Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1840-03-07 · 10 (7.3.1840) · p. 147

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
10 (7.3.1840)
Article
Süsskind von Trimberg, der jüdische Minnesänger
Date
1840-03-07
Page
147 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
86% known words query
IRI
…/8555529-9891396-9891412-2361890--0170-2361930
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

149 Süßkind von Trimberg, der jüdische Minnesänger. 159 Die einzigen Ueberbleibsel der Gedichte des Juden Süßkind von Trimberg sind in der bekannten Sammlung Rüdger Manessen's enthalten, welche Bodmer auf der königlichen Bibliothek zu Paris entdeckte und im Jahre 1758 zu Zürich herausgab, jedoch incorrekt und mit Weglassung wenigstens eines Siebentheils des Inhalts. Vier Strophen dieser Gedichte hatte Bodmer bereits in den „Proben der alten schwäbischen Poesie" (Zürich 1748) mitgetheitt. Die ganze Manessische Sammlung gab zum zweiten Male aus der Pariser Urschrift, nach G. W. Roßmanns Vergleichung ergänzt und hergestellt Friedrich Heinrich von der Hagen heraus in dem riesenhaften Werke, Minnesinger betitelt, welches ein ehrenvolles und unvergängliches Denkmal der deutschen Literatur bleiben wird. Die Gedichte unseres jüdischen Minnesängers finden sich in der Bodmerschen Ausgabe S. 177 —179 unter der Aufschrift: Süskint der Jude von Trimperg; in dem von Hagenschen Werke (Leipzig, Barth 1838. 4 Theile in 3 Quartbänden). Th. II. Nr. 119. S. 258 — 260, zuerst abgetheilt, kritisch hergestellt und sprachkundig wiedergegeben, unter der Aufschrift: Süzkinr von Trimberg, ein Jude. Wir bedauern es sehr, daß wir nicht im Stande waren, den Abdruck der Gedichte Süßkinds nach dem Texte von Hägens besorgen zu lassen; wir wurden des kostbaren Werkes des Letzteren zn spat habhaft, so daß wir nur die schlechthin unverständlichen Stellen des Bodmerschen Textes daraus haben anmerken können. Der Originaltext laßt überhaupt manches zu wünschen übrig, da er in der Handschrift zu den Nachträgen von der späteren schlechteren Hand gehört, welche, wie die Lesarten weisen, so manches Schweizerische eingeschwarzt hat. Auf jeden Fall hoffen wir den Freunden der jüdischen Literatur im weitesten Sinne des Wortes ein angenehme Gabezubringen, wenn»wir ihnen, bei der Seltenheit und Kostspieligkeit der genannten Werke, eine Anschauung mittelalterlichen jüdischen Minnesangs selbst in einem Abdrucke verschaffen, der für die Kenner und Forscher der altdeutschen Literatur philologisch nicht genügend sein kann. Zum Verstandniß des Textes habe ich mich des Mittelhochdeutschen Wörterbuchs von Adolph Ziemann (Quedlinburg 1838) bedient, es jedoch nicht ausreichend gefunden. Das erste dieser Gedichte besteht aus 3 Strophen, die lose aneinandergeknüpft sind. Jede einzelne hat einen in sich abgeschlossenen Sinn und ist vielleicht ein besonder Identität. Wahrscheinlich kam dieser Name zu den deutschen Juden aus Südfrankreich, und hängt zusammen mit Bonfils, Bonenfant (f. oben Bonifan), IW (in Limoges), vgl. Zunz, Namen der Juden S. 51. 63. 69. (wo auch der Name Gutkind belegt ist). Dieses Bedenken kann jedoch, von Hägens Zusammenstellung, in der das Manessische Gemälde ein so herrlich schließendes-Mittelglied bildet, keineswegs entkräften. | ders außer Verbindung mit den andern stehendes didaktisches Epigramm. Der wahre Adel (dies der'Inhalt der ersten Strophe) besteht in der Tugend, nicht in der Geburt; die Untugend macht das Adelkind zum Hader und stürzt das Gebäude edler Abkunft um. Von den Dornen entsprießen Rosen; hingegen wird das Mehl schlecht, wenn viel Trespen unter dem Korne sind. Adel von adeliger That — das ist der immerglänzende. Die zweite Strophe spricht in einem eigenthümlichen uns lächerlichen Bilde von der allerbesten Latwerge, aus den fünf Pigmenten der Treue, Zucht, Freigebigkeit rc. gemischt, die gegen alle geistlichen Krankheiten und Schaden gut sei und deren Büchse der menschliche Leib sein müsse. Die dritte enthält einen schwermüthigen Hinblick auf das Grab, das den Menschen in der unreinen Würmer Gesinde" bringt und schließt mit einen frommen bußfertigen Seufzer um eine selige Ewigkeit. Wer adeliclien tuot den wil ich han für edel Wie man sis adels achtet nicht gen eim ze edel Nu sicht man doch bekomen rosen von dem torne Wa sich mischet vil Untugenden zuo dem adel Da mag das adel kleit vvol werden ze einem hadel Nicht guot dem mel na vil getreffes ist unter körne Wa adel adellicher tat Der adel lutert immer Wa adel arkeit vil begat Verhouvvet guot gezimber Wer nicht si von hohen namen Und sich Untugenden welle schämen Darzuo sin ding zuo dem besten kan gezanien Den heis ich edel wie er nicht si von adel der geborne Zu Strophe 1, Z. 2. Von Hagen lieft: Swie man si(n)s adels ahtet niht gen eine zedel. Kein besser Iatvverie nie gemachet wart Als ich 1er und kiunde von sinneklicher art Gesund ze laster wunden und ze sehanden siuchten Mit himf bimenten rein sol si gemenget sin Triuvve und zuht milti und manheit hoert darin Dabi sol maset bulvern smeken und truchten Dise Iatvverie ist er genant ein hals ob allen spisen Mit ir vvirt schänden not entrant Si zimt nicht dem unwisen Wem si wont stete hl Der ist vor houbt schänden vri Wol im des lib der latwerien buchse si Sin reines lop sin hoher nani Wirt bloeten und frühten 3« Strophe 2, Z. 6. Von Hagen liest; Da bi sol maze(t) pulvern, smekken unde trühten. Das vierte Wort, wahrscheinlich Bezeichnung der fünften Lugend, ist dunkel. Wenne ich gedenke was ich was ald was ich bin Aid was ich werden muos So ist alle min froeide dahin Und wio die tag mis lebendes louffen Von mir swinde- Und ist das nicht ein iamer süfzen bernde not Das ich von tag ze tage muos fiurchten den tot Wie er mich bringe in der unreinen wiurmen gesindc Wie solt ich dabi vro gesin 10

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.