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Der Orient · 1840-03-14 · 11 (14.3.1840) · p. 163

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
11 (14.3.1840)
Article
Süsskind von Trimberg, der jüdische Minnesänger
Date
1840-03-14
Page
163 (sequence 3)
Language
German
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165 Süßkind von Lrimberg, der jüdische Minnesängen Dn Krafft's Proben aus Lachkemoni. 166 diese Weise zu suchen. ,,Die Schuld ist nicht mein; mancher Mann hat gute Gemächlichkeit, den man falsches Spiel treiben und sein Gut ganz offenbar mit sündlichem Streben gewinnen sieht. Der thut viel übler, als wenn ich ein Ganslein nehme. So habe ich auch nichts des rothen Goldes zu geben für meine Speise. Deshalb muß ich rauben für den Leib wegen des Hungers Noch. Der Falsche ist in seiner Weise viel schädlicher, denn ich, und will doch unschuldig sein/7 Din vvolf vil iemerlichen sprach Wa soL ich nu beliben Sid ich dur mines libes nar Muos wesen in der achte Darzuo so bin ich geborn niu schult dun ist nicht in in V7il manig man hat guot gemach Den. man sicht valscheit triben Und guot gewinnen offenbar Mit siundcklieber trachte Der tuot wirser vil dan.ob ich nein ein gensei in Ion hab ich nicht des goltes rot Ze gen ne umb mine spise Des muos ieh rbuhen uf den lib durch hungers not Der valsch in siuer vvise Schedelicher vil dan ich Und vvil unschuldig sin Die aus den mitgecheilten Gedichten Süßkinds hecvorgehenden Ergebnisse für seine Lebensgeschichte sind nur' die, daß er am Hungertuch.e kaute, daß er, zu arm, um sich durch Zinsen (gesuoch) zu nähren, sich durch Dichten die Sorgen und den Hunger zu vertreiben suchte, daß er aber den Musen, weil sie sich ihm so ungünstig bezeugten, zuletzt gram wurde, und der Dichtkunst entsagte. Es bleibt ungewiß, ob dies nur eine drohende Apostrophe, oder ein wirklich nachher ausgesührtec Willensentschluß war. Daß er der Arzneikunde beflissen gewesen, schließt Koch zu keck aus dem Recepte zu der Tugend-Latwerge im zweiten Gedichte. Auf jeden Fall bleiben diese Gedichte eines jüdischen rheinländischen Minnesingers ein interessanter Spiegel der geistigen und materiellen Zustande seines Volkes, und ein beachtenswerrhes Seitenstück zu dem Gemälde der Rheinlande, das ein jüdischer Dichter in einem hebräischen siebenstrophigen Gedichte, beginnend TH 'OTH (Zemirot Cod. Lips. Nr. 30) entworfen hat. Aus Alcharrsi s Tcrchkemoni. Vierzehnte Ma käme, s o c i n © e b e t enthält, — köstlicher denn alles Gold der Welt. — (Zorlsi'tzimg.) Gnädiger, dessen Barmherzigkeit — den Sündern verzeiht! — der ungeschaffen Alles schafft, -— und Alles i erzeugt aus seiner Kraft, — dessen Herrschaft unvevgleichlich, — Alles erreichend, doch unerreichlich, — der, was er allein beschlossen, -— vollendet ohne Genossen! — Du König ohne Rath und Pfleger, — Richter und zugleich auch Kläger! — dich ruf' ich an, du höchstes Licht, — dem kein Wesen schaut in das Angesicht, — nach welchem jeder Gedanke trachtet, — und jede Seele schmachtet, -— den jedes Auge voll Sehnsucht betrachte (! — Ich bitte dich, daß du mich gnädig schonest, •— bei dem Lichte, worin du thronest, — der du an keinem Orte wohnest, — der du fern bist und nah, <— der du sprachst, und die Welt war da! — Ich flehe dich an bei deines Wesens Lebendigkeit, — und Ewigbeständigkeit, — bei deiner Allmächtigkeit, — und Gerechtigkeit, — bei deiner ewigen Reinheit — und deiner unbegreiflichen Einheit: — daß du mich reinigest von dem Sündenwust — und mich rettest aus dem Meer der Lust, — daß du einen heiligen Geist in mich legest, — und mich zu allem Guten erregest, — daß du mir helfest zum rechten Verstandniß, — und mich heiligest durch deine Erkenntniß, — aus daß ich dich erkenne, — und mein Herz für.beiite Wahrheit brenne, auf daß mein Dasein sei nicht vergebens, — und ich nicht verfehle den Zweck meines Lebens, — damit ich nicht werde von der Erde hmweggenommen, — als wie ich hereingekommen, -— ohne der Tugend Kleid, — und ohne den Mantel der Gerechtigkeit. — Gott, der du mich riefst aus dem Nichts zum Sein, — du bist der Herr allein, — der, eh' ich ward, mich gehegt in seinem Gnadensein, — und dessen Huld mich' pflegt, bis ich nicht mehr sein, — der seit unvordenklichen Jahren, — ehe denn Himmel und Erde waren, — mich getragen in seinem Gedankenschooße, — und seine Liebe mir schenkte, die grenzenlose., — der mich mir seiner Huld beglückte, — bevor ich das Licht der Welt erblickte, — der dort oben beschloß, mich zu schassen hinieden, und den Sternen meines Lebens ihren Gang beschieden, — der meine Kräfte gebildet durch seinen Werderuf., — und mein We.fen aus Himmel und Erde schuf, -— der mit dem Himmelsgeist mich beseelte, — und ihn dem Erdenleide vermählte, — der seinen Gnadenregen — und seinen Liebessegen — auf meiner Väter Väter senkte — und mit seiner Fülle meine Ettern tränkte; — der dem Nichts gebot und es spaltete sich, — dem Chaos und es entfaltete sich, — der hervor mich führte aus dem Nichts, — aus dem Schooß des Chaos an den Strahl des Lichts, —- der auf mich seinen Athem sandte, — seiner Güte Reichthum mir zuwand-te, —- der mich gebildet in des Mutterleibes Nacht, — und mich an das Licht der Welt gebracht, — und des Lebens Flamme in mir entfacht; — der mich getränkt an meiner Mutter Brust — mit Lebensmark und mit Lebenslust, — der meinen Eltern flößte die 11*

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