß von ihrer Seite schon längst der Schritt der Annäherung geschehen, daß vor dem glänzenden Feuerstrahle der göttlichen Vernunft die finstere Nacht der Wortklauberei und Werkheiligkeit/ welche die schroffste unübersteigbare Scheidewand zwischen uns und dem christlichen Bruder aufthücmte, gewichen ist. Zeigen sollen sie, wie die zwei heiligsten Empfindungen, Bruder- und Vaterlandsliebe, der zartesten Jugend schon eingepflanzt werden, auf daß sie mit ihnen zum mächtigen Stamme heranwachsen, und von denen der Jüngling und Mann nimmer sich losreißt. Zeigen sollen sie das Alles mündlich und schriftlich, denn es handelt sich hier nicht um ein blos historisches, sondern um ein angebornes in der Menschen Vernunft und Freiheit begründetes Recht, auf das kein Mensch ohne die Göttlichkeit in sich mit Füssen zu tretende verzichten darf.' Und wahrlich es fehlt auch nicht an Belegen, welche die gerechten Ansprüche der Ungar. Israeliten rechtfertigen können; aber da wird in der allg. Zeit, des Judenth. (Nr. 103) A. Chorin kurz abgefertigt, daß feine Werke keine, wissenschaftliche, sondern nur praktische Tendenz haben. Er, ein Veteran der israel. Genossenschaft, der den Geifer giftiger Zeloten und Finsterlinge, dew Haß und die Verachtung heuchlerischer Fanatiker auf sich lud, weil er sein System der Volksaufklärung mit Bollwerken des Talmuds und ihrer Commentatoren verschanzte, und den sie mit aller ihrer Wuth nicht beikommen konnten; er, der mit frommen Sinne die Donnerkeile finsterer Ausleger des reinen Mosaismus ertrug, und mit mächtiger Hand die mit Ungestüm sich aufthürmenden Wellen des Aberglaubens theilte und der Vernunft den trockenen Weg gebahnt; er, der durchseine mit Scharfsinn und Gelehrsamkeit geführten Beweise für die nothwendigen Neuerungen des vorgeschrittenen Jahr-- hunderts die Gegner mit 'ihren eigenen Waffen schlug, und so den tüchtigsten Impuls zur Aufklärung in Ungarn gab, der wird übergangen, er ist ja nur praktisch! — — L. Skreink a, dessen Name schon vor 15 Jahren in allen Kreisen der israel. Gelehrten Wiens, Prags, Preßburgs wahrlich keinen unbedeutenden Klang hatte, dessen Geist die Krankheit aufgefunden, an denen die dortländischen israel. Neligionsbücher leiden, und mit bedeutender Gelehrsamkeit sich eine neue fruchtbare Bahn für den uns Norh rhuenden Religionsunterricht gebrochen; der fern von aller Compilation, seinen sich vorgezeichneten Weg nach eigenen von dem gewöhnlichen Schlendrian der Zeit weitentfernten gediegenem Ansichten verfolgte, der durch seine in diesem Religionsbuche niedergelegten, im Leben und Wirken unserer Stammväter mit rührender Gemächlichkeit nachgewieftnen und .der zarten Jugend angepaßten Ideen über wahrhaftes Judenthum, die schönsten Perlen in den Kranz unserer Aufklärung geflochten, der mit wahrhafter genialität so manche Schwierigkeit, die den Religionsforscher oft im Wege standen, gelöst (man lese nur die Prüfung Abrahams S. 55—57-

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