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Der Orient · 1840-04-25 · Heft 17 (25.4.1840) · p. 127

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 17 (25.4.1840)
Article
Damaskus: über die mittelalterliche Blutbeschuldigung
Date
1840-04-25
Page
127 (sequence 3)
Language
German
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127 schrecklichen Vorfall zu seiner Kenntniß gebracht habe. Im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten hat man nicht die mindeste Nachricht, weder von dem Consul noch auf einem andern Wege. Nehmen wir an, daß der Mord stattgefunden habe, wer ist der Schuldige? „Die angeklagten Juden." Aber das sind die bedeutendsten, die angesehensten, wahrscheinlich die aufgeklärtesten Männer unter 30,000 Juden, die in Damaskus leben! Aber unter ihnen befinden sich zwei Rabbiner, die von dieser zahlreichen Gemeinde gewählt sind! Wie kann man von solchen Personen ein solches Verbrechen glauben? Und wozu ein Barbier, wozu ein Diener mitten unter ihnen? — „Sie fingen des Christen Blut auf, um sich dessen für die ungesäuerten Brote am Osterfeste zu bedienen!" Aber am 1. Marz wurde der schreckliche Mord ja begangen. Alle Juden des Universums feiern Ostern am 18. April! Können Sie glauben, daß man das Blut des christlichen Priesters in Gefäßen oder in ungesäuerten Broten 50 Tage lang aufbewahre und es dann faul und verdorben den Henkern austische! „Den Leichnam des Priesters warfen sie in die Gosse ihres Viertels, den Leichnam des Bedienten in den Keller eines Juden!" Begreifen Sie ein solches Benehmen? War es für Leute, die fast die ganze Polizei erkauft haben, so schwierig, diese verräterischen Spuren aus dem durch das Verbrechen besudelten Kreise zu entfernen? — „Sie gestehen, sie erkennen an, daß sie das Verbrechen begingen, um ihre religiösen Feierlichkeiten zu begehen!" Aber ihre Geständnisse sind durch die Tortur erpreßt; aber die beiden Rabbiner, denen in der Tortur der Glaube Starke verlieh, haben nichts bekannt! „Ihre religiösen Feierlichkeiten!" Aber um des Himmels willen, wenn die jüdische Religion also Mord und Vergießung von Menschenblut befiehlt, laßt uns in Masse aufstehen, philosophische Juden, Christen und Muselmänner! Laßt uns selbst in den Menschen, die sich dazu bekennen, diesen barbarischen und altarschänderischen Gottesdienst vernichten, der Todtschiag und Meuchelmord unter die göttlichen Gebote setzt! „Ein Jude vergießt Blut, um Gott gefällig zu werden" . . . Aber ist denn diese jüdische Religion nicht dieselbe, die aus Gottes eignem Munde, die heiligen Worte vernahm: Du sollst nicht tödten! — „Ein Jude knetet das geweihte Brot mit Blut." Aber steht es denn im Gesetze Mosis nicht zwei Mal geschrieben, selbst in Beziehung auf Thierblut: „Du sollst kein Blut essen, denn des Leibes Leben' ist im Blut!" Und wollen Sie wissen, wie weit der Abscheu der Juden gegen Blut geht? Findet in einem Ei sich ein Tropfen Blut, so kann das Ei zur Nahrung von Menschen nicht dienen! Wird beim Abbeißen von Brot oder von einer Frucht das Zahnfleisch berührt und läßt eine Blutspur zurück: so wird Brot und Frucht als unrein weggelegt! So erklärt man Moses Gesetz, das „Blut zu essen" verbietet, unter den wahren Gläubigen. „Die Geheimnisse der jüdischen Religion" » . . Aber diese Religion hat keine Geheimnisse! Der erste Vers des Ostergebetes, beachten Sie es wohl, heißt so: „Das ist das Brot der Trübsal, was unsere Vater aßen, als sie aus Aegypten zogen; wer Hunger hat, komme und esse; wer Durst hat, komme und trinke!" Und dieses ungesäuerte Brod, das Andenken an die wunderbare Befreiung der Hebräer, sollte man mit Blut benetzen? Blut sollte man Denen, die Durst haben, zu trinken, Denen, die Hunger haben, zu essen geben? Das Osterfest, eine durchaus volksthümliche und rührende. Feierlichkeit, ist ein großes Familienfest! Wenn der Zustand unserer Sitten den Hungecigen die Thüren der Neichen zu öffnen nicht mehr gestattet, kommt die Vertheilung des geweihten Brotes ins Haus des Armen, um ihn in seinem Elende zu trösten. Geheim ist dabei nur die mildthätige Hand, deren verborgene Wohlchaten am Tage dieses feierlichen Festes die Bedürftigen aufsucht. — Und jetzt hören Sie diese Worte: „Wissen Sie, wessen man sie anklagt, um sie zu verderben, um sie zu opfern? Man beschuldigt sie, christliche Kinder, Christen zu tödten, um deren Blut zu erhalten und bei ihren Ostergeheimnissm das ungesäuerte Brot damit zu kneten! Wissen Sie, was man thut, um sie vogelftei zu erklären und .ihre Güter zu consisciren? Man wirst in die Gosse ihres Mertels den Leichnam eines Christen und klagt sie dann an, diesen Christen ermordet zu haben! Wissen Sie, wie man verfährt, um sie zu überführen? Man bringt sie auf die Tortur, bis der Schmerz diesen Unglücklichen die Geständnisse entreißt, die man wünscht." Diese Worte schrieb der weise, der fromme Manasse an den Protector Cromwell, als er erbat und erwirkte, daß die unter Eduard I. für solche Verbrechen, die auf solche Weise erwiesen waren, aus England vertriebenen Juden wieder dahin zurückkehren dursten. Vor zwei Jahrhunderten wurden diese Zeilen geschrieben; der Mord zu Damaskus im Jahr 1840 ist eine Wiederholung der Verleumdungen vom Jahre 1640. „Die Civilisation, sagte Mendelssohn ein Jahrhundert spater, die Civilisation hat alle diese erbärmlichen Legenden noch nicht vertrieben. In Böhmen, zu Nürnberg werden die Juden zu bestimmten Stunden des Tages nicht eingelassen, weil sie Chcistenkinder stehlen würden; des Nachts wird ihnen unter aller Bewachung nicht getraut, weil sie dann mit den bösen Geistern verkehren. Es ist nicht lange her (dies wurde 1782 geschrieben), daß die Judenschaft in Posen eines Kindermordes beschuldigt wurde. Zwei fromme Rabbiner wurden, als Häupter der Gemeinde, zu Tode gemartert. Barmherziger Gott! sie waren eben so schuldlos als ich und meine Leser es sind. In Wien verschwanden unter dem Kaiser Friedrich drei Christen; die Juden wurden beschuldigt, sie ermordet zu haben, um sich in dem ungesäuerten Brote mit ihrem Blute zu letzen. Dreihundert derselben wurden 17 *

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