Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1840)
- Article
- Damaskus: Bericht der katholischen Mission zu Beirut ...
- Date
- 1840-05-23
- Page
- 157 (sequence 1)
- Language
- German
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Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonmrt bei allen lö-l. Postämtern und crllen soliden Buchhand- Lungen auf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur Herausgegeben von »r. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. 21. ’ Leipzig, den 23. Mai 1840. Orient. Damaskus (Bericht der katholischen Mission zu Beirut über die angebliche jüdische Blutschuld. Replik Cr emieux's gegen den Pater Franc i skus. Aufruf an die europäischen Mächte zur Einschreitung. Ausführlicher Bericht des österr. Consuls, treffliches, humanes Benehmen der Hrn. Mer lato und Laurin). — Böhmen (P r ag, über einige jüdische ausgezeichnete Männer in Ungarn.). — Ungarn (Pesth, über jüdische Verhältnisse.). — Literaturblatt des Orients. Orient. Damaskus. Ein bluthrother Stern ist im Orient aufgegangen, der den Aberglauben des Mittelalters und seine grauenhafte Folgen hecaufzubeschwören scheint; ein schauerliches Mährchen, bas in früher» Jahrhunderten Europa träumend erzählte, gedenket jetzt der Orient bei seinem Erwachen. Diese Mahr ergreifet mit Adlerschnelle die Gemüther der Völker, wie die Schauer der Hölle, die Bosheit und der religiöse Fanatismus erhalten das nun erwachte Andenken an dieselbe lebendig, und das Schweigen der jüdischen Organe wäre nicht an der Aeit, wie es auch die einflußreichen Männer, .die sich bei den Regierungen dafür verwendet haben, eingesehen. Wir halten es für unsere Pflicht, den weitern Verlauf dieses gräßlichen Trauerspiels dem Publikum zusammenzustellen, um auch eine-Uebersicht dessen zu bekommen, was zur Aufhellung dieses Gegenstandes bereits geschehen ist. Der apostolische Vorsteher der katholischen Mission zu Bairut hatte den Kapuzinermönch, Pater Franciscus von Sardinien/ nach Damaskus gesandt, um Nachrichten über das Schicksal des Pater Thomas einzuziehen, und die „Annales de la Propagation de la Foi" veröffentlichen jetzt den Bericht, den Pater Franciscus an seinen geistlichen Obern ■■ erstattete. Pater Franciscus erklärt, daß er auf Grund der von den Juden unter der Tortur gemachten Aussagen die gegen sie erhobenen Beschuldigungen für vollkommen wahr halte. Ferner berichtet er, daß die in den Goffen gefundenen angeblichen Gebeine des Paters Thomas in einen Sarg gelegt und unter Begleitung des englischen, französischen und östreichischen Consuls sowie der meisten Franken in Damaskus nach dem Haufe des französischen Consuls gebracht wurden, wo sich dann die sämmtliche Geistlichkeit der Stadt versammelte. Nachdem im Hause des französischen Consuls am Sarg eine Meffe gelesen, hielt Pater'Joseph , ein maronitischer Priester, die Leichenrede, und der Sarg wurde dann in die Kapuzinerkirche gebracht und neben dem Altar des heil. Elias beigesetzt., wo auch ein Denkmal mit einer Inschrift zur Erinnerung an diesen Vorfall errichtet werden soll. Viele Türken begleiteten die Processi'on mit Verwünschungen gegen die Juden. Pater Franciscus fügt hinzu, daß der französische Consu! in dieser Angelegenheit „die äußerste Thätigkeit und den größten Eifer" bewiesen, sowie auch die Octsbehörde die Sache mit erstaunlicher Energie verfolgt habe. Ferner berichtet Pater Franciscus, daß der französische Consul die Auslieferung des angeblich in einer Flasche enthaltenen Blutes vom Pater Thomas und des aus Holz vom wahren Kreuze verfertigten Ccucifixes, welches derselbe am Halse, zu tragen pflegte, ausdrücklich verlangt habe; man habe aber diese Gegenstände nicht auffinden können. Auch die Leiche des Dieners ist nach dieser Angabe in einer Goffe des Judenviertels gefunden worden. Das Schreiben ist vom 5. Marz daürt „und hat, fügt Galignani's Messenger hinzu, um so größere Wichtigkeit, da es das' Benehmen des französischen Consuls bei diesem schrecklichen Vorfall in ein ganz neues Licht stellt, und auch die Namen des britischen und östreichischen Consuls in das Trauerspiel verwebt. Da die britische und östreichische Regierung später eine Untersuchung der Sache angeordnet, so laßt sich erwarten, daß am Ende die Wahrheit zu Tage komme." Dieser fast officielle Bericht des sardmischen Mönches hat tief die Herzen der Leser ergriffen, um so mehr, da man die Lüge und die 21