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Der Orient · 1840-03-14 · 11 (14.3.1840) · p. 162

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
11 (14.3.1840)
Article
Süsskind von Trimberg, der jüdische Minnesänger
Date
1840-03-14
Page
162 (sequence 2)
Language
German
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163 164 Süßkind von Lrimberg, der jüdische Minnesänger. Schafe darüber zu Grunde. Der Dieb wünschet, daß niemals eine Thür verschlossen würde; der Böse möchte, daß der Biedere wäre verdammt". Die dritte Strophe ist eine Paranese an die Reichen, den Armen nicht zu verachten, da er doch sein gegenwärtig bedarf und zukünftig ihn brauchen könne.' Hat der Reiche Mehl, so hat der Arme dabei Asche; halt man den Esel auch unwerth, so war er doch stets zum Dienst bereit. Er schließt sehr witzig: „Wer sollte denn dienen, wenn der Arme nicht wäre, gut war stets das Vast, daß man den Sack damit verbinde." Svvie vil das mensche zuo der weite guotes habe Und es gedenke wie es seheiden muos dar abe Ze leste mit dem tode So mag es truren sere da vor Nit friunt riclituom gebürt von hoher art Wisheit ge'vvalfc nas inuesse an des todes vartv Es darf da hur nicht suochen weder rat noch lere Kein meister in nigroniancia Wart nie so vviser rete Das er ie wurde des todes vri Noch heilig wis prophete Dur den grossen ungewin ich dike gar betruebet bin So nieman weis nu vva diu sele kumet hin So der tot den lib ermant das er von leben kere Vil mangcr muos bescheiden wesen dur die not Der unbescheiden vvere vvan das im gebot Sin meisterschaft das er unfuoge mueste lassen Da bi so nem ouch maniger gernde den gesuoch Das liesse er nicht dur Got Noch dur der liuten fluoch Wan das er hat des houbet guotes al ze massen Und das der esel heti liorn nie liute er uiderstiesse Vermoechti kocheldrille sinen zorn Nieman es leben liesse Stiunt an wollen gar die kur Vil sohaffen man daran vcrlur Diep wolti das beslossen wurde niemer tur Der loese wolle das der biderbe wer verwassen Hatte lieber mel der arme da bi eschen hat Daran gedenke ein vviser man das ist min rat Und lach dir nit den armen sin Ze smehe zeinem friunde Vil lichte kumet die stunde das er sin bedarf Davon si richer gen dem armen nicht ze scharf Kuo sim der hagen den s'itmer nicht wol getuon kundc Wie man den esel hat unwert D o eh was er ie gereite Wa man ie sines dienstes gert Das er in nie verSeite Hetti nieman zu armuotcti pflicht Der riehen-riehtuom wer ein wicht Wer solt dan dienen ob der arme vvere nicht Guot was ie das haste Das man den sak damit verbünde 9, Z. 7. 85cn Hagen: , Kuo sunder hagen gen sumer niht wol getoun künde Sinn: Eine Kuh bedarf des Hains im Sommer, so der Arme des Reichen, und umgekehrt. In dem fünften Gedicht schildert der arme dichtende Jude sein häusliches Elend und sagt der undankbaren Poöterei auf immer Valet. Er bittet die Milden um Abhülfe seiner Noch und stellt seine dürftige Haushaltung auf ähnliche Weise allegorisch dar, wie Tan hu» ser und Wernh er: da drangen ihn Heb aus und Findenichts, Herr Darbian von Bigenot^) und Herr Dünnehabe; darum weinen oft seine Kinder, die so schlechte Schnabelweide‘1 2) haben. Dann sagt er, seinen Mißmuth gegen die Siugekunst ausschüttend, er wolle fürder wie ein alter Jude leben, sich den greisen Bart lang wachsen lassen, unter einem (jüdischen) Hute, mit langem Mantel demüthig einhergehen, nicht mehr mit seiner Kunst auf der Thoren Fahrt ziehen, sondern fern vom Hose der Herren, die ihm Gabe versagen, nicht mehr hofelichen Sang singen. Wa heb uf und nicht en vind Tuot mir vil dike leide Her bigenot von darbiori der-tuot mir vil gevere Des vre inen t dikiu miniu kint Boes ist ir snnbel weide Er hat si selten sat getan Bis auf die frocitfenbere ln minem hus her dünne haben Soli affet mir urige rete Er ist zer weit ein muclich knabe Ir mitten helfcnt mir des bbesevvihtcs abe Er svvechet mich an spise und ouch an wete Ich war uf der toren vart Mit miner kunste zvvare Das mir die herreil nicht vvent geben Das ich ir hof vvil vliehen Und vvil mir einen langen hart lan wachsen griser baren Ich vvil in alter in den leben Mich hinnan fiurvvert ziehen Min mantel der sol wesen lang Tief under einem huote Demueteklich sol sin min gang Und selten me gesingen hovelichen sang Siel mich die herren scheiden von ir guote Am verfänglichsten ist das letzte Gedicht, und, wenn der Dichter sich selbst darin weiß brennen will, ein unerhört natürliches Gestandniß. Der Wolf beklagt sich viel jämmerlich, daß er wegen seines Leibes Nahrupg in der Acht sein müße, da er doch dazu geboren sei, sie auf 1) So hieß nach v. Hagen wirklich ein Schöffe zu Enkker'ich Theodoricus Bcgenot. . 2) Dieser Ausdruck erinnert, wie v. Hagen bemerkt, an jenen in der Nahe bekannten Ortsnamen, wovon eins der verschiedenen Eschenbache an der Schnabelweide benannt wird.

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