Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 19 (9.5.1840)
- Article
- Schriften über Erfindung und ursprüngliche Bedeutung des Alfabets
- Date
- 1840-05-09
- Page
- 290 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/8555529-9891396-9891427-2362486--0381-2362522- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
291 Schriften üb. Erfindung u. Bedeutung des Alfabets. Sickler's Lhot. Dr. Saalschutz. 292 an ein Kameel (^)z allein nur ihm Paßt das Bild, weil ec die Erfindung der Buchstabenschrift weder den Egyptern, welche die Hieroglyphe vom Weltbecher ebensowohl als die persischen Magier kannten, noch den phönizischen Seefahrern, sondern den semitischen Nomaden vindiciren will. Sollte nicht fe] mit größerer Wahrscheinlichkeit vom chaldaischen Brücke, abzuleiten sein? Die auf den Wassern schwebende Erdfeste wäre dann gemeint, und wie Kahn und Kanne, Schiff und Schaff als synonym galten, so erscheint Isis und Artemis bald mit dem mystischen Becher in der Hand, bald auf dem Schiffe segelnd; Apollo sowohl als Herkules führten von dem Becher das Prädicat KovövXog, und beide verwechselte man mit den auf dem (Welt-) Schiffe segelnden Dioscuren, : den beiden Hauptgottheiten der Phönizier; und auf den Brückencultus der Gephyräer, wovon noch das lat. poniifex stammt, hat schon Creuzer aufmerksam gemacht. Wenn ich ferner mit Hcn. Saalschutz in das Lob der „Gediegenheit der historischen Angaben der Hebräer selbst über fremde Völker und ihre Wahrheitsliebe" S. 24. L c. nicht einzustimmen vermag, weil die Beweise gegen diese Behauptung namentlich im Pentateuch allzusehr sich häufen, so bekenne ich mich desto bereitwilliger zu seiner S. 36 ausgestellten Ansicht, daß die hieroglyphische Schrift schwerlich eine besondere Art von Schrift, etwa eine Geheimschrift, sondern nur die besondere Anwendung derselben bezeichne, dayXvcpco das wirkliche Eingraben in harte Materien (Erz oder Stein) andeutet, im Gegensätze zu ygdcpm, welches von dem Einritzen der äußersten Oberfläche und bloßem Zeichnen gebraucht wird. Folglich sind lEQoylvcpLKd y^amiarcc und isQcirizcc y^a^ifAara gleichbedeutend, und Herodot, wenn er nur von Schreibarten sprechen wollte, faßt beide als iqu. jq. zusammen. S. 43 wird treffend bemerkt, daß das Uralfabet das Semitische, nicht aber das Egyptisch-Griechische gewesen sein könne, weil im Griechischen der erste Buchstabe nur noch den Namen, nicht aber auch die Figur eines Stierkopfs, der zweite Buchstabe nur noch den Namen, nicht aber auch das Bild eines Hauses enthalte, überdies auch die Namen selbst für beide Buchstaben semitisch, nicht aber griechisch sind. Weniger kann ich mich mit der S. 61 aufgestellten Meinung befreunden, daß „Gegenstände der täglichen Anschauung sich in den Bildern des hebr. Alfabets darstellen, denn es beginnt mit dem Rinde (N) und endigt mit dem Zeichen (n), das demselben eingegraben wurde (? die Hinweisung auf Ez. 9, 4 ist hier durchaus unpassend); mit der Geißel (^), die zum Antreiben der Heerde gebraucht ward, fangt die zweite Hälfte der Buchstabenreihe an. In den Gedanken dieser täglichen Beschäftigung führen gewissermaßen ein die vorangehenden Hände (■> und D), nach der verschiedenen Weife ihres Gebrauchs und ihrer Bewegung dargestellt. So wie diese Hände, und wie Wasser (D) und Fische (|) unmittelbar auf einander folgen, so auch Auge iy) und Mund (D), Kopf (-»; und Zahn (ty). Außerdem ein Haus (2), Thüre (i) und Haken 0), Bogelnetz (? 2) und Waffe (l), das Bild geselliger Zusammenkünfte (? D), ba3 Kameel ()>) u. s. w. Alle diese Bilder vereinigen sich zu einem Alfabete, welches den Beschäftigungen der Hebräer und auch noch der heutigen Bewohner Syriens vollkommen entsprechend ist." Abgesehen davon, daß ein'Viehzucht treibendes Volk eher ein Schaf als einen Fisch in seinen Jdeenkreis aufnehmen würde, abgesehen auch davon, daß wandernde Nomaden kein Bedürfniß nach Schrift und Wissenschaft empfinden, läßt sich vielmehr die Frage auswersen, da Hc. Saalschütz die Erfindung des Alfabets, die man bisher der egyptischen Weisheit zu verdanken glaubte, den Chaldäern vindicirt, die Priester beider Völker aber mit besonderer Vorliebe die Sternkunde cultivirten, ob nicht die Buchstaben eine astrische Bedeutung haben mochten? Da es nicht nothwendig ist, die Bedeutung der Buchstaben aus ihrer Aufeinanderfolge zu erklären, weil das Alfabet der Egypter und Griechen von dem der Semiten bedeutend in dieser Beziehung abweicht, selbst wo dieselben Namen noch beibehalten sind, so wäre es nicht nothwendig sich an diese Ordnung bei einer Erklärung derselben zu binden. Ich muß nur vorläufig bemerken, daß die Alten die beiden Sonnenwenden Thore der Sonne nannten. Zn der Folge kamen die Aequinoctien hinzu, und endlich nahm man auch eine doppelte Zahl der vier Jahresquadranten an, indem man jede Zeitabtheilung wieder in zwei Hälften theilte. Daher unterstützen im indischen Mythus acht Elephanren das Weltgebäude, und soviel war auch die Zahl der Kuas, die auf der Schale der Schildkröte (%sXvg), welche im indischen Mythus die Zeit ("6ij) symbolisirt, standen. Hierbei ist nicht zu übersehen, daß Bohlen (altes Indien II. S.2/6) den Indiern die Erfindung des Thierkreises und cher Astronomie überhaupt zuschreibt, unterstützt durch die günstigsten Zeugnisse mehrerer Astronomen (Asiat. Researches XII. S. 220. 489;, für das hohe Alter dieser Wissenschaft bei den Braminen. Beachtet man ferner, daß die Pforte dem Orientalen oft das Haus selbst bedeute, und umgekehrt dieses auch jenes, so haben wir die acht Thore der Sonne, welche diese auf ihrer jährlichen Wanderung durch den Zodiak durchschnitt, in folgenden acht Buchstaben zu erkennen, als: D ^Haus), tt (Einschließung), 2 (Höhlung), D (Hütte*), y (Auge, Quell, Oeffnung), D (Mund, Oeffnung), S (zwei Seiten d. i. die beiden Thürpfosten) und p (Oehr oder Kreis). Weil das Alfaber zu einer Zeit erfunden wurde, als noch in dem Stier das Früh- *) Denn *?]DD und pp sind erweicht aus Tj-lSfi's'-pD decken, rDD Hütte.