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Der Orient · 1840-02-22 · 8 (22.2.1840) · p. 114

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
8 (22.2.1840)
Article
Leo der Hebräer
Date
1840-02-22
Page
114 (sequence 2)
Language
German
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116 116 Leo des Hebräers Dialogen über die Liebe. Tableau ihres Inhalts. ctbict mit dem Wesen Gottes und ist davon nicht unterschieden. Nach Aristoteles ist die göttliche Form und Essenz mit der Weisheit selbst und dem ersten Intellekt und der idealen Schönheit Ein Ding; nach Plato emaniren letztere aus Gott, und sind in Etwas von ihm verschieden. Daher nennt Plato Gott nicht die Schönheit, die Weisheit, sondern das höchste Schöne, das höchste Gut oder den Urheber des Schönen, des Guten; den Namen der Schönheit legt er vielmehr dem Intellekt bei, nicht Gott, dem Ursprung der Intelligenz — hierin, wie es scheint, alten von Moses und Salomo herrührenden 'Überlieferungen folgend. Die Urliebe des höchsten Schönen zur höchsten Schönheit wie des Mannes zur Frau ist das edle Princip, aus dem alle geschaffene Dinge und alle Arten der Liebe entsprossen sind. Die Erkenntniß der unkörpeclichen Formen, das gradweise Aufsteigen von den untern bis zu den obern Staffeln derselben, das Angelangen bei der höchsten aller Formen und endliche selige Beruhen in dem höchster Schönheit — dies das würdigste Gebiet des menschlichen Strebens. 5) Der Endzweck der Liebe ist das Vergnügen. Sind Liebe und Sehnsucht von einander unterschieden, so ist diese die Species, jene das Genus. Jene hat das Vergnügen als etwas zugleich gutes und schönes, diese als gutes zum Endzweck. Das Gute ist das Strebeziel beider. Vielfache Art der Vergnügungen (voluptates), der Sehnsucht oder des sensi'beln Begehrens, und der Begehrenden selber. Die Vereinigung, deren heftigstes Begehren die Liebe ist, fallt mit dem Vergnügen zusammen. Aristoteles, diese höchste Einheit verkennend, theilt die Liebe ein in eine Liebe des Nützlichem des Angenehmen und des Tugendhaften. Unterschied der moralischen oder gemischten, und der intellektuellen oder reinen Tugendenwelche nicht materiellen Nutzen, nicht sinnliche Wollust, sondern allein intellektuelle Güte zum Gegenstand des Liebesaffekts haben. Die platonische Unterscheidung einer thierischen, menschlichen und göttlichen Liebe stimmt mit der aristotelischen einer lasterhaften, moralischen und intellektualen. Hierauf rückt der Verfasser mit einigen Vorbemerkungen der gründlicheren Lösung der Frage nach dem Endzweck der Liebe näher. Ist, vorläufig angenommen, das Vergnügen an der Vollkommenheit und Schönheit des geliebten Gegenstandes das Ziel-der Liebe, so wird die Liebe Gottes eine zweifache sein: a) eine Liebe zur eignen Form und Weisheit, auf die Schöpfung der Welt und die Erhaltung der geschaffenen hinzielend; b) eine Liebe zu dem hervorgebrachten Universum, dasselbe zum Ideal der Vollkommenheit zu führen strebend. Die möglich ähnlichste Darstellung des göttlichen Urbildes war Zweck der Schöpfung; in der aktuellen und intellektuellen Liebesverbindung des geschaffenen Intellekt, des edelsten Theiles der Welt, mit der göttlichen Form, Weisheit und Schönheit besieht ihre Vollendung, vermöge der die Welt zu ihrem Schöpfer zurückkehrt, von dem sie ausgegangen. Diesemnach ist der letzte und allgemeinste Endzweck aller im Bereich der geschaffenen Dinge sich findenden Liebe das der intellektualen Natur Prärogativ vergönnte Genießen des Schöpfers. Nun folgt die Schilderung eines bewunderungswürdigen Cirkels, der in seiner Peripherie die.gesammte Mannigfaltigkeit der Essenzen und Gattungen der Liebe begreift. Der eine Halbkreis dieses Cirkels beginnt von Gott, geht durch alle Klassen der Engel, dann, sich gradweise weiter fortbewegend, durch alle himmlische Sphären hindurch, und endet in der die gegensätzlichste Distanz von der Gottheit aus einnehmenden prima materia. Der andere Halbkreis, von dem ersten Substrat seinen Anfang nehmend, und die Elemente, die leblosen Mischkörper, die Pflanzen, die Thiere und das Menschengeschlecht berührend, strebt von der untritiven Seele zur sensitiven und so weiter zur intelligenten fest, und indem er in den intellektuellen Akten dieser zu immer höheren Staffeln aufsteigt, gelangt er bei dem höchsten an und ist so zu seinem Ausgangspunkte, dem Schöpfer, zucückgekehrt. Der erstere Halbkreis der Liebe, von Vollkommenen zu Unvollkommnerem, von Schöneren zu Häßlicheren herabsinkend, führt die Schöpfung und Erhaltung der Dinge mit sich; der andere Halbkreis, von dem Ungestalterem zu dem Wohlgestalterem, von dem Schlechtem zum Trefflicheren sich windend, erstrebt die Vervollkommung der Dinge und die Aurückführung derselben zu ihrem Principe. Die engste Vereinigung mit dem Schöpfer ist das höchste Vergnügen alles Geschaffenen, und die Summa aller Liebe. Die intellektuelle Wonne und Liebe ist weit entferntvon der Natur der Leidenheit (affectio), die cm der sinnlichen Wollust und Liebe hervortritt. In wiefern Vergnügen und Liebe von Gott prädicirt werden können. Aus dem Zusammenfluß der eifrigen Hinneigung der Welt zu ihrem Werkmeister und der unendlichen Liebe des Schöpfers zu seiner Schöpfung geht, vermittelst der intellektualen Natur, die Liebesvereinigung der Welt mit Gott hervor. Hierauf folgt der Epilog des ganzen -Werkes, ein sinnreiches Wechselgespräch Philo's und der Sophia, in welchem jener sich beklagt, daß er wider die Gewohnheit anderer Liebhaber statt des Vergnügens nur Schmerzen, Pein und Herzensqual -zu dulden habe, und der Sophia mit verliebter Zärtlichkeit ihr grausames und hartes Verhalten vorwirft. Er lobt die Form der Seele und die Schöne des Leibes an seiner Geliebten, die vermöge dieses doppelten Vorzugs wie auf zwei Fettigen, naher als es sonst dem Menschen vergönnt sei, zu der göttlichen Schönheit sich aufschwinge, und erklärt seine Liebe zu Sophia's vortrefflicher und beinahe göttlicher Gestalt für eine gerechte. „Warum strebst du, o Sophia, die du unter den menschlichen Dingen so sehr das Gepräge jener göttlichen Form trägst, diese nicht auch durch eine dankbare sich wieder hingebende

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