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Der Orient · 1840-05-23 · Heft 21 (23.5.1840) · p. 158

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 21 (23.5.1840)
Article
Damaskus: Bericht der katholischen Mission zu Beirut ...
Date
1840-05-23
Page
158 (sequence 2)
Language
German
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158 Unwahrheit dieser Schauergeschichte schon bewiesen zu haben glaubte; wir sahen uns nach unserem Vertheidiger Cremieux um, dem einzigen, der nach dem Schweigen Rieß er s diesen Theit der jüdischen Angelegenheiten mit jener Kraft bespricht, die nicht wirkungslos bleibt; und Herr Cremieux schwieg auch diesmal' nicht. Der Advocat Cremieux hat unterm 5. Mai in Beziehung auf den Bericht des Kapuzinermönchs Pater Franciscus von Sardinien ein neues Schreiben an das Journal des Debüts gerichtet, das folgendermaßen beginnt: „Unter dem Titel „Ossicielles Document" veröffentlichte gestern die Presse und nahm auch die Gazette des Tribenaux als l, ein Actenstück des Processes^ einen von „P. Franciscus von Sardinien" Unterzeichneten Brief auf, der schon in einem religiösen Blatte gestanden hatte. Dieser Aufsatz ist also grade für Solche bestimmt, die man vorzugsweise vor den darin enthaltenen Einzelheiten bewahren sollte; er ist von einem Mann unterzeichnet, der den heiligen Charakter eines Priesters tragt. Wie viele Katholiken werden aufs Wort an die umständlichen Einzelheiten glauben, welche die naive Einfalt, der heilige Zorn des Unterzeichners in jenem Brief erzählt! — Aus allen Gegenden Europas und fast von jedem Punkte der Erde gehen beim Centralconsistorkum zu Paris, bei den Männern, die man als Repräsentanten der französischen Juden betrachtet, die dringendsten Gesuche, die rührendsten Bitten ein. Laßt doch, ruft man uns zu, die Sache der unglücklichen Juden in Damaskus nicht im Stich; es handelt sich nicht blos um diese fernen Gegenden, wo das Blut auf der Tortur in Strömen rinnt und euer Mitleiden erregen muß; es handelt sich auch um die Bevölkerung, in deren Mitte ihrlebt. Die gehässigsten Borurtheile erwachen von neuem; was man seit 200 Jahren als eine absurde Fabel behandelte, stellt man jetzt wieder als schreckliche Wirklichkeit dar. Setzt dem Strom einen Damm! — Bis heute haben wir uns jedoch die authentischen, osft'ciellen Documente, die in unfern Händen sind und ein neues Licht auf diese traurige Angelegenheit werfen, der Oeffentlichkeit zu übergeben enthalten. Alle diese Documente und unsere Privatbriefe sind in den Händen des Conseilpräsi'denten. Wir rufen das mächtige Einschreiten der französischen Regierung in dieses schreckliche Drama auf. Oestreich, Sachsen, England haben die Wichtigkeit eines Einschreitens von Seiten der europäischen Mächte begriffen. Die religiösen Verfolgungen erwachen wieder, die Anklagen und Martern des Mittelalters erneuern sich, zuerst greift man die schwache Minorität an; wo wird der Aberglaube und dessen Rache aufhören? Frankreich kann hinter den andern civilisirten Völkern unmöglich Zurückbleiben. Beschützer aller religiösen -Stiftungen der Christenheit im Oriente, wird es, wenn ein-Vorsteher dieser Stiftungen durch ein Verbrechen verschwindet, Wächter der Ehre und des Lebens her Menschen, die man dieses Verbrechens anklagt. Welchem Volke die Angeklagten auch angehören, Frankreich muß ihnen als Schutz dienen, bis sie gesetzlich überführt sind. In welchem gebildeten Lande betrachtet man aber diese torturerpreßten Geständnisse als überführende Beweise? Die zahlreichen Aktenstücke, die wir besitzen, machen die doppelte Wahrheit unzweifelhaft: 1) die jenes schrecklichen Mordes in Damaskus Angeklagten sind nicht die Schuldigen; 2) die anfänglich durch Tortur entrissenen Geständnisse, die später durch Gewissenhaftigkeit (pur In eonseienev) zurückgenommen wurden, vermögen die Anklage nicht zu rechtfertigen. Mitten aus diesen Actenstücken wählen wir einige aus, die ‘ einen osft'ciellen Charakter (ragen und über jeden Verdacht erhaben sind. Der östreichische Consul in Damaskus hat sie unterzeichnet, ein Mann, den der Generalconsul in Alexandrien in jeder Beziehung lobt; ein Katholik, dessen reiner Glaube sich in dem rührenden Satze seines Berichtes ausspricht: „Man wollte an den Juden den Tod des göttlichen Meisters rächen, der ihnen ja doch verziehen hat!" Diese Berichte sind eine vollständige Widerlegung des Briefes, den Pater Franciscus von Sardinien schrieb. Der Brief schweigt von der Tortur, welche die armen Angeklagten erlitten. Die Berichte enthalten eine Schilderung derselben, die schaudern macht. Der Brief ist vom 5. März datirt, die Berichte sind vom 23., 24. und 26. März. Der Brief enthält eine pomphafte Lobrede auf den französischen Consul, die Berichte zeigen den Agenten der französischen Regierung als den Anstifter der gewaltsamsten, der gehässigsten Maßregeln. Wir waren gewohnt, in unsern Agenten Beschützer zu sehen, die sich nötigenfalls zwischen Angeklagte und Tortur stellen, nicht aber Inquisitoren, die infame Peinigungen und erbärmliche Angebereien anstiften. Trauriges Blatt der Geschichte! Schreckliche Wanderung der vom Occident verachteten Borurtheile in den Orient! Wann wird denn der Tag erscheinen, daß, wenn der Fanatismus irgendwo auf der Erde erwacht, auf den Schrei der Unterdrückten alle Völker sich erheben und sich erinnern, daß sie als Kinder derselben Familie, als Geschöpfe desselben Gottes, auf dieser Erde zur Arbeit und zum Frieden berufen sind, und daß religiöse Verfolgungen für eine geoffenbarte Religion den abscheulichsten Widerspruch bilden." Der angehängte Bericht ist von Hrn. Merlato, dem östreichischen Consul in Damaskus, unterm 23. März an Hrn. Lamm, dm östreichischen Consul in Alexandrien gerichtet, und in italienischer Sprache geschrieben. Er lautet folgendermaßen: „Hier erhalten Sie im Wesentlichm das Ergebniß meiner gewissenhaften Nachforschungen. Am 5. Febr. 1840 verschwand auf einmal der Kapuziner Pater Thomas von Sardinien, sammt seinem Diener, einem jungen und kräftigen Menschen. Der verschwundene Mönch lebte seit 1806 ^oder 1807 in Damaskus, hatte früher als Arzt prakticirt und widmete

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