Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1840)
- Article
- Jerusalem: die synagogalen Gebräuche
- Date
- 1840-01-25
- Page
- 28 (sequence 4)
- Language
- German
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28 bk Luft durchzieht, welche auf die Natur sehr wohlthätig wirkt. Es ist allgemeine Sitte, daß die meisten Stadt geleitet und dadurch Jerusalem einen unversieglr'chen, den Fehden Unzugänglichen Wasserreichthum gesichert zu haben. Diese Unternehmung deö Hlskia wird durch eine Betrachrung in das rechte Licht gestellt. Unter Jerusalem waren nämlich eine Menge unterirdischer Gänge, wie Josephus berichtet. Gegen das Ende der Belagerung des Titus versteckte sich eine Unzahl Juden in diesen Gängen, die voller Schätze und Leichen lagen; auch die Anführer Johannes und Simon von Gerasa verbargen sich darin. Simon kam bis unter den Lempclberg, da stieg er, von Hunger getrieben, heraus. Dio Cassius, bei Beschreibung der Belagerung durch Titus, sagt: „die Juden (in Jerusalem) waren durch ihre unterirdischen Gange gut daran, welche sie aus der Stadt unter den Mauern weg bis in weite Entfernung getrieben hatten, durch welche sie aussielen und die Wasser holenden Römer angriffm. Alle diese Gänge verstopfte Titus." Nicht ohne Bedeutung scheint nun in Tacitus Beschreibung des Tempels von Jerusalem folgende Zusammenstellung: Fons perennis aquae cavati, sub terra montes; die unterirdischen Gange waren vermuthlich vorzugsweise zum Behuf der Wasserleitungen, die meisten scheinen unter dem Tempelberge gewesen zu fein. Dafür spricht auch eine Stelle des Aristeas. Dieser erzählt von dem Wasser, welches in den Tempel zur Wegspülung des Opferthierblutes eingelassen wurde; ein starker natürlicher Quell, sagt er, quillt reichlich und fortwährend im Tempel selbst, durch Abzugskanäle fließe dann eine Menge Wasser ab; bewundernswürdig, ja unaussprechlich fei die Größe der unterirdischen Behälter, von denen unter dem Tempel "in einem Umfange von 5 Stadien alles voll sei. Durch die Mauern und den Fußboden des Tempels Laufen eine Menge Röhren hinab; es seien häufige versteckte Oeffnungen, welche einzig denen, welche den Qferdienst versehen, bekannt; das mit Gewalt durch sie einströmende Wasser spüle alles Opferblut weg." Ist nun des Tacitus so ns perennis aquae vielleicht die nnter Jerusalem im Tempel fließende Quelle des Hiskia, von welcher Siloah und der Brunnen Mariä nur einzelne Ausflüsse? Mußte nicht die Lage der unterirdischen Wasserleitungen möglichst geheim gehalten werden, worauf Aristeas hmdeutet? Schwieg Josephus aus Pietät? Zielt der Prophet Hesekiel (47, 1 — 12) auf diese geheime Quelle des Tempels, da er von dem Wasser spricht, das unter der Schwelle des Tempels gegen Morgen herausfließe und sich als Bach, an dessen Ufer fruchtbare Bäume wachsen, deren Blätter nicht verwelken, deren Früchte nicht verfaulen, durch das Blachfeld (Jericho's) in das todte Meer ergieße, welches dadurch gesund und fischreich werden solle? Bezieht sich Sacharja (13, 1. und 14, 8.) auf den versteckten, nur den Priestern bekannten Tempelborn, dessen Wasser das Blut der Sündopfer .wegspülte und den Tempel reinigte, wenn er eine Zukunft weissage, da „das Haus Davids und die Bürger zu Jerusalem einen freien offenen Born haben (würden) wkder die Sünde und Unreinigkeit," da aus Jerusalem frische Wasser fließen würden, die Hälfte gegen das Meer gegen Morgen (das todte Meer), und die andere Hälfte gegen das äußerste Meer (das mittelländische? Wie dem auch sei, Strabo's seltsame Bemerkung: Jerusalem hat innerhalb seiner Mauern Ueberfluß, außerhalb derselben Mangel an Wasser, ist wahr." hiesigen Einwohner während der Sommernächte außerhalb ihrer Wohnung in einem Hofe unter freiem Himmel schlafen, da sie nicht zu besorgen brauchen, jemals von Regen oder Gewitter aufgeschreckt, in ihre Wohnung zurückgetrieben zu werden. Nur wenige schlagen sich behufs dieses nächtlichen Aufenthalts eine einfache Hütte auf. Im Monat Elul hingegen ziehen sie sich, der nun eintretenden kalten Nachte wegen, in ihre Wohnungen zurück. Ueberdieß fallt um diese Zeit der Thau so stark, daß des Morgens Bett und Gewand durchnäßt ist. Der Winter ist also in Palästina nur darin vom Sommer unterschieden, daß an demselben zuweiten mehrere Tage lang regnet, ist aber der Regen vorüber, so folgt ein sommerliches Wetter. Schnee ist etwas unge» mein Seltenes, er wird aber gern gesehen, da er anhaltenden Regen verkündet. Nur selten bleibt derselbe über einen Tag liegen. Zm Januar 1836 jedoch siel eine solche Masse von Schnee, daß er erst nach zwölf Tagen schmolz, was hier auch eine seltene Erscheinung war. In dem vier Stunden südlich vom Safet liegenden Dorfe Brehm steht die Ruine eines Gebäudes, welches die Lehrschule des Propheten Obadja gewesen sein soll. Am Eingänge dieses uralten Ueberrestes findet sich eine in Stein gehauene hebräische'Inschrift, welche lautet: UrUH ]ÜÜ2 X2W t>wr\ bv IPiDDH btt )TOD liTDW d. i. Staunet nicht ob des Schnees, der in Nisan fallt, wir haben ihn schon in Siwan gesehen. Merkwürdig ist es, daß es in Palästina nur im Winter, und zwar gegen Anfang oder Ende desselben, niemals aber im Sommer Gewitter giebt. Vom Blitzableitern weiß man im ganzen heiligen Lande nichts. Mehrere Fremde glaubten, daß auf der hiesigen Festung Kalee ein solcher angebracht sei, aber dieser vermeintliche Blitzableiter ist nichts anders als eine Stange, an deren Spitze zuweilen eine Fahne aufgesteckt wird. — Die Fruchtbarkeit des Bodens in Palästina ist vorzüglich gut. Die Natur scheint in diesem Lande den Mangel ökonomischer Wissenschaft reichlich zu ersitzen. Häufig sieht man Felder, die so sehr mit Steinen übeksäet sind, daß der Ausländer sie für öde Steppen hält, während diese in reichem Maaße gesegnete Ernten liefern. Die Bearbeitung des Feldes ist wahrhaft erbärmlich. In Ermangelung des Pflugeisens wird die Erde nur mit einem hölzernen Apparate aufgeritzt und der Saamen eingestreut. An Düngung ist nicht zu denken; auch ist sie überflüßig. Ein Deutscher in Tiberias ansaßiger Oekonom erzählte, daß er versuchsweise einmal nach europäischer Weise sein Feld mit Dünger versah, doch der Boden brannte aus und es war an keine Ernte zu denken. — Jene Producte, welche im Abendlande erst im Juli und August zur Reife gelangen, sind es hier schon im April; in diesem Monat beginnt hier die Ernte. Die Weinlese hingegen nimmt erst im October ihren Anfang. An Getreide liefert -das Land blos Weizen