Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 11 (14.3.1840)
- Article
- Süsskind von Trimberg, der jüdische Minnesänger
- Date
- 1840-03-14
- Page
- 161 (sequence 1)
- Language
- German
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Literaturblatt -es Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. JVi 14» Leipzig, den 14. März 1840» Süßkind von Trimberg, der jüdische Minnesänger. Frühester Anschluß der nationaldeutschen Singkunst. — Dr. Kr afft's Proben aus Alcharist's Tachkernoni. — Sendschreiben S. I. Rapaport's an SlonimsLi. — Literarische Skizzen und Berichte. Pleßner's Schriften. Die Familie der Eiferer. Kimchi's Commentar zur Genesis. Die Vierstadte - Naobinen. — Literarische Ankündigungen. — Süsskind von Trünberg, der jüdische Minnesänger• Nach von Hagen von Fr. Delitzsch. (Schluß.) Das zweite einstrophige Gedicht malt die Freiheit, die Schnelligkeit und die Schwungkraft des G e d a n k e n s, welcher Stein, Stahl und Eisen durchdringt; der schneller, als der Blick des Auges, dahineilt; der auf der einen' Seite nach dem Gold der Minne, auf der andern nach den Geheimnissen der Gesichte lüstet; der über allen Aaren hoch in den Lüften schwebte Gedenke ui am au kan ervvern Den torn noch den vviseti Darumbe sint gedenke vrL Uf ailerluuule suche Hera und sin dur gemache Dem mensehen sint gegeben Gedenke an sleft'e dur den stein Dur stahcl und durch ysen Gedank kein achte-wie die haut dis und das gemachet Wie man gedenke nie gesuch St doch hört streben Gedanke ist sneller über reit Den der biike is ougen Gedank gLust bringet 'nach der mituie golt Nach der gesichte tougen Gedank kan vvol ob allen um Hoch in dien 1 lüften sw eben 4, Z. 5. Von Ha gm verständlicher : Gedenke slull'en dar den stein, durstahel und durch isen. Das dritte aus zwei Strophen bestehende Gedicht lobpreist zunächst Gott aus den Werken der Natur (vielleicht schwebte den Dichter das ihm sicher geläufige vor), ihn, dem noch nie gebrach, wie den Tag er zieren sollte, der mit seines Mondes Licht die Nacht stattlich schmückte, dessen Schönheit ewig wahrt, der viel solcher Gaben zu geben hat, die nicht zergehen. Vom Lobpreis Gottes fällt der Dichter herab zu dem Lobpreis des „viel reinen Weibes", als der Krone des Mannes, deren Licht selbst in der Nacht nicht verlöscht. Doch ist diese Strophe so züchtig gehalten, daß sie mit der ersten ihrem Geiste nach nicht so grell conrrastirt, obgleich die Ideenverknüpfung völlig fehlt. Kiung herre hoch gelopter Got Was du vermacht Du luchtest mit dem tage und vinsterst mit der nacht Da von diu vverlt vil froeide und tuovvc hat Kiung aller eren dir noch nie gebrast Wie den tag du zierest Mit der surmen glast Ünd ouch die nacht dins mimen liecht vvol stat Du Lernst himei mit den stern Diii schon iemer mag gevvern Du hast ze geben gäbe vil der nicht zergat Irs man krön ist das vil reine vvip deiner in vvol eret Ir vvol vverder lip Er selig mau dein diu guote si bescheret Der mag sunder zwivcl Mit ir sine iar Willcklich vertriben Stille und offenbar Er sich mit ir siunden und* schänden, wert Mit hoher stet ist si bedacht ir liecht fiur loeschet nit in nacht Ir hohes lop mit der meiste menge verfc Die erste Strophe des vierten Gedichts nach von Hägens Abtheilung schildert die unerbittliche, alle Lebensfreuden verkümmernde Macht des Todes, gegen den noch kein Meister der „Nigromantie" ein Mittel erfunden, der Alle, selbst die heiligen weisen Propheten, in ein unbekanntes Land dahinraffe. In der zweiten macht der Dichter die naive Bemerkung, daß manchen, der keinem Meistergebote gehorsam sein würde, die Noch bescheiden mache, und daß mancher trotz Gott und aller Leute Fluch wucherische Zinsen nehmen würde, wenn er nur ein Capital hatte. „Hatte der Esel Hörner, so stieße er die Leute nieder; hätte das Krokodil Macht, seinem Ingrimm gemäß zu wüthen, so ließ es Niemand am Leben; stände dem Wolfe die Wahl frei, so gingen viel 11