Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 8 (22.2.1840)
- Article
- Leo der Hebräer
- Date
- 1840-02-22
- Page
- 113 (sequence 1)
- Language
- German
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Literaturblatt -es Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. 8, Leipzig, den 22. Februar Leo des Hebräers Dialogen von der Liebe; Tableau ihres Inhalts; Ausgaben der Dialogen'über die Liebe — Kritik über die Schriften Mose Ben Esra's, von Le brecht. — Literarische Notizen; Giuseppe Nafavle Halewy. — Sabbatai Vita Marini. — Bitte. — Literarische Ankündigungen. — Replik gegen Herrn Luzzatto von Herrn Nosenthal. — 1840. Leo der Hebräer. Charakteristik seines Zeitalters, seiner Richtung und seiner Werke. (Schluß.) Allegorische Deutung der platonischen Fabel von der Zeugung der Liebe durch Po ros und Penia — welche Fabel den Ursprung der das All der geschaffenen Dinge umfassenden Liebe, wie jene den der menschlichen veranschaulichen soll. Doch ist die wahrste Anschauung der Sache diese: Die Liebe hat das geliebte Schöne gleichsam zum Vater, und die Erkenntniß des Schönen, zugleich mit der Abwesenheit desselben am liebenden Subjekt, zur Mutter. Die Liebe ist, wie Plato richtig bemerkt, die Sehnsucht, das Schone nach der Aehnlichkeit des Schönen, welches gleichsam der Vater der Liebe ist, zu gebaren und darzustellen. Die Schönheit ist ein Hauptmoment im Wesen und Begriff der Liebe; sie ist Anfang. Mittel und Ende aller. Liebe. Sie ist nichts Grob- Materielles, also auch nicht Objekt der niederen Sinne; sondern etwas Rein-Geistiges, also Object der edleren Sinne und geistigen Kräfte. Sie ist etwas aus der Region des Unkörperlichen über die Körper Ausgegossenes. Es ist oberflächlich und falsch, die Schönheit in Harmonie der Theile unter sich und zum Ganzen zu suchen. Alle Häßlichkeit der Körper gehört der Materie, alle Schönheit der Form an; je nachdem Materie oder Form überwiegt, ist der Körper schöner oder häßlicher. Die höchste Schönheit wohnt deshalb in den völlig körperlosen Formen; die von der Natur dem Körper eingepflanzte oder von dem Künstler dem Kunstwerk eingehauchte Form ist der Focus der Schönheit, und diese ist eine formale Anmuth, welche das erkennende und wahrzunehmende Subjekt angenehm afsicirt und zur Liebe fortreißt. Es giebt drei Grade der Schönheit: a) der niedrigste, der aus Materie und Form bestehenden Körper-; d) der mittlere, der solche Körper schmückenden Formen; o) der höchste, der Ideen, aus^welchen die erwähnten Formen zur Vollendung der Materie Herabflossen. Die Schönheit der Ideen übertrifft weit die Schönheit der eingekorperten . Formen. Die Ideen - haben ihren Wohnsitz in dem göttlichen Verstände, und zwar hier in höchster Einheit und Einfachheit, dann in der Weltseele. Dieser entspricht die menschliche Seele, jenem der menschliche Intellekt; dem sichtbaren Licht entspricht das intellektuelle Licht, und der hörbaren Harmonie die Harmonie der Weltseele» Die menschliche Seele ist voll geistiger ihr eingeborenen Formen der Dinge, die unter dem niederhaltenden Einfluß des Körpers mehr oder weniger dunkeln; die Ausgabe des menschlichen Geistes ist, die geistigen Schönheiten in den Körper durch die materielle Finsterniß und Mißgestaltniß hindurch herauszusinden, und sich so zur Erkenntniß der über alles materielle Contagium erhabenen Urbilder zu erheben. Die Seele gleichsam mit einem Gesichte zum Intellekt, mit dem andern zum -Körper gekehrt, ist einer Liebe zu den körperlichen Formen und einer Liebe zu den geistigen Formen fähig; zu der letzteren, in der allein die wahre Glückseligkeit besteht, muß alle sinnliche Liebe erhoben und verklärt worden. Die innerste Natur der Schönheit beruht, auf der Idee; diese ist das Princip aller Schönheit, und der Brunnquell, aus dem letztere auf die Gesammtheit der Körper überströmet. Die Ideen sind die zur Weltbildung erforderten Vorbegriffe Gottes. Die Controvers des Plato und Aristoteles beruht nur auf verschiedenen Bezeichnungen übereinstimmender Begriffe, und auf den entgegengesetzten Gesichtspunkten, von denen beide in ihrem Philosophien ausgingm. Aristoteles ist gleich lobwürdig in seiner-Antithese, als Plato in seiner These. Die Ideen scheinen verglichen mit der Mannigfaltigkeit der Formen, ihrer in die Erscheinung tretenden Abbilder, unzählig zu sein; aber sie reduciren sich in dem göttlichen Verstände doch zu einer höchsten und einfachsten Einheit. Erläuterung dieser idealen Einheit an dem Beispiel der Sonne und der intellettualen Vorstellungen. Die Idee der erschaffenen Dinge com» 6