Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 14 (4.4.1840)
- Article
- Allgemeines Archiv des Judenthums ... [Rezension]
- Date
- 1840-04-04
- Page
- 217 (sequence 3)
- Language
- German
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219 Dr. S. Holdheim; der religiöse Fortschritt im deutschen Judenthume. 220 4) Allgemeines Gebetbuch der Israeliten, übersetzt von'Dr. ' Hememann; 5) Hebräisch - deutsches Wörterbuch zum Siddur von demselben; 6) Zwölf Reden, gehalten in der israelitischen Gemeinde zu Sondershausen, von I. Wolfsohn, Inspektor und Religionslehrer in Breslau, herausgrgeben von Dr. Heinemann. — IX. Massora, Bibeln, Concordanzen (d. h. DnpJ CHpJJ D>TPD- Der Herausgeber betritt hier ein Feld, in dem er sehr gern zu verweilen scheint, nämlich das des Klaubens und Streitens. ' * * 2) Der religiöse Fortschritt im deutschen Judent h u m e von Dr. Samuel Holdheim, Rabbiner in Frankfurt a. d. O. (Leipzig, Commission bei C. L. Fritzsche, 1840). Die Fortschritte, welche das deutsche Judenthum gemacht hat, sind zwar an und für sich betrachtet groß, aber doch nicht so bedeutend hinsichtlich dessen, was noch zu thun ist, daß über sie schon abgeschlossen werden könnte. Es dürfte also von Vornherein ein Zusammenfaffen des bis jetzt geleisteten und temporären nur zwar sehr geringen Werth haben; und in der That scheint auch das Büchelchen nicht mehr als aufsolchen Anspruch zu machen, um so mehr, da es trotz seiner auf allgemeine Uebersichten vorbereitenden Titels, von diesem anfangs auch wie wohl nur scheinbar vorliegendem Zwecke abgeht, und sich zur Polemik einer andern Zeitbr.oschüre und zur Besprechung der damit in Beziehung stehenden Kämpfe zusammenzieht. Da jedoch dieser Gegenstand einer der Haupthebel ist, wodurch die so lange schlummcrndern Kräfte in Thätigkeit gesetzt wurden, so dürfte es nicht überflüssig sein, an eine kurze Inhaltsangabe jener Broschüre des Dr. Holdheim auch einige Betrachtungen anzuschließen. — Der Verfasser wirft die Frage auf, was als das wirkliche Kriterium des Fortschreitens zu betrachten sei, abgesehen von zeitlichen und örtlichen Einflüssen. Hier bieten sich sogleich zwei der höchsten Interessen des menschlichen Lebens zur Betrachtung dar : Kultus und Schule. Sehr richtig entwickelt hier der Verfasser die Ansicht, daß die Einführung moderner Kultussormen nur dann als wirklicher Fortschritt zu betrachten seien, wo bei den größten Theil der betreffenden Gemeinde ein empfänglicher Sinn, und so zu sagen, ein europäisch ^religiöses Schicklichkeitsgefühl für ansprechende, zeitgemäße Formen vorhanden sei; daß aber solche Kultreformen in Gemeinden, deren größerer- Theil noch von dem orientalischen Element beherrscht wird, ihres segensreichen Einflusses ganz verfehlen würde. *) Sind also auch Kultreformen im naturgemäßen Fortschreitendes Zudenthums nothwendig begründet, so sind sie doch nicht dasjenige, womit die Reform beginnen soll; das wahre Element des wesentlichen Fortschrittes bietet der Iugendunterricht dar. In der That hat ein solcher, wie er jetzt fast allgemein geworden ist, weit weniger Widerstand von Seiten der Orthodoxen gefunden, obgleich durch ihn eben die Bahn gebrochen wird, der die Reform unaufhaltsam heranzieht. Und wirklich stelltsich in dem Felde des Unterrichts in kleinerem Maßstabe das heraus, was sich in dem Gebiete des ganzen jüdischen Lebens schon früher gezeigt Haft Wahrend die Eigenthümlichkei.tcn im äußern, gesellschaftlichen Treiben längst sich der zeitgemäßen Bildung accomodirt hatten, als die Formen des religiösen Lebens kaum eine Ahnung davon empfanden, so war auch das Studium der profanen Wissenschaften schon etwas verbreitetes, gewöhnliches geworden, ehe man ernstlich daran dachte, auch einen zweckmäßigen Religions- *) ES genügt, dies zu erhärten,, auf Zustände wie Weimar ti. s. ro, hinzudeuten. unterricht zum Gegenstände der Berathung zu machen. Hier nun tritt eben dasjenige am stärksten hervor, was den in vorliegender Broschüre ausgestellten Resultaten zwar nicht die Nichtigkeit benehmen kann, ihnen aber die feste Wurzel raubt, und sie nicht zum treuen Abbild gerade der jetzigen Zeit werden läßt. Ich meine damit eine historische Basis dessen, was bis heute erzielt worden ist. Der Fortschritt als solcher tragt, wie Vfr. selbst S. 3 sagt, das Element in sich, welches jede erstarrende Stabilität ausschließt; der Fortschritt kann also nur als solcher betrachtet werden, wenn er in Beziehung zu den veranlassenden Einflüssen betrachtet wird. Eine solche Deduktion aus der Quelle, ein Hinweisen auf den Lauf des immer mehr anschwellenden Stromes fehlt aber hier, wo sie am wenigsten fehlen sollte. Bei der ungemeinen Thätigkeit, in welcher sich die Entwickelung aller jüdischen Zustände befindet, wo in den mannigfachsten Bestrebungen stets das festzuhalten ist, wnvon man ausgegangen, genügt es nicht, stets vorwärts zu schauen, auf ein in düsterem Dunkel gehülltes Ziel, sondern der Rückblick allein bietet einen höhern Maßftab. — Doch abgesehen hiervon, sind die Worte, die Hr. Dr. Holdheim über die Nothwendigkeit eines geeigneten Religionsunterrichtes (angelehnt an jene Talmudstelle Berachot 63 (121 1117112' in 1\N1 DK) spricht, wenn sie auch nichts unbedingt neues enthalten, doch so wahr, und so motivirt, daß man den innigen Wunsch nicht unterdrücken kann, diese Ideen endlich einmal zur allgemeinen Anerkennung kommen zu sehen. Es heißt hier (S. 9): „die Religion ändert sich nicht in den Zeiten, weil sie eben das unveränderlichste Element ist, das dem Zeitwechsel nicht unterliegt, aber die Art und Weise, wie sie den Menschen gelehrt werden soll, ist wohl von der Zeit bedingt und abhängig. Sie ist verschieden, je nach den verschiedenen allgemeinen Bildungsstufen und Bedürfnissen der Zeit. Die Religion selber kann nicht ein Zeitbedürfniß genannt werden, sondern ein Menschen- und Geistesbedürfniß, aber die Form, in welcher sie den Menschen dargestellt und beigebracht, das Gefäß, in welchem sie ihnen dargereicht werden soll, kann wohl je nach den verschiedenen Zeitbedürfnisftn, verschiedenartig sich gestalten." — * * 3) iTlIrp TD r^irD oder Liedersammlung aus dem D i w a n d e s I e h u d a H a l v w y, mit Einleitung und Anmerkungen von S a m u e l D a v i d Luzzatto, Prof, am C. R. zu Padua. Prag, 1840. Hr. Luzzatto, imermüdet die Schätze althebräischer Literatur mit Umsicht, zu beleuchten und ans Licht zu fördern, bietet dem Freunde altiberischer Poesie in vorliegender Schrift neuerdings eine kostbare Spende. Ein gewisser E l i e s e r Ben Salomo, Antiquar, kaufte in Tunis, nicht ohne Mühe, dm Diwan des Iehuda Halvwy für Luzzatto, aus welchem in dem vorliegenden Buch 22 Gedichte und Gesänge uns geboten werden. Da dieses Buch Hr. L. einem seiner Freunde Iosua Schor dedizirte, und zwar zu dessen Vermahlungsfeier, so wählte L. alle im Diwan enthaltenen Hochzeitcarmma, und die auf die Reise I. Halewy's nach Palästina Bezug habende Gedichte. Luzzatto versah das Werkchem auch mit einer Vorrede, in seiner einfachen, durchsichtigen Art, und die einzelnen Gedichte mit linguistisch erläuternden Anmerkungen, die großentheils von Nutzen sind. Den Diwan sammelte zuerst ein Rabbi Chija nach L. Aldaudi bcigenamt, den der *12ft*) als vom Hause David abstammend anführte (S. -DlKTl r6üp). Dieser Chija, der in Kastilien starb und in Leon beerdigt wurde, scheint ein Bekannter des ebenfalls in Kastilien gewesener Iehuda Halewy's gewesen zu sein, was Ursache war, daß er seine Gedichte gesammelt. — Nach ihm war es Ieschua