Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1840)
- Article
- Damaskus: Bericht der katholischen Mission zu Beirut ...
- Date
- 1840-05-23
- Page
- 160 (sequence 4)
- Language
- German
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160 stehen', ohne sie schlafen zu lassen. Sie ertrugen diese Qual, blieben aber beim Leugnen. Nach diesem Versuch unterwarf man Einige der Ruthenstrafe, hielt aber bald wieder ein; denn beim zwanzigsten Schlage hatten die Unglücklichen das Bewußtsein verloren. Da siefortfuhren zu leugnen, dachte de^r französische Eonsul, daß die Pein, die ihnen bestimmt gewesen, nicht buchstäblich vollzogen sei, und verlangte deren Wiederholung. Man bewilligte sein Verlangen, sie blieben aber dabei, sich fürunschuldig zu erklären. Unterdessen ergriff man David Harari's Diener und ließ ihm lange Zeit Schlage geben. In den Pausen wusch man seinen zerrissenen, durch den Stock zerfleischten Körper mit -kaltem Wasser; am Ende gestand er, aus Befehl David Harari's, seines Herrn, den Barbier bestellt zu haben, daß dieser am Abend in dessen Haus kommen solle. In der Hoffnung, das Corpus delicti zu finden, durchsuchte man sechs Mal die Wohnung von David. Harari, allein vergeblich. Endlich, am Abende des 26. Febr., wurde der Diener, Namens Murad-el-Fallat, wieder vorgesodert. Nachdem ihm vom französischen Consul förmlich Straflosigkeit versprochen war, und er mehr als Ein Mal den dienstfertigen Besuch von Mohammed-el-Telli empfangen hatte, erklärte er, selbst, in David Harari's, seines Herrn, Wohnung, in Gegenwart und auf -Befehl der sieben verhafteten Kaufleute, den Pater Thomas ermordet zu haben. Da der Barbier sich geweigert habe, selbst an diesem Verbrechen- Theil zu nehmen, habe er seinerseits den Pater gebunden und wahrend des Abschlachtens sestgehalten. Die sieben' Kaufleute fingen das Blut des armen Paters zu einem religiösen, ihm unbekannten Zweck in einer Krystallflasche auf.. Der Barbier und er beschäftigten sich dann, den Leichnam zu zerschneiden, Knochen und Schädel klein zu machen und Alles in eine Wasserleitung zu tragen, die in einer von Hebräern bewohnten Straße, weit von Harari's Wohnung, gelegen ist. Ich komme wieder auf den Barbier zurück. Man befragte ihn freundlich mit Insinuationen, man ermunterte ihn durch wiederholtes Versprechen der Straflosigkeit; zuletzt erklärte er, was der Diener erklärt hatte. Der französische Consul und dessen Gefolge begaben sich an die bezeichnete Stelle, die beiden Zeugen, Einer nach dem Andern, vor ihyen Her. Die beiden Leute lagen auf Karren, da ihre Pein ihnen das Stehen und Gehen unmöglich machte. An der von ihnen bezeichneten Stelle öffnete man die Wasserleitung und fand auch in der Thal einen Haufen Knochen und die Fetzen eines Barets oder einer Priesterkappe. Aerzte erklärten, es seien Menschenknochen. Man brachte, sie ins Serail und legte sie den sieben Angeklagten vor; diese wiesen jedoch jede Anklage von einer Mitschuld zurück. Sogleich wurden sie verschiedenen Arten von Tortur unterworfen, und Einer nach dem Andern erklärte sich endlich alles Dessen^ was der Barbier und der Diener ausgesagt hatten, schuldig. Nach diesem Bekenntnisse wollte man das aufbewahrte Blut wiedersinden/ Jeder der sieben Individuen erklärte aus Befragen, es einem seiner Mitangeklagten übergeben. Der Letzte endlich, Mussa Abulafia, da er einen Gegenstand., den er nicht hatte,- und dessen Herausgabe man durch die schrecklichsten Martern von ihm erzwingen wollte, nicht herbeizuschaffen vermochte, ging zum Jslamismus über. Da dieses Auskunftsmittel aber nicht half, so erklärte er, das Blut dem Rabbiner Jakob Antibi.übergeben zu haben. ' Sogleich wurde dieser mit Ruthen geschlagen und gemartert, allein von ihm brachte man nur die ausdrücklichsten Verneinungen heraus. Vier Tage nach dem Geständnisse der sieben Kaufleute wollte man diese zwingen, die Uhr und die Schlüssel, welche der Pater Thomas bei sich trug, herauszugeben. Da die Unglücklichen sahenr, daß man ihr elendes Dasein nur unter Qualen zu fristen gedachte, so leugneten sie Alles und erklärten, daß ihre ftühern Geständnisse ihnen durch die Heftigkeit der Qualen entrissen seien. Das wareine große Überraschung für die Inquisitoren; von neuem griff man zur Baston ade, zu andern Torturen, um sie auf ihre ersten Geständnisse zurückzubrmgen. Doch das war vergebens. Jetzt gab man das Forschen nach dem Blut auf und begann die Spuren des Dieners zu suchen, um den man sich bis dahin nur oberflächlich bekümmert hatte. Sogleich wendete man sich wieder an den Diener von David Harari, der sich willig zum Wegweiser hergab. Er sagte Folgendes aus: Am Abende des 5. Febr., nachdem der Pater in der Wohnung seines Herrn ermordet war, hieß dieser ihn in die Wohnung des reichen Israeliten Marad Farrhi gehen, ihm Nachricht von dem Vorfälle zu geben und ihn aufzufordern, dem Diener dasselbe Schicksal-zu bereiten. Er habe diesen Auftrag pünktlich erfüllt und dort auch Isaak de Piccioto, einen österreichischen Untecthan, gefunden, der die Unterhaltung habe hören müssen. Am folgenden Tage sei Piccioto in Harari's Wohnung gekommen, begleitet von Marad Farrhi, Meir und Assom Farrhi und Aron Stamboli, sämnulich Personen von Ansehen. Diese hätten erzählt, daß sie den Diener des Paters Thomas in das Haus von Meir Farrhi gebracht und hier getödtet hätten. — Hier muß ich bemerken, daß die schreckliche Untersuchung gegen die sieben Kaufleute Jedem bekannt war; man wußte, daß zwei von ihnen im Gefängnisse den Geist aufgegeben hatten und der Entschluß fest stand, die Verhafteten durch Martern zum Geständnisse zu bringen. Täglich entwickelte sich eine grausame und fanatische Verfolgunggegen die Juden in Damaskus, täglich kamen neue Verhaftungen und schreckliche Mißhandlungen vor; die angesehensten Israeliten versteckten sich odev ergriffen die Flucht. Von den fünf Personen, die zuletzt durch Murad-el-Fallat demmcirt waren, fand man blos Piccioto, der als österreichischer Untecthan jeder