Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1840)
- Article
- Damaskus: Bericht der katholischen Mission zu Beirut ...
- Date
- 1840-05-23
- Page
- 159 (sequence 3)
- Language
- German
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159 sich seit langer Zeit ausschließend dem Impfen kleiner Kinder aller Klassen und jeden Glaubens. Jeder kannte ihn im ganzen Land. Er hatte ein weit beträchtlicheres Vermögen zusammengebracht, als seine Ordensregeln gestatten, gab nicht gern, sprach viel und mit Jedem ohne Ausnahme, war zuweilen unmäßig, von leichtem Charakter und' geringen Kenntnissen. Am Tage nach dem Verschwinden begann der französische Consul, Graf de Ratti-Menton, dem die unmittelbare Untersuchung der Sache gebührte, die Spuren der beiden Unglücklichen aufzusuchen. Zuerst begab er sich in das Zimmer, was sie bewohnten; das Geld, die Sachen des Paters, des Dieners, des Klosters, Alles -war unberührt da. In diesem Augenblick erklärten mehre Israeliten, man habe den Pater Thomas an'dem Tage, seitdem er verschwunden war, gegen Abend im Judenviertel gesehen. Niemand sagt, ihn wo anders gesehen zu haben. Aus diesem Umstande folgerte man, daß er im Judenviertel von den Hebräern ermordet sei. Seitdem diese Idee gefaßt war, stellte man auf keinem andern Punkt in der Stadt Untersuchungen mehr an; es wäre jedoch nicht. übel gewesen, auch außerhalb des Judenviertels nachzuforschen, zumal da Pater Thomas und sein Diener kurz vorher auf dem Platze Hassan-Pascha, einem sehr besuchten Punkte dieser Stadt, einen heftigen Streit, bei dem auch Schläge sielen, gehabt hatten, und dieser Streit mit Muselmännern geführt war, die zu der niedrigsten Klasse, zum frechsten Pöbel gehören, gleichsam Lastträger und Karrenführer (Mnccheri oVetturiniJ. Dennoch wurde ein junger Hebräer, der sich zu der Anzeige entschloß, daß ec ihn anderswo gesehen habe, so heftig mit Ruthen gepeitscht, daß ec nach 24 Stunden in seinem Gefängnisse starb. *) Darauf begannen die Verhaftungen, die Bastonaden vermehrten sich, von den Leidenden starb ein sechzigjähciger Hebräer unter den Schlägen; *) Der Advocat Cremieux fügt hier aus einem hebräischen Privatschreiben, wie er sagt, die Note hinzu: „Ein junger Israelit weihte sich der Heiligung; er trat vor den Pascha und sprach: Was ist das für Gerechtigkeit? alle diese Anklagen sind Täuschung; wissen nicht die Häupter aller Nationen die Aufbewahrung von Blut für das ungesäuerte Brot sei eine erbärmliche Lüge? Der jüdische Barbier sott es gestanden haben, sagst du, ich aber sage, die mörderischen Ruthen, die peinlichen Qualen haben dieses Geständniß gethan; er wollte sein Leben retten. Türken oder Christen haben vielleicht den armen Priester getödtet und du willst die Schwere deiner Rache auf die Kinder Jsrael's fallen lassen! Kaum hatte er diese Worte gesprochen, so antworteten ihm der Pascha und der Dolmetscher des französischen Consuls, Hr. Baudin: Du giebst also das Verbrechen den Muselmännern oder Christen schuld? Du weißt also darum! und sogleich erhob sich der Stock gegen ihn, man schlug ihn mörderisch, man zerfleischte seinen Körper und rief: Rede, sprich die Wahrheit! Er aber, ruhig in den schrecklichen Qualen , rief aus: Höre Israel, der Herr ist unser Gott. Der Herr ist Einer! und starb." Unmittelbar aus dem hebräischen war dieses Schreiben im Oriente 'übersetzt. sein Verbrechen war, Portier im Judenviertel zu sein. Man grub die Leichen von zwei kürzlich verstorbenen Israeliten aus, um zu sehen, ob es nicht die der verschwundenen Christen oder mindestens die von zwei Juden seien, die beim Verbrechen geholfen und vielleicht in dem Kampfe, dem Pater Thomas und fein Diener unterlag, eine tödtliche Wunde erhalten hätten. Man durchsuchte mehre Häuser, unter andern auch die von einigen östreichischm oder toscanischen Unterthanen oder Schützlingen, mit Genehmigung meines Consulats; allein viele Tage lang war alles Nachsuchen völlig fruchtlos. Zuletzt verlangte der' französische Consul, daß man einen Türken niedrigen Standes, Namens Mohammed-el- Telli, der wegen Schulden an den Staat verhaftet war, aus dem Gefängnisse entlasse, und verwendete ihn dann bei dieser Sache, nicht blos um aus die Spur der Schuldigen zu kommen, sondern auch um die Verdächtigen und Gefangenen zu ermahnen, daß sie durch ihr Geständniß einiges Licht verbreiten und einigen Nachweis geben möchten, wie man das Verbrechen und dessen Urheber entdecken könne. Schon bei den ersten Verhaftungen hatte man einen jüdischen Barbier eingezogen. Er war im französischen Consulat verhört worden, in seinen Antworten hatte er Verwirrungen, Widersprüche gezeigt; ec schien schwerer belastet als die andern Gefangenen. Drei Tage lang hielt man ihn im Consulat fest, ermahnte ihn, Alles zu gestehen, und versprach ihm Straflosigkeit, eine Belohnung und sicheres Geleit ins Ausland. Alle diese Mittel vermochten aber nichts;' er beschränkte sich auf das Leugnen; nichts rührte ihn. Er wurde dem Scheris-Pascha überliefert; man erneuerte die Verheißungen; Alles war vergeblich. Jetzt wurde er zwei Mal grausam mit Ruthen gepeitscht; man ließ ihn am Kopfe foltern; in der Zwischenzeit erhielt er brüderlichen Besuch von jenem Mohammed-el-Telli, sodaß er am Ende Folgendes aussagte: „Am 5. Febr. gegen Abend sei er in die Wohnung von David Harari gerufen worden, wo er Joseph, Aron und Isaak Harmi, Mussa Abulasia, Moses Salonati und Joseph Laniado, sämmtlich vornehme israelitische Kaufleute, antraf. Sie foderten ihn auf, den Pater Thomas, der schon in einem Winkel des Zimmers geknebelt war, zu tobten, er aber weigerte sich, dieses schreckliche Verbrechen zu begehen. Darauf entließ man ihn, nachdem ihm eine Summe Geldes eingehändigt war, damit er über Alles, was er gesehen, Stillschweigen beobachte; er entfernte sich, ohne das Ende des armen Paters zu kennen." Auf der Stelle wurden diese sieben Kaufleute verhaftet und verhört; sie leugneten Alles. Schon hatte man sie dem Stock unterworfen, als man bedachte, daß die meisten von ihnen in hohem Alter ständen und leicht bei den ersten Schlägen sterben könnten. Man meinte, ihnen durch eine andere Tortu? Geständnisse zu entreißen, und ließ sie 36 Stunden ununterbrochen auf ihren Füßen 21 *