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Der Orient · 1840-03-07 · 10 (7.3.1840) · p. 146

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
10 (7.3.1840)
Article
Süsskind von Trimberg, der jüdische Minnesänger
Date
1840-03-07
Page
146 (sequence 2)
Language
German
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147 Süßkind von Trimberg, der jüdische Minnesänger. 148 Glanzperiode des schwäbischen Minnegesangs weine, der von der Lyrik anhab, bis zur Epopee aufstieg und in der Lehrpoesie endete; der aus der Heiligenlegende, der Volkssage und der sowohl heiligen als profanen Geschichte seine bunten Stoffe entnahm, und die Gottes-Minne mit der Frauen-Minne zu einem, wenn nicht zuchtlosen, doch ungeziemenden Nebeneinander paarte. In dieser Periode, die uns bis zum Ende des 13. Tahrh. allein mehr als 300 Lyrische Dichter vocführt, wurde auch die jüdische Poesie mit fortgeriffen, vielleicht eben so sehr durch das Ideale als das Einträgliche der Singekunst. Bereits gegen die Mitte des 13. Jahrh. treffen wir in dem gesangreichen Frankenland (durch Biterolf, Botenlauben u. a.), das schon damals in Würzburg, wo die sangliebenden Henneberger Burggrafen waren, besonders durch Walther von der Vogelweide, nachmals durch Meister Konrad einen städtischen Mittelpunkt hatte, einen dem Minnesänge huldigenden Juden, ohne besondern Grund zu haben, diese Erscheinung für eine isolirte zu hatten. Seine Gedichte zeugen von Sinn und Geschick, und weder Sprache noch Ausdruck würde den Juden verrathen, wenn nicht die jüdische Autorschaft aus dem Zeugnisse der Handschrift und dem Mitleid erregenden Selbstgeständnisse des Dichters unwiderleglich hervorginge. Er zeigt, wenn nicht Reichthum des Geistes, doch überall Sinn und Geschick, die schon mannigfach vorgebildete Lehrhafte Seite der Dichtkunst auszubilden. Seine Gedichte bestehen aus solchen einzelnen Strophen, wie bei Reinmar, Wernher u. a., mit dem er auch in dem Spruch über adelich Thun und edele Geburt, über Gedankenfreiheit, in seinen Todesbetrachtungen, seinem Frauenlob und anderen einzelnen Sprüchen, wie von Hageu beweist, übereinstimmt. Seine fünf jambischen Weisen (l. und IV.) sind kunstgerecht gebaut, und ihre drei Theile bilden meist die Schlußreime. Messung und Reime sind ziemlich gut. Wir freuen uns sehr, durch den Fleiß, Kenntnißreichthum und Forscherblick von Hägens in den Stand gesetzt zu sein, diese Notizen geben und auch Einiges über das Leben des Dichters sagen zu können, mit Aufnahme des unter Nr. 119 (S. 536 ff.) der „Minnesänger" von Hägens scharfsinnig Ermittelten; denn unsere eigenen Forschungen nach den Lebensumständen des Dichters waren schlechthin verloren. Der Name des Juden, der so in die Reihe der Sangesmeister tritt, welche, später wenigstens (z. B. Regenbogen, *) der Begründer der bürgerlichen Smg- oder Meisterschulen), so heftig gegen die Juden dichteten, 1) Wir haben von ihm eine ganze Gruppe solcher Lieder, welche in den heftigen Judenverfolgungen zu Anfänge des 14. Zahrh. ihren geschichtlichen Hintergrund haben, s. v. Hagen, Minnesinger IV. S. 639. ist Süß kind von Trimberg. Seine Heimat Trimberg, ein fränkischer Ort im Würzburgischen, ist schon bekannt durch den Bamberger Schulmeister Hugo, den Dichter des Renners, und war, wie die Würzburger Urkunden zeigen, früher auch die Stammburg eines edlen Geschlechts. Daß Süßkind wirklich ein Jude gewesen (was Docen nur für ein Figment aus der vorletzten Strophe seines Gedichts erklärt), ist gewiß, und derselbe findet sich als solcher urkundlich in der Stadt Würzburg. Hier wird nämlich im I. 1218 dem Juden Süßkind (judaeo Smkint) von St. Aegidion und Dietrichs Spital, mit Bewilligung des Dompropstes Otto, ein Grundstück verkauft, unter der Bedingung, eine un« terirdische Wasserleitung auf seine Kosten daselbst einzurichten und zu erhalten, Q) über welche Wasserleitung im Jahre 1225 ein mit dem Hospital entstandener Streit durch denselben Domprobst geschlichtet wurde. Auf dieses Vochättniß zu der Geistlichkeit in Würzburg bezieht sich auch wohl das Gemälde der Manessischen Handschrift, welches zunächst das des Schenken von Landegge vor dem St. Gatter Abt erinnert: der Jude erscheint in reicher Tracht, mit langem Bart und herkömmlichen Abzeichen des trichterförmigen spitzen gelben Hutes 2 3) (dergleichen die Juden noch vor unlangen Jahren beim Eintritt in Nürnberg aussetzen mußten), vor einem geistlichen Herrn, der, von einigen Geistlichen umgeben, mit Krummstab und Mütze, ähnlich jener des' Abtes von St. Gallen, auf einem Throne sitzt, hinter welchem eine Fahne mit schwarzem Kreuz im silbernen Felde steht. Dieses Wappen, ganz verschieden vom Bischöflich-Würzburgischen, scheint das Wappen des Stifts, dem der Jude sich verpflichtet, so wie der sitzende Geistliche ohne eigens liche Bischofsmütze nur der Stiftsherr.4) 2) Als Zeugen obigen Kaufcontracts sind unterzeichnet die Juden: Calenian. Liebermann de Grunsvelt.‘Bonifan. Sconeman. Abraham. 3) Wie auf den Bildern der Herrad von Landsberg (12. Jahrh.) und des Sachsenspiegels. Die Farbe des Hutes ist bei Herrad weiß, in letzterem gelb. In der Vorrede zu Batt's, Babo's ff. Abbild. Sp. XXN1. wird auch das Gebot dieses Abzeichens der Juden im Schwabmspiegel und andern alten Ncchtsbüchern, und dieselbe Tracht überhaupt als Unterscheidung der Heiden auf Bildern anderer Heidelb. Handschriften nachgewiesen. 4) Diese scharfsinnige Combination von Hägens hat nichts wider sich, als die Schilderung, welcher der jüdische Dichter von seinen traurigen Lebensverhältniffen, seiner drückenden Armuth und seinem fahrenden Singer-Handwerk entwirft, wonach es unwahrscheinlich ist, daß ihm mit Bewilligung des Würzburgischen major praepositus Otto ein Grundstück überlaffen worden,seiu soll, mit der Bedingung, nt judaeus in loco Ri goi a q u a etlii c t u m subter x aneu m , qui Thal Yücatur, sumptibus suis ad Um'dorem ducationem debeat praeparare, wie es in der angeführten Urkunde lautet. Zudem ist der Name Süß kind , als ein gewöhnlicher, keine hinlängliche Gewähr

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